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Auf der Automesse setzen Hersteller auf E-Mobilität

Unser Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat einmal einen Blick auf die Neuheiten des Genfer Automobilsalons geworfen. Die E-Mobilität wurde auf dieser Messe ein großer Stellenwert eingeräumt, weiß Dudenhöffer. Aber Genf soll auch ein Jahr der Gewinnwarnungen der Autokonzerne einläuten, so der Experte.

 

Ein zwiespältiges Umfeld prägte in diesem Jahr den Genfer Autosalon. Zwar ist die Lage nicht so extrem wie im Jahr 2009, dem Jahr der Weltfinanzkrise, die durch die Lehman-Pleite 2008 ins Rollen kam. Aber das Umfeld der Messe könnte besser sein. Die Branche fürchtet den Brexit der türkische Automarkt liegt mit einem Rückgang von 33 Prozent im Jahr 2018 am Boden, die erhoffte Belebung des iranischen Automarkts wurde durch die Sanktionen des US-Präsidenten zunichte gemacht, im Inland kämpfen die Autobauer mit der Umstellung auf den WLTP-Zyklus und weitere Bußgelder drohen beim Diesel. US-Präsident Trump ist auch mit Europa auf Zollkriegskurs und in China verharrt der Automarkt die nächsten Monate in der Rezession.

 

Als wäre das nicht schon genug wurde von der EU mit den CO2-Regeln für 2030 nochmals der Druck auf Investitionen für eine klimaneutralere Mobilität erheblich gesteigert. Auch das sieht und fühlt man an einer Fülle an Elektromodellen und Studien in Genf.

 

Im Kontext des Weltautomarkts hat England eine eingeschränkte Bedeutung. 2018 wurden in England 2,34 Mio. Pkw neu zugelassen. Das entspricht 2,8% der weltweiten Verkäufe. Selbst wenn der UK-Markt um 25 Prozent einbrechen würde, was keinesfalls zu erwarten ist, würde der weltweite Nachfrageausfall gerade mal 0,7 Prozent des Weltmarktes ausmachen. Daher sind überzogene Befürchtungen auf der Nachfrageseite wenig realistisch. Lässt man jetzt BMW außen vor, ist der BREXIT für die VW- Gruppe und Daimler „verdaubar“. Bentley spielt im VW-Konzern eine untergeordnete Rolle.

 

Jaguar Landrover wird es treffen

 

Schwieriger wird es für Autobauer und Zulieferer mit Produktionsstandorten auf der Insel. Am schlimmsten dürfte es JaguarLandrover treffen, denn dort ist man extrem vom Produktionsstandort England abhängig. Aber auch für Ford und Opel bereitet der BREXIT Kopfzerbrechen. Ford Europe steckt bereits in Verlusten und bei Opel- Vauxhall hat das Werk Ellesmere Port einen sehr schweren Stand. Ähnliches wie bei Honda, mit der angekündigten Schließung des Werks Swindon, muß befürchtet werden. Die Japaner ziehen sich Stück für Stück aus dem Produktionsstandort

 

England zurück und auch bei BMW dürften die Wachstumsraten für Mini- Produktionen in UK Vergangenheit sein. Es wird leerer in den Werkshallen der Autobauer und Zulieferer in England. Es sieht so aus, als würde die englische Premierministerin Theresa May zur Totengräberin der englischen Autoindustrie. Die Risiken sind zu hoch, es fehlt an Planbarkeit, die Spielchen der Premierministerin werden immer unglaubwürdiger - schnell raus aus dem Produktionsstandort UK scheint zur Parole zu werden. Auch darüber wird auf den Ständen gesprochen.

 

Gewinne werden dünn ausfallen

 

Die Gewinne der Autobauer und Zulieferer werden im Jahre 2019 sehr dünn ausfallen. Gewinnwarnungen, Produktionskürzungen und Personalabbau sind vorprogrammiert. Die größte Belastung dürfte der Rückgang aus China ausmachen. Kein gutes Umfeld für eine Messe in Glanz und Glamour.

Im Jahr 2019 werden nach unserer Prognose weltweit 81,9 Millionen Pkw verkauft werden (vgl. Abb. 1). Das ist ein Rückgang von 1,8 Millionen Pkw-Verkäufen gegenüber dem Vorjahr; gegenüber dem Jahr 2017 fehlen 3 Millionen Pkw-Verkäufe. Damit ist von nicht-ausgelasteten Produktionskapazitäten von deutlich mehr als fünf Millionen Pkw-Neuwagen weltweit auszugehen. Nicht-ausgelastete Produktionskapazitäten sind im Autogeschäft mit Verlusten gleichzusetzen

 

Neuwagenkäufe fehlen

 

Insgesamt fehlen gegenüber dem Jahr 2017 in Asien 1,8 Millionen Neuwagenverkäufe. Das zeigt, dass die Zoll- Eskapaden des US-Präsidenten Donald Trump gegen Europa zwar ärgerlich sind, aber US-Zölle für europäische Fahrzeuge sind nicht das große Problem, sondern der Zollkrieg mit China. In Nordamerika muß mit Nachfragerückgängen in Kanada, USA und Mexiko gerechnet werden. Fazit: Das Umfeld zu Genf verdirbt die Champagner- Stimmung.

 

Der Trend, dass die klassischen Automessen an Bedeutung verlieren, setzt sich auch in Genf, wenn auch in geringerem Ausmaß, fort. So fehlen in diesem Jahr unter anderen Ford, Volvo, Opel, Jaguar und Landrover. Das Drama aus Detroit, bei dem fast alle Autobauer fehlten, wiederholt sich also in Genf nicht. Wie jedes Jahr werden in Genf die Hyper-Cars, wie Ferrari, Lamborghini, McLaren, Aston Martin, Pagani oder Koenigsegg ihre Neuheiten feiern.

Mediale Aufmerksamkeit wird der Auftritt von Toni Piëch mit seiner Studie „Piëch Mark Zero“ erzeugen. Ob sich daraus wirklich eine neue Marke für exklusive Autosentwickelt wird sich zeigen. Die Informationen aus der Vorberichterstattung lassen das eher nicht vermuten.

 

Die grossen Themen der Zukunft sind autonomes Fahren, künstliche Intelligenz und Connectivity in Verbindung mit

dem Elektroantrieb. In diesen Felder erscheint der „Piëch Mark Zero“ eher bieder .Auch der Hinweis, dass Piëch für

alle Antriebe offen ist - Verbrenner, Hybrid, Batterie- elektrisch, Brennstoffzelle – klingt wenig fokussiert. Entwickelt und produziert soll das Auto von Entwicklungs- und Produktionsdienstleister werden. Auch das verspricht zunächst kein Feuerwerk an Innovationen.

 

Die Impulse 

 

Die Impulse in Genf kommen wie in den Vorjahren vom SUV. Im Januar 2019 waren 32,3% der Pkw-Zulassungen in Deutschland SUVs. Ein neuer Rekord, der nicht lange Bestand haben wird. Dafür sorgen auch die neuen, in Genf gezeigten SUV. So stellt Skoda seinen neuen City-SUV Kamiq vor, Mazda feiert in Genf die Weltpremiere des CX-4, eines neuen Mittelklasse-SUV. Mittlerweile ist fast jeder zweite verkaufte Mazda ein SUV. Mitsubishi präsentiert die neue Generation des Kompakt-SUVs ASX, Audi den elektrischen Q4, der nicht vor 2020 im Markt sein wird.

 

Der Durchbruch des Elektroautos wurde in den letzten Jahren jährlich in Genf verkündet. Dieses Mal ist es aber glaubhaft. Hauptgrund ist die EU-Kommission mit den neuen CO2-Vorgaben und das Diesel-Eigentor der Autobauer. Ein Zurück zum Diesel gibt es nicht mehr, also bleibt allen nur mit Volldampf ins Elektrozeitalter zu fahren, auch das ist Botschaft von Genf.

 

Schwieriges Umfeld und hohe Investitionen in die Elektromobilität sind in Genf nebendem Glamour „greifbar“. Genf leitet eher ein Jahr der Gewinnwarnungen statt der großen Erfolge ein. Das wird auch 2020 kaum besser werden. Die Hoffnung liegt auf der Zeit nach 2020 und diese Hoffnung ist nicht unbegründet. Ferdinand Dudenhöffer

 

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