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Hitze-Sommer: Wenn das Trinkwasser knapp wird

Der heiße und fast niederschlagsfreie (Früh)Sommer fordert seinen Tribut. Das Trinkwasser wird knapp. Deshalb ist die Lage beim größten Versorger in Sachen Trinkwasser in der Rhein-Main-Region, Hessenwasser, angespannt. So sei mit einer Trinkwassertagesabgabe von rund 430.000 Kubikm

eter bereits Ende des vergangenen Monats der Höchstwert des Vorjahres von circa 420.000 Liter noch einmal um zwei Prozent überschritten worden. 

 

Dabei habe der Sommer laut Kalender gerade einmal seit zwei Wochen begonnen und es ist nicht ausgemacht, ob im Verlauf des Jahres auch dieser neue Rekordwert nicht noch einmal übertroffen wird, so die Hessenwasser-Pressestelle.

„Sowohl für die Trinkwassergewinnung als auch für die Trinkwasserverteilung bedeuten solche Spitzenwerte eine enorme Herausforderung“, sagt Nicole Staude, Bereichsleiterin Technik bei Hessenwasser „Der Trinkwasserbedarf in solchen Hitzeperioden verläuft parallel zu den Tageshöchsttemperaturen. Im konkreten Fall bedeutete das innerhalb weniger Tage einen Anstieg um rund 35 Prozent. Dann laufen alle Wasserwerke in kürzester Zeit am Limit“, so Staude weiter.

 

"Wir beobachten rückläufige Grundwasserstände"

 

Helmut Weinberger bleibt trotz angespannter Lage bei den Versorgern, wie Hessenwasser, ruhig. „Jahreszeitlich bedingt beobachten wir in Hessen seit Juni 2019 an den meisten Messstellen rückläufige Grundwasserstände, was typisch für das hydrologische Sommerhalbjahr von April bis Oktober ist“, so der Diplom-Mathematiker und Sprecher des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie in Wiesbaden.

 

Es kommt kaum noch zur Versickerung

 

Selbst bei durchschnittlichen Niederschlägen würden die Grundwasserstände in dieser Jahreszeit fallen, da die Verdunstung in der Regel höher als die Niederschläge ausfiele. Durch die Entleerung des Bodenwasserspeichers käme es auch bei wiedereinsetzenden Niederschlägen kaum noch zur Versickerung. „Nur im Fall von langanhaltenden und ergiebigen Niederschlägen ist eine Stabilisierung der Grundwasserverhältnisse auch im Sommerhalbjahr (wie beispielsweise im Juli / August 2017) möglich“, so Weinberger weiter. Der Witterungsverlauf seit Januar sei wechselhaft gewesen. Trotzdem in der Summe habe die Niederschlagsmenge in den letzten sechs Monaten in Hessen nur acht Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt (1981-2010)gelegen habe, rechnet der Mathematiker vor. 

 

Problem ist das sehr hohe Niederschlagsdefizit in 2018

 

Unter anderen Randbedingungen wäre eine solche Situation unproblematisch gewesen. „Das eigentliche Problem ist nicht der Witterungsverlauf dieses Jahres, sondern das immer noch sehr hohe Niederschlagsdefizit aus dem letzten Jahr“, erläutert Weinberger. Dieses Defizit belaufe sich für die Zeitspanne Januar 2018 bis Juni 2019 immer noch auf 259 Millimeter (ein Millimeter ist gleich einem Liter pro Quadratmeter - d. Red.). 

 

Defizite konnten nicht ausgeglichen werden

 

Die leicht unterdurchschnittlichen Niederschläge des Winterhalbjahres hätten die Defizite nicht ausgleichen können. Daher befanden sich die Grundwasserstände zu Beginn dieses Sommers auf einem niedrigeren Niveau als vor einem Jahr. 

Da durch das Pflanzenwachstum, die höheren Temperaturen und die daraus resultierende höhere Verdunstung könne für den weiteren Verlauf des hydrologischen Sommerhalbjahres von weiter rückläufigen Grundwasserverhältnissen auszugehen sein. „So werden die Grundwasserstände am Ende des hydrologischen Sommerhalbjahres mit großer Wahrscheinlichkeit vielerorts niedriger sein als im letzten Jahr“, schlussfolgert Weinberger.

 

Region kann sich nicht alleine mit Trinkwasser versorgen

 

Für Thomas Norgall, stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer sowie Naturschutzreferent beim BUND Hessen, darf das Thema Wasserversorgung vor allem im Rhein-Main-Gebiet nicht auf die leichte Schuler genommen werden. Für ihn steht außer Frage, dass sich die Region nicht alleine mit Trinkwasser versorgen kann. „Sie ist mittlerweile auch auf Wasser aus Mittelhessen angewiesen“, sagt Norgall und verweist hierbei auf den Vogelsberg und Stadtallendorf im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Der BUND-Experte plädiert dafür, dass unter anderem Wasser aus Rhein und Main entnommen und zu Trinkwasser aufbereitet werde. Generell spricht sich der Wasserexperte des BUND dafür aus, dass es künftig „zwei Leitungen“ für Wasser geben müsse. „Trinkwasser ist zu kostbar, um damit zum Beispiel Bäume und Gärten zu wässern.

 

Für das Getreide kommt der Regen vielleicht zu spät

 

Klagen gibt es auch vom Hessischen Bauernverbandes. „Es ist viel zu trocken. Wir brauchen dringend Regen. Das gilt für alle landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Für das Getreide kommt möglicher Regen jetzt zu spät“, so Bernd Weber, Sprecher des Verbandes. So reife der Winterweizen angesichts der Hitze in der zweiten Junihälfte viel zu früh ab und werde „notreif“. Das koste die Landwirte, je nach Standort, 30 Prozent der Erträge.  Und der Dürresommer wirke vor allem beim Winterraps noch nach. „Wegen der sehr trockenen Aussattbedingungen im vergangenen August, wurde die Anbaufläche stark eingeschränkt“, sagt Weber.

 

Entwicklung kann nicht vorhergesagt werden

 

Wie sich die Witterung tatsächlich in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln werde, könne nicht vorhergesagt werden, so Experte Weinberger. Entscheidend für eine nachhaltige Erholung der Grundwasserverhältnisse werde das kommende hydrologische Winterhalbjahr von November bis April sein. In dieser Zeit finde in der Regel die Grundwasserneubildung statt. mei

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