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Bewegt sich die EU in die falsche Richtung?

Am pessimistischsten sind derzeit die italienischen Befragten (57%) eingestellt, gefolgt von den Franzosen (54%) und Briten (52%). Im Gegenzug ist nicht einmal jeder dritte EU-Bürger dieser neun Länder (28%) der Überzeugung, dass sich die Europäische Union grundsätzlich auf dem richtigen Weg befindet. 

 

Obwohl also viele Bürger ihren Unmut über die Entwicklungen in Brüssel äußern, stellte dieses Ergebnis doch eine leichte Verbesserung im Vergleich zu früheren Erhebungen dar: Vor zwei Jahren glaubten noch sechs von zehn europäischen Befragten (57%), dass sich die Dinge in der EU verschlechtern; nur jeder Fünfte (21%) vertrat damals die gegenteilige Meinung. Die einzige Ausnahme von diesem Trend bildet dabei Deutschland: Hierzulande betrachtet beinahe jeder Zweite (48%) die Entwicklungen in Europa kritisch, 2017 lag dieser Wert noch bei 45 Prozent. 

 

Viele Bürger fühlen sich durch die EU nicht vertreten 

 

Die Ursache für die weit verbreitete EU-Skepsis wurzelten laut der Ipsos Studie nicht zuletzt in einem tiefen Misstrauen zwischen den Regierenden und den Regierten. Fast jeder zweite befragte Europäer (45%) ist der Ansicht, dass die Regeln und Bestimmungen der Europäischen Union manipuliert seien, um die "Reichen und Mächtigen zu begünstigen". Eine knappe Mehrheit (52%) glaube außerdem, dass sich Europas führende Politiker nicht um die alltäglichen Belange der Menschen kümmere. Innerhalb der EU stimmen Belgier (57%) und Franzosen (56%) dieser Aussage am ehesten zu, deutsche (48%) und polnische Staatsbürger (47%) zeigen sich diesbezüglich etwas weniger skeptisch. 

 

Weit verbreitete Unkenntnis über die Vorteile der EU 

 

Die Studienergebnisse legten außerdem nahe, dass eine Vielzahl der Europäer in den neun Befragungsländern gar keine Kenntnis darüber hat, welche (potentiellen) Vorteile eine EU-Mitgliedschaft mit sich bringe. Nur vier von zehn Befragten (42%) geben an, dass sie ziemlich oder sogar sehr viel über die positiven Aspekte der EU wüssten - obgleich die Sachkenntnis über die (potentiellen) Nachteile noch geringer ist (36%). Die Briten fühlten sich insgesamt am ehesten über die Vor- und Nachteile der EU-Mitgliedschaft informiert, am wenigsten die Franzosen und Spanier. 

 

Europäisches Projekt wird trotzdem als Erfolgsgeschichte wahrgenommen 

 

Trotz aller Kritik am gegenwärtigen Zustand der EU werde das Projekt Europa insgesamt gesehen doch als Erfolgsgeschichte wahrgenommen. In allen befragten Ländern glaubten die Menschen, dass das europäische Projekt in den letzten 60 Jahren mehr Erfolge als Misserfolge verzeichnet hatte. In Polen (43%) und Ungarn (40%) stimmten dem besonders viele Bürger zu, in Deutschland immerhin noch drei von zehn Personen (30%). Belgier (19%), Italiener (18%) und Franzosen (17%) sehen Europa hingegen weitaus seltener als Erfolgsgeschichte. 

 

Briten entdecken ihre Liebe zu Europa 

 

Auch in Bezug auf die Auswirkungen des europäischen Projekts auf ihre eigenen Länder seien die meisten Europäer eher positiv als negativ gestimmt - allerdings zeigten sich hier massive Diskrepanzen zwischen den verschiedenen befragten EU-Staaten. Europaweit seien vier von zehn Personen (41%) der Überzeugung, dass das eigene Land heute stärker sei, als es ohne die Union wäre. In Polen stimmten dem besonders viele Befragte (62%) zu, in Italien (28%) und Frankreich (25%) besonders wenige. Für eine Überraschung sorgten die Zustimmungswerte in Großbritannien: Fast jeder zweite Brite (42%) vertritt die Ansicht, dass das Vereinigte Königreich dank der EU heute besser dastehe; nicht einmal jeder Dritte (27%) sei gegenteiliger Auffassung. Im Vergleich zu 2017 bedeute dies ein Plus von immerhin 15 Prozentpunkten. 

 

Ja zu Reise- und Handelsfreiheit, Nein zur Migrationspolitik 

 

Besonders positiv werde der Beitrag der Europäischen Union im Bereich der Reisefreiheit und des freien Warenverkehrs zwischen den EU-Mitgliedsstaaten bewertet. Fast drei Viertel (73%) aller Europäer sagen, dass die EU die Reisemöglichkeiten innerhalb Europas erleichtert hat. Zwei von drei Befragten (66%) vertreten die Meinung, dass sich das europäische Projekt positiv auf den Handel ausgewirkt habe. Eine deutliche Mehrheit (59%) stimmt außerdem der Aussage zu, dass dank der EU friedlichere Beziehungen zwischen den europäischen Nationen erreicht werden konnten. Vor allem in Polen (71%) und Deutschland (63%) werde der Beitrag der EU zur Friedensförderung besonders häufig genannt. 

 

Ablehnung der Einwanderungspolitik der EU

 

Deutlich negativer bewerten die Menschen die europäische Migrationspolitik. Nicht einmal jeder vierte EU-Bürger (23%) vertrete die Ansicht, dass die Union in diesem Bereich einen positiven Beitrag geleistet habe. In Frankreich (12% Zustimmung, 43% Ablehnung) und Italien (16% Zustimmung, 44% Ablehnung) sei die Kritik an der Einwanderungspolitik der EU besonders stark ausgeprägt. Auch in Deutschland stehen die Bürger den Auswirkungen des europäischen Projekts auf das Ausmaß der Einwanderung mehrheitlich skeptisch gegenüber. Drei von zehn Bundesbürgern (28%) bewerteten diesen Aspekt positiv, mehr als jeder Dritte (35%) eher negativ. pm, ots, mei

Quelle: Ipsos

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