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Bischöfe müssen mehr Verantwortung zeigen

Der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, vor allem innerhalb der katholischen Kirche, bestimmt immer wieder aufs Neue die politische Diskussion. Der "Eckige Tisch" ist eine Betroffenen-Organisation, die Verantwortung von der katholischen Kirche für diese Taten ihrer Priester und Würdenträger einfordert. Auch während der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen gehen die Organisation in die Offensive. Wir dokumentieren Forderungen des "Eckigen Tisch".

 

Vom Treffen der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen erwarten wir, dass die deutschen Bischöfe ihren Ankündigungen vom Herbst 2018 Taten folgen lassen. Es braucht klare Schritte hin zu einer unabhängigen Aufarbeitung in den Bistümern und einer angemessenen Entschädigung für die Opfer. Auch die Ordensgemeinschaften, in deren Trägerschaft zahlreiche Einrichtungen lagen, in denen Kinder zu Schaden kamen, sind in gleicher Weise gefordert.

 

Das gilt auch für die weiteren katholischen Träger der vielen Heime und Einrichtungen der Jugendhilfe. Der Bischof von Osnabrück hat sich vor kurzem mit einem Konzept zum Umgang mit sexueller Gewalt in seinem Bistum voran gewagt. Das ist gut. Alle Einrichtungen brauchen ein Schutzkonzept und Kompetenzaufbau im Umgang mit sexueller Gewalt speziell gegen Kinder und Jugendliche, aber auch verwundbare Erwachsene.

 

Drei Punkte fehlen

 

Das haben wir ausdrücklich begrüßt. Zugleich fehlen in diesem Konzept drei Punkte, die wir auch bei den Statements anderer Bischöfe seit Fulda vermisst haben:

  • Beteiligung von Betroffenen mit ihrem Erfahrungswissen und ihrer Expertise an Aufarbeitung und Prävention. Die im Konzept genannte „Betreuung und Begleitung“ greift zu kurz. Ohne die Betroffenen hätte sich bis heute nichts geändert.
  • Unabhängige Untersuchung der Vergangenheit durch Kommissionen, die mit Unterstützung des Staates eingesetzt werden und sich an den beim UNABHÄNGIGEN BEAUFTRAGTEN DER BUNDESREGIERUNG entwickelten Standards orientieren, um die umfassende Aufklärung und Aufarbeitung endlich zu beginnen.
  • Die Bereitschaft zu Gesprächen zu einer angemessenen Entschädigungslösung für die Betroffenen

 

Diese Fragen stellen sich allerdings allen Bistümern. Wir erwarten, dass sie Gegenstand der Diskussionen und Beschlüsse sein werden. Wir ermutigen alle Bischöfe, die nicht länger darauf warten wollen, dass auch der letzte verstanden hat, voran

zu gehen.

 

Betroffene warten auf umfassende Aufklärung

 

Wir hätten den Bischöfen unsere Forderungen auch gerne direkt und persönlich erläutert. Eine Einladung dazu lag uns allerdings nicht vor. Das Gespräch mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz mit Vertretern von „ECA - Ending Clergy Abuse“, darunter unserem Sprecher Matthias Katsch, beim Missbrauchsgipfel in Rom hat gezeigt, dass ein Austausch möglich ist, der klar in der Sache und dennoch respektvoll ist. Wir möchten diesen Weg fortsetzen: Um der Betroffenen willen, die seit Jahren auf umfassende Aufklärung und Genugtuung durch eine angemessene Entschädigung warten; aber auch um der Kinder und Jugendlichen willen, die heute noch in den zahlreichen Einrichtungen der katholischen Kirche betreut und erzogen werden.

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