Schießt Geld doch Tore?

Schießt Geld also Tore, wie der populäre Fußballtrainer Otto Rehagel einst gefachsimpelt hat? In Neuchatel haben sie mit Blick auf diese Frage eine andere Zeitrechnung aufgemacht - und man hat dort im übertragenen Sinne damit selbstverständlich auch Recht.

 

Eine in dieser eidgenössischen Stadt von der Forschungsgruppe „Football Obseratory“ des CIES (Internationales Zentrum für Sportstudien) im Mai des Jahres 2017 – also Mitten im Fußball-Alltag - erstellte wissenschaftliche Studie zeigt: Investitionsfreudige Fußballclubs sind beim Torschuss erfolgreicher und gewinnen dadurch auch häufiger als die monetär eher zurückhaltenden Kontrahenten. „Geld schießt Tore - außer in Wolfsburg, Leverkusen und Hamburg“, so die CIES-Folgerung im Rückblick auf die damals bestehende Situation.

 

Spielerkäufe und Transferausgaben verglichen

 

Um was ging es konkret? Die Experten hatten Sportergebnis-Tabellen fünf europäischer Top-Ligen mit den von den Clubs für Spielerkäufe getätigten Transferausgaben verglichen. Das Ergebnis: Der VfL Wolfsburg – damals auf dem 15. Rang der Fußball-Bundesliga - war zu der Zeit jener Club, der am weitesten von seiner eigentlichen potenziellen (finanziell begründeten) Leistungsfähigkeit entfernt war. Gemäß der Summe, die der VfL für seine auf dem grünen Rasen eingesetzten Profis investiert hatte (laut CIES waren das 186 Millionen Euro), hätte er eigentlich als Dritter in der Bundesliga auf Champions-League-Kurs steuern müssen.

 

Realität zeigte ein anderes Bild

 

Die Realität bot damals ein anderes Bild: Zwölf Plätze lagen seinerzeit zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Effizienz sieht anders aus. Bayer Leverkusen kam - wie auch der Hamburger SV - damals auf einen Wert von minus 8. Bundesliga-Spitzenreiter war dieser Betrachtung zufolge der SC Freiburg, der neun Plätze besser rangierte, als es seine Transferausgaben nahelegten.

 

Der logische Meister der Saison

 

Bayern München der Club mit den bei 356 Millionen Euro liegenden höchsten Transferausgaben, erschien demnach auch als der logische Meister der Saison 2016/17. In der englischen Premier League lag der im Jahr 1878 gegründete Club West Bromwich Albion damals weit vorne, in Italiens Serie A war es Atlanta Bergamo. Beide Clubs lagen jeweils +10 Ränge über dem eigentlich errechneten „Geld-Rang“.

 

Eine "geldnahe" Tabelle entwickeln

 

SD Eibar und CD Alavés waren Spaniens TopKlubs (je +7), in Frankreich lagen der FC Nantes und OGC Nizza (jeweils +5) vorne. Das meiste Geld verpulverten seinerzeit den Berechnungen des CIES zufolge der spanische Club FC Valencia (minus 9), die britischen Fußballer des AFC Sunderland (- 8), der FC Lorient (- 7), Internazionale Milan und der US Palermo (mit jeweils minus -5). All das legt für Statistiker in der Tat die Chance offen, eine „geldnahe“ Tabelle zu kreieren.

 

Eine Tabelle rechnerisch darstellen

 

Man könnte einen Quotienten schaffen, der zum Beispiel  für jene Fußball-Mannschaft 1,0 beträgt, die den höchsten Spieler-Etat hat. Alle anderen Mannschaften werden entsprechend ihres Etats ab- bzw. hochgestuft. Rein rechnerisch ließe sich so eine Tabelle darstellen, in die spielerische Leistung und Gehalt einfließen. Das aber würde erfordern, dass alle finanziellen Daten der Clubs auf dem Tisch liegen und vergleichbar gemacht werden. Das Problem: Niemand hat wirklich ein Interesse an einer solchen (interessant wirkenden) „Tabelle der Wahrheit“. ret