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Die besten Tipps für Hitzewellen

Herr Professor Hink, was macht die Hitze  mit uns, wie reagiert der Körper darauf?

 

ULRICH HINK: Durch eine Weitstellung der kleinen Blutgefäße der Haut kommt es zu einer vermehrten Schweißbildung. Schweiß besteht vor allem aus Wasser und Salzen. Das Wasser kann verdunsten und kühlt somit die Haut, was dem Körper hilft Wärme abzugeben. Das Herzkreislauf-System wird damit jedoch vermehrt beansprucht, was sich zum Beispiel in einem schnelleren Pulsschlag und fehlender Leistungsfähigkeit bemerkbar macht.

 

Viele Menschen haben bei Hitze auch Schlafstörungen oder der Magen-Darm.Probleme Wie erklären Sie sich das? 

 

HINK: Erwiesenermaßen schläft man im Sommer etwas kürzer als im Winter. Dies hängt mit der Anpassung der „inneren Uhr“ auf die längere Lichteinwirkung im Sommer, aber auch mit einem geringen Schlafbedarf zusammen. Dieser Effekt kann durch die Sommerzeitumstellung noch verstärkt werden. Darminfekte können sich vor allem in den Sommermonaten häufen, da sich die Krankheitserreger bei hohen Temperaturen schneller vermehren und auch Lebensmittel frühzeitiger verderben. Aus diesem Grund ist es nicht nur wichtig, die Kühlkette bei Lebensmittel einzuhalten, sondern auch entsprechende erhöhte Hygiene-Maßnahme zu treffen, um die Verbreitung von Bakterien oder Viren zu vermindern., wie zum Beispiel Sauberhalten von Plastik-Trinkgefäßen, häufigeres Händewaschen.

 

Sind Menschen mit Herzproblemen bei der Hitze besonders gefährdet?

 

HINK: Ja. Die generelle Empfehlung bei Hitze einfach mehr zu trinken nach dem Motto „Viel hilft viel“, kann gerade bei Patienten mit Herzerkrankungen, wie Klappenfehlern oder Herzschwäche, zu gefährlichen Wasser-Einlagerungen („dicke Beine“) und Atemnot führen. Zudem nehmen diese Patienten häufig harntreibende Medikamente ein. Vor allem bei älteren Patienten, die sowieso ein vermindertes Durstgefühl haben, kann dies bei Hitze zu Nierenschwäche bis hin zum Kollaps führen. 

 

Was raten Sie denen?

 

HINK: Durch das Schwitzen kann der Körper Salze verlieren, was zudem Herzrhythmusstörungen begünstigen kann, so dass hier wiederum auf eine ausreichende isotone Flüssigkeitszufuhr zu achten ist. Patienten mit bekannten Herzleiden sollten sich daher im Vorfeld diesbezüglich bei ihrem behandelnden Arzt informieren.

 

Was können die Menschen generell tun, damit sie die Hitze besser „verarbeiten“?

 

HINK: Die Südeuropäer machen es vor: Im Sommer während der Mittagshitze eine Siesta einzulegen, ist bestimmt der Gesundheit zuträglich. Dafür kann man abends länger arbeiten, wenn die Temperaturen wieder sinken. An diesem Lebensstil können sich Senioren in Deutschland ein Vorbild nehmen. Wenn die Sonne am höchsten steht, sollten sie zu Hause bleiben und sich ausruhen. Aktivitäten wie Arzttermine, Gartenarbeiten oder Einkäufe sollten sie am frühen Morgen oder am Abend erledigen.

 

An was sollte noch gedacht werden?

 

HINK: Wer morgens gut durchlüftet und danach die Fenster- oder Rollläden schließt, sorgt dafür, dass die Hitze draußen bleibt. Ein Ventilator kühlt zusätzlich die Räume. Ein kaltes Fuß- oder Armbad oder eine kurze Dusche kann helfen, den Körper abzukühlen. 

 

Wie sieht es mit den Trinkgewohnheiten aus? Soll man die umstellen?

 

HINK: Kinder und Erwachsene bis zum Rentenalter können sich in der Regel auf ihr Durstgefühl verlassen. Für alte Menschen sind je nach Körpergewicht zwei bis drei Liter zu empfehlen. Harntreibende Medikamente müssen eventuell in Rücksprache mit dem Arzt in der Dosierung an die Situation angepasst, das heißt oftmals verringert werden. Aber: bei bestimmten Erkrankungen (schwere Herzschwäche, Dialyse-Patienten) gelten andere Regeln, hier muss der betreuende Arzt gefragt werden, damit es nicht zu einer Überwässerung kommt.

 

Trotz den Tropentemperaturen finden Sportveranstaltungen statt. Sollten Sportler jetzt kürzer treten? 

 

HINK: Dies hängt in erster Linie vom individuellen Trainingszustand, vom Sonnenschutz, der Luftfeuchtigkeit und der Sportart ab. Hierbei sollte man sich primär auf sein Körpergefühl verlassen. Schwere körperliche Arbeit oder sportliche Betätigung sollten bei Extremwetterlagen unterbleiben, machen dann aber sowieso keinen Spaß. Bei ausreichender Flüssigkeits- und Kalorienzufuhr verlegen viele Sportler ihre Aktivitäten möglichst in die Morgen – oder Abendstunden und achten auf eine schützende Kopfbedeckung, um einen Hitzschlag zu vermeiden. Ein Hitzeschlag ist eine Notfallsituation, die bei einer übersteigerten Körpertemperatur droht und unter anderem durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit und eventuell Krampfanfälle gekennzeichnet ist.

 

Ist „hitzefrei“ eine Lösung für Schulen bei hohen Temperaturen?

Wie kann der Unterricht erträglich gestaltet werden?

 

HINK: Konzentrationsübungen mit „rauchenden“ Köpfen machen natürlich keinen Sinn. „Hitzefrei“ wird in den Schulen nach einem Hitzeplan geregelt. Neben den Außentemperaturen ist hier vor allem die Raumtemperatur wichtig. Wünschenswert wäre eine ausreichende Klimatisierung der Schulräumlichkeiten. Häufig werden zudem die Schulstunden verkürzt, um Trink- und Erholungspausen sowie Abkühlung zu ermöglichen.

 

Auch Insekten (stiche) können zur Plage werden. Was kann dagegen getan werden?

 

HINK: Neben entsprechenden Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel langärmlige Kleidung, Insektenschutzmittel, Fenstergitter oder Moskito-Schutznetze, sollten offene Wasserflächen im eigenen Garten möglichst abgedeckt werden (zum Beispiel Regentonne), um eine übermäßige Ausbreitung von Insektenlarven zu unterbinden. Stiche sollten gekühlt werden, um den Juckreiz zu vermindern. Aufgekratzte Hautstellen können sich in der Sommerzeit ansonsten leichter mit Bakterien infizieren und sogar zu Fieber führen. mei

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