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Internationale Foren machen weiter Sinn

Heribert Dieter von der Stiftung für Wissenschaft und Politik in Berlin hält, trotz aller Kritik, das Weltwirtschaftsforums in Davos im Zeitalter des Populismus noch für einen sinnvollen Event. 

 

Herr Dieter, der Slogan der französischen Gelbwesten lautet: „Die Eliten machen sich Sorgen um das Ende der Welt, wir um das Ende des Monats“. Könnte das auch die Situation beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos beschreiben? 

 

HERIBERT DIETER: Die Eliten, die sich in Davos treffen,  haben  über viele Jahre hinweg die Sorgen und Nöte vieler Menschen ausgeblendet. Stattdessen feierte man dort  den Siegeszug der Globalisierung. Ein Beispiel, dass die Globalisierung nicht allen Nutzen bringt, ist Italien. Seit zwei Jahrzehnten müssen dort die Arbeitnehmer mit stagnierenden Einkommen leben. Aber durch den Einzug der Populisten in die Parlamente fällt den Eliten auf, dass es Menschen gibt, die am Ende des Monats nur noch Nudeln essen können.

 

Das Forum malt in diesem Jahr ein Krisenszenario an die Wand. Das fängt beim Klimawandel an und hört bei geopolitischen Spannungen auf. Ist ein solches Treffen notwendig, um dieser Krisen der Welt zu lösen?

 

DIETER: Der Krisenkatalog des WEF ist bemerkenswert, da er sich fast nicht mit wirtschaftspolitischen Fragen beschäftigt. Zum Teil sind es Themen, die exotisch erscheinen, wie zum Beispiel „Kriege im Weltall“. So etwas mag vielleicht irgendwann mal ein Thema sein, aber sicher nicht im Jahre 2019. Dass beim WEF aber auch über den Klimaschutz gesprochen wird, ist nützlich. Leider kommen beim Krisenkatalog die Probleme der internationalen Wirtschaftsbeziehungen wenig vor. 

 

Wenig ist beim WEF auch von politischer Prominenz zu sehen. Donald Trump und Emmanuelle Macron kommen zum Beispiel nicht zum Forum. Verliert es dadurch an Bedeutung?

 

DIETER: In der Tat, dem WEF fehlen die großen Namen. Das ist ein Zeichen, dass das Forum an Bedeutung verloren hat.  Die prominenten Politiker brauchen Davos nicht mehr, sie wollen keine internationalen Probleme lösen, sondern lieber ihre nationale Agenda abarbeiten. 

 

Bleibt das WEF dann, wie Kritiker sagen, ein Treffen der Finanzoligarchie, die dort die neoliberale Ideologie zelebriert?

 

DIETER: Viele würden das gerne so machen. Aber vielen Beobachtern ist mittlerweile klar geworden, dass es die Finanzindustrie seit dem Crash im Jahr 2008 war, die den populistischen Strömungen weltweit Vorschub geleistet hat. Es ist diese Industrie, die den internationalen Wirtschaftsbeziehungen viel Schaden zugefügt hat.  Hier fällt mir ein Zitat aus der „Financial Times“ ein: Bankiers sind Menschen, denen man immense Gelder für sozial nutzlose Aktivitäten bezahlt, hieß es dort. In Davos haben diese wieder Zeit zum Schulterklopfen.

 

Wem nutzt dann ein solches Forum noch?

 

DIETER: Bei aller Kritik, der Dialog der dort geführt wird, ist nicht zu unterschätzen, obwohl es für diesen keinen genau definierbaren Nutzen gibt. Derzeit geht es der Weltwirtschaft  relativ gut, trotzdem gibt es  besorgte Manager, die dem Frieden nicht trauen. Wenn diese sich dann in Davos treffen, kann es zu negativen Übertreibungen kommen.

 

Aber es treffen sich dort nicht nur Manager. Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International und Oxfam sind auch mit von der Partie. Dienen sie den Wirtschaftseliten als Feigenblätter?

 

DIETER: Solche Organisationen bewirken beim WEF wenig. Ich stelle mir deshalb die Frage, warum sie dort überhaupt hingehen. Vielleicht gefällt es ihnen, wenn sie Teil eines solchen Elitetreffens sind und fühlen sich deshalb in Davos wohl. Letztlich haben solche Organisationen beim WEF eine Alibifunktion und keine zentrale Rolle. 

 

Übernimmt das WEF die Rolle des Wohltäters selbst? Was hat das Forum im Kampf gegen Armut, Ungleichheit und Hunger in der Welt erreicht?

 

DIETER: Es gibt auf diesem Gebiet enorme Erfolge, das haben wir hier  aber nicht wirklich zur Kenntnis genommen. Die Zahl der absolut armen Menschen ist deutlich gesunken, denn eine Weltwirtschaft die wächst, hat positive Auswirkungen auf die Armut.

 

Es gibt nicht wenige, die am liebsten einen Schlussstrich unter das WEF ziehen würden. Sollte das Treffen der Wirtschaftseliten abgeschafft werden?

 

DIETER: Das wäre der falsche Weg. Mittlerweile gibt es außerhalb Europas Foren,  die dem WEF ähneln. Das zeigt, dass es weltweit ein Bedürfnis nach solchen Treffen gibt. Und im Zeitalter des Populismus, braucht es mehr internationalen Austausch und nicht weniger. mei

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