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Den Arbeitsplatz mit zum Wohnort nehmen

Herr Nickel, die Wohnungen sind in der Region für Normalverdiener kaum noch erschwinglich. deshalb nehmen Pendler lange Fahrten zum Arbeitsplatz in vollen Zügen in Kauf. Wie konnte es so weit kommen?

 

HEIKO NICKEL: Hier spielen zwei Elemente eine Rolle. Zum einen behaupteten Studien in den 1990er-Jahren, dass es kaum Zuzug in die Rhein-Main-Region geben würde. Das Gegenteil war aber der Fall, denn der Zuzug in die Region hält seit 20 Jahren an. Und daran wird sich in Folge des Brexit und der Vernetzung der großen Finanzplätze auch nichts ändern. 

 

Warum haben die Verantwortlichen unter diesen Umständen denn nicht dafür gesorgt, dass der ÖPNV ausgebaut wird, damit die Menschen, die außerhalb der Region wohnen, aber in Frankfurt arbeiten, zeitnah von ihrer Wohnung zum Arbeitsplatz kommen?

 

NICKEL: Knut Ringat, der Geschäftsführer des RMV hat einmal gesagt, dass er nur mit dem aktuellen hessischen Verkehrsminister über den Ausbau des RMV habe sprechen können. Bei allen anderen sei es nur um Einsparungen und Kürzungen bei diesem Thema gegangen. 

 

Was hat sich dadurch beim ÖPNV geändert?

 

NICKEL: Viele Projekte sind jetzt in der Pipeline. Zum Beispiel der Ausbau von S-Bahn-Strecken. Aber diese Projekte haben eine sehr lange Vorlaufzeiten, das muss man wissen.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, den ÖPNV aktuell zu verbessern?

 

NICKEL: Das kann zum Beispiel durch eine Taktverdichtung der Bahnen möglich werden. Die Deutsche Bahn hat ausgerechnet, dass durch die Digitalisierung der Zugsteuerung die Kapazitäten um rund 30 Prozent ausgebaut werden könnten. Jedenfalls liegt heute auf den Verantwortlichen ein enormer Druck, den ÖPNV auszubauen. 

 

Macht es denn überhaupt Sinn, dass so viele Pendler aus dem Umland zum Arbeiten in die Rhein-Main-Region kommen?

 

NICKEL: Am besten ist es, wenn die Pendler ihre Arbeitsplätze mit auf das Land nehmen. Denn es macht keinen Spaß tagtäglich in einer vollen Bahn oder im Stau mit dem Auto nach Frankfurt zu kommen. 

 

Was sollte denn der ländliche Raum bieten, damit die Pendler lange Fahrzeiten in Kauf nehmen?

 

NICKEL: Ganz wichtig ist, dass die Kommunen bei der Ausweisung von Siedlungsflächen keine Neubaugebiete auf der grünen Wiese planen, sondern nur entlang bestehender S-Bahn-Linie. Der ÖPNV sollte also immer mitgedacht werden, wenn es um neue Siedlungsflächen geht. Und nicht wie es früher gemacht wurde, dass eine Kommune der anderen ihren Verkehr vor die „Füße kippte“. Dann sollten die Kommunen im ländlichen Raum, dazu zähle ich zum Beispiel Mittelhessen, den Vogelsberg und den Odenwald, das Thema Abwanderung im Auge haben und für eine passende Infrastruktur sorgen. Schulen, Kaufläden, Schwimmbäder. All das gehört dazu, damit die Menschen auf dem Land bleiben.

 

Welchen Stress nehmen die Pendler unter diesen Voraussetzungen dann in Kauf?

 

NICKEL: Wenn jemand im ländlichen Raum wohnt, dann kann die Fahrt zum Arbeitsplatz und nach Hause durchaus täglich zwei Stunden täglich dauern. Hinzu kommt noch die Fahrt vom Haltebahnhof bis zur Arbeitsstelle. Das kostet auch noch einmal Zeit. Aber pendeln ist sehr individuell. Es gibt Menschen, die fahren täglich von Hannover nach Frankfurt mit dem ICE zu ihrem Arbeitsplatz. Wieder andere fliegen täglich zu ihrem Job in München und Mailand, ohne dass diese als Belastung empfinden. Laut einer Mobilitätsstudie, dauert die durchschnittliche „Pendelstrecke“ eines Erwerbstätigen in Deutschland rund 30 Minuten.

 

Was kann getan werden, damit die Menschen gerne mit ÖPNV stressfrei unterwegs sind?

 

NICKEL: Ziel sollte es sein, dass jeder Fahrgast, der mit dem ÖPNV unterwegs ist, einen Sitzplatz bekommt. Für wichtige halte ich es auch, dass die Züge und Bahnen mit WLAN ausgestattet sind. Man kann zwar die Züge nicht mehr länger machen, als sie mit ihren 210 Meter jetzt schon sind, aber man sollte darüber nachdenken, mehr doppelstöckige Züge einzusetzen. Die würden jedenfalls das Sitzplatz-Problem in vollen Zügen entspannen."

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