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Den Union Jack im Herzen

Wer Nicolas Jefcoat nach den Sekundärtugenden der Deutschen befragt, bekommt eine ehrliche Antwort, und die mit einem Schuss britischem Humor. „Die Deutschen sind fleißig, zuverlässig, solide, etwas humorlos und nicht so charmant wie die Österreicher“, sagt der Mann mit einem Augenzwinkern.

 

Doch von diesem Tugenden, mit denen man auch einen teutonischen Dieselmotor beschreiben könnte, lässt sich Jefcoat nicht abschrecken. „Ich will Deutscher werden“, bringt der selbstständige Finanzberater seinen Wunsch auf den Punkt. 

 

 

"Ich trage den Union Jack im Herzen"

 

Der Brexit, also der selbstgewählte Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union, hat Jefcoat dazu motiviert. „Nach der Entscheidung meiner Landsleute gegen Europa, bin ich mir nicht im Klaren, was künftig auf mich zukommt“, erzählt er. Um sicher zu gehen, dass er nicht „aus Deutschland hinausgeworfen“ wird, hat er sich zu diesem Schritt entschieden. Dass er die britische Staatsbürgerschaft nicht aufgeben wird, war für ihn von Anfang an klar. „Ich trage den Union Jack im Herzen“, versprüht Jefcoat Pathos für seine Insel.

 

Foto, Geburtsurkunde und Einkommensnachweise

 

Um seine Einbürgerung voranzutreiben, hat sich der Brite schon mächtig ins Zeug gelegt. Vom Foto über seine Geburtsurkunde bis hin zu Einkommensnachweisen hat Jefcoat fast alle benötigten Unterlagen zusammen, um deutscher Staatsbürger zu werden. „Möglicherweise kommt noch ein Einbürgerungs- und ein Deutschtest dazu“, so der 61-Jährige. Für Jefcoat ist die Einbürgerung kein Problem, sondern ein „ganz normaler Management-Job“. Er ist guter Dinge, dass er die deutsche Staatsbürgerschaft in einem halben Jahr in der Tasche hat. 

 

Lange Jahre für internationale Finanzinstitute unterwegs

 

Einen Einbürgerungstest wäre bei Jefcoat wohl zu viel des Guten, denn seit Ostern 1992 lebt er bereits in Frankfurt, genauer gesagt im Stadtteil Sachsenhausen. Hier fühlt sich der Brite richtig wohl, wie er beteuert. Das „dörfliche Flair“ des Stadtteils hat es ihm angetan. Der 61-Jährige, der auch den Vorsitz der Deutsch-Britischen-Gesellschaft Rhein-Main in Frankfurt inne hat, ist aber nicht nur ein Romantiker, der am liebsten in einer dörflichen Atmosphäre schwelgen möchte. In seinem Beruf als selbstständiger Finanzberater wird Jefcoat auch Sachlichkeit und Effizienz abverlangt. Bevor der begeisterte Fliegenfischer in der Bankenstadt Frankfurt sein Domizil fand, war er nämlich lange Jahre für internationale Finanzinstitute in Paris und Japan tätig. 

 

Der Berufsweg war nicht vorgezeichnet

 

Dieser Berufsweg war ihm nicht vorgezeichnet. In Wolverhampton, in den britischen Midlands, aufgewachsen, studierte er in Oxford Germanistik und Romanistik. Mit dem Master in der Tasche führte ihn sein beruflicher Weg direkt in die Finanzbranche. Als er seinen Freunden sagte, dass er nach seinen Stationen in Frankreich und Japan nach Frankfurt gehen werde, waren diese alles andere als begeistert. „Bist Du verrückt?“, fragten sie ihn. 

 

Bereut hat er den Schritt nie

 

Jefcoat ließ sich davon nicht beeindrucken und entschwand trotzdem in die Mainmetropole. Bereut hat er diesen Schritt nie. „Die Bakenszene ist hier einmalig und außerdem bietet Frankfurt trotz seiner überschaubaren Größe ein beeindruckendes Kulturangebot“, lobt der Brite in bestem Deutsch. Und nicht zuletzt weiß Jefcoat auch die geografische Lage der Finanzmetropole zu schätzen. „Von hier aus ist man schnell in aller Welt“, sagt er und verweist dabei auf Frankfurts internationalen Flughafen.

 

Beliebte Ausflugsziele sind der Spessart und der Odenwald

 

Aber mit dem Auto ist Jefcoat auch gerne einmal unterwegs, um die Natur zu genießen. Zu seinen beliebten Ausflugszielen zählen dann der Spessart, der Odenwald oder der Vogelsberg. Jefcoat kann aber gerne einmal auf eine motorisierte Karosse verzichten. Nämlich dann, wenn er zur Arbeit fährt. Dann steigt er auf sein Fahrrad. „In London oder Tokio wäre so etwas fast unmöglich“, lobt er die Frankfurter City, die auch Radfahrern ihre Entfaltungsmöglichkeiten gibt. Auch ein Grund, der Nicolas Jefcoat dazu bewogen hat, nicht nur Frankfurter zu sein, sondern auch Deutscher. mei

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