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Immer mehr Deutsche wollen früher in die Rente gehen

"Die Rente ist sicher". Das war die Losung des ehemaligen Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Das ist Jahrzehnte her, als Politiker mit solchen Parolen noch Wähler für sich gewinnen konnte. An der Bedeutung der Rente hat sich bis heute nichts geändert. Jetzt hat eine Studie herausgefunden, dass die Rente  vor allem für die so genannten Babyboomer ein ganz wichtiges Thema ist, denn sie wollen immer früher in den Ruhestand.

Wer arbeitet wie lange und warum? „Mit unserer Studie lidA greifen wir eine Vielzahl von Themen auf. Die Ergebnisse haben uns oft überrascht und nicht wenige machen nachdenklich“, erklärt Hans Martin Hasselhorn, Professor an der Bergischen Universität in Wuppertal.

Die Ergebnisse zeigten: Fast alle erwerbstätigen Babyboomer der untersuchten Jahrgänge sehen sich zwar noch fest im Arbeitsleben, über die Hälfte von ihnen möchte jedoch so früh wie möglich aus der Berufstätigkeit aussteigen. Typische Wunschzeitpunkte für den Erwerbsaustritt orientierten sich an altbekannten Altersnormen: 60 Jahre (langjährige frühere Altersgrenze für Frauen), 63 Jahre (sog. „Rente ab 63“) und 65 Jahre (langjährige Altersgrenze). Bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter wollten weniger als zehn Prozent aller älteren Erwerbstätigen arbeiten. „Das passt nicht mit dem gesellschaftspolitischen Anliegen einer allgemeinen Verlängerung des Erwerbslebens zusammen“, sagt Hasselhorn. 

Es stehe aber fest: Die Arbeitswelt wandele sich. Neue Technologien, veränderte Arbeitsformen, Flexibilisierung und weitere Faktoren führten zu veränderten Bedingungen. „Auch ältere Erwerbstätige stellt dies vor große Herausforderungen“, so der Wissenschaftler.

Wenn also ältere Erwerbstätige heute mehr und länger arbeiten sollen, stellten sich für Politik, Gesellschaft und Betriebe verschiedene Fragen. „Darin geht es um Gesundheit, den Erhalt der Arbeitsfähigkeit, aber insbesondere auch um die Erwerbsmotivation. Es wird essenziell, die zahlreichen verschiedenen Faktoren zu kennen, die die Fähigkeit und Bereitschaft, überhaupt oder länger zu arbeiten, beeinflussen", sagt Hasselhorn weiter. mei

Zur Studie:

https://www.arbeit.uni-wuppertal.de/studie.html

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