Meinung: Donald Trump hat den Überblick verloren

Offenbar hatte der Poltergeist im Weißen Haus den Überblick verloren. Vielleicht kein Wunder, denn täglich steht Trump innenpolitisch vor neuen Herausforderungen. Mal ist es der Bau der Mauer an der mexikanischen Grenze, der nicht so schnell vorangeht, wie Trump es sich wünscht. Dann ist es ein Vize-Justizminister, der einen „Putsch“ gegen ihn geplant haben soll.

 

Trumps innenpolitische „Agenda“ ließe sich problemlos mit weiteren Beispielen füllen, die seinen Alltag bestimmen. Offenbar nimmt die Innenpolitik Trump so sehr in Anspruch, dass er an der außenpolitischen Flanke schwächelt. Wie anders ist es zu erklären, dass er vor wenigen Wochen noch die Terrortruppe IS in Syrien für „besiegt“ erklärte. Die dort stationierten 2000 amerikanischen Soldaten sollten folglich in die Heimat zurückgeholt werden. Und nun macht Trump das, was er am besten kann: Eine Rolle rückwärts. Möglicherweise war der internationale Druck zu groß. Nicht wenige Länder, die an der Seite der USA gegen den IS kämpfen, fanden Trumps „Rückzug-Order“ mehr als voreilig. Auch innenpolitisch geriet Trump wegen dieser Entscheidung

unter Druck.

 

Eine Rolle rückwärts

 

Nun will Trump doch noch 200 Soldaten in Syrien belassen. Diese Soldaten sollen noch einige Zeit als Friedenssicherungstruppe

in dem Bürgerkriegsland verbleiben. Diese Trumpsche Rolle rückwärts ist durchaus sinnvoll, denn Syrien ist immer noch ein Pulverfass. Möglicherweise hält die amerikanische Truppenpräsenz den IS davon ab, in Syrien wieder aktiv zu werden. Ein Angriff auf US-Streitkräfte könnte für die Terroristen nämlich weitreichende Folgen nach sich ziehen. Das dürfte der IS wissen.

 

Die Wirkung auf die Türkei wird nicht verfehlt

 

Die jetzt noch verbleibenden US-Soldaten dürften auch ihre Wirkung auf die Türkei nicht verfehlen. Die würde nämlich im Falle eines Machtvakuums allzu gerne mit einer Offensive im Norden Syriens gegen die Kurdenmiliz YPG vorgehen. Einer Miliz, die den Amerikanern und ihren Verbündeten im Kampf gegen den IS wertvolle Hilfe leistete. Hier steht Trump in einer moralischen Verpflichtung, die Kurden nicht an Erdogan „auszuliefern“. Von einem kompletten Abzug der US-Truppen hätten aber auch noch weitere Akteure im Syrienkonflikt profitiert: Russland, der Iran und nicht zuletzt Syriens Machthaber Assad hätten dafür gesorgt, dass die Karten noch einmal neu gemischt werden. Dem allem hat Trump auf den letzten Drücker jetzt einen Riegel. vorgeschoben. Dieter Hintermeier