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Meisterzwang sorgt für Zündstoff

„Die Abschaffung der Meisterpflicht war ein Fehler. Die Qualität der Arbeit hat sich in diesen Gewerken teilweise deutlich verschlechtert, außerdem wird weniger Nachwuchs ausgebildet“, sagte Carsten Linnemann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU.

 

Und Sören Bartol, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, schlägt hier in die gleiche Kerbe. „Die Kunden müssen die Sicherheit haben, dass der bestellte Handwerker auch wirklich eine gut ausgebildete Fachkraft ist“, so Bartol, Von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier erwarte er jetzt einen konkreten Vorschlag, wie die Handwerksordnung zu ändern sei. Und zwar so. dass man vor dem Bundesverfassungsgericht und bei der Europäischen Kommission scheitere. 

 

Die Abschaffung der Meisterpflicht war ein Fehler

 

Bei dem hessischen Handwerkspräsidenten Bernd Ehinger rennen die beiden Politiker mit ihrem Vorschlag offene Türen ein. „Die Abschaffung der Meisterpflicht für 53 Handwerksberufe durch die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2004 war ein Fehler, den die aktuelle Bundesregierung schnellstens korrigieren sollte“, so Ehinger. Die damalige Hoffnung, zu mehr Fachkräften zu kommen, habe sich nicht erfüllt. Das hessische Handwerk suche händeringend Fachkräfte, die gerade auch für die anstehenden Betriebsübergaben dringend benötigt würden. 

 

Es kam zu einem Boom von Betriebsgründungen

 

Laut Ehinger habe die Abschaffung der Meisterpflicht zwar zu einem regelrechten Boom bei Betriebsgründungen geführt, umgekehrt seien die Ausbildungszahlen in diesen Gewerken vielfach dramatisch eingebrochen, da eine große Zahl dieser Betriebe Ein-Mann-Betriebe seien, die nicht ausbildeten. Auch würden die neuen Betriebsgründungen vielfach wieder sehr schnell vom Markt verschwinden und es sei auch ein „deutlicher Qualitätsverlust“ festzustellen.

 

Duale Ausbildungssystem verhindert Jugendarbeitslosigkeit

 

Das duale Ausbildungssystem in Deutschland sei ohne Qualifikationsanforderungen wie den Meisterbrief nicht möglich. Auch die sehr viel niedrigere Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sei nicht trotz, sondern gerade wegen des dualen Ausbildungssystems und der Meisterprüfung zustande gekommen, so der Handwerkspräsident. 

 

Handwerker erzielen höhere Einnahmen

 

Außerdem biete der „Meisterbrief“ dem Kunden eine klare Ori-entierung und Sicherheit, dass die fachliche Qualität von Beratung und Ausführung der handwerklichen Leistung objektiv gewährleistet sei. Eine gänzlich andere Auffassung hat beim Thema „Meister“ Joachim Ragnitz, Wirtschafts-Experte des Münchner Ifo-Instituts. Für ihn bedeutet der Meisterzwang erst einmal eine Markteintrittsbarriere. „Das heißt, das sich das Angebot verknappt und damit die Preise für die Endverbraucher steigen. Außerdem werden die Wartezeiten für Handwerksleistungen eher noch zunehmen“, sagt Ragnitz. Weitere Folge: Die Handwerker erzielten natürlich im Gegenzug dann auch höhere Einkommen. Die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt sinke allerdings. 

Längerfristig komme hinzu, dass verringerter Wettbewerb dazu führe, dass Innovationen in den betroffenen Handwerkszweigen zurückgehen und ineffiziente Marktteilnehmer weiterhin ihr Auskommen finden. In grenznahen Gebieten werde es zudem zu verstärkter Konkurrenz aus dem Ausland kommen, denn den Meisterbrief können man ja nur inländischen Marktteilnehmern vorschreiben. Hier schädige sich das Handwerk also selber. 

 

Qualitätsmängel werden vermieden

 

Das einzige Argument, dass nach Ansicht von Ragnitz für einen Meisterbrief spreche, sei wohl, dass damit Qualitätsmängel auf Seiten der Leistungserbringer vermieden werden könnten. „Allerdings muss man dafür erst einmal schlüssig nachweisen, dass es solche Qualitätsmängel überhaupt gibt“, so der Ifo-Experte. Dabei verweist er darauf, dass der Meisterzwang nur dort abgeschafft worden sei, wo keine Gefährdung der Verbraucher zu erwarten sei. . Und wer Angst vor Qualitätsmängeln hat, kann ja auch einen Betrieb mit Meisterbrief beauftragen – den Unternehmern steht es ja frei, weiterhin den Meisterbrief zu erwerben und das als Qualitätssiegel zu verwenden. Den Meisterzwang wieder einzuführen, sei hingegen „schon ein ziemlicher Rückschritt“. 

 

Meisterzwang ist nicht das richtige Werkzeug

 

Auch Michael Dettelbacher, Abteilungsleiter Verbraucherrecht und -politik bei der Verbraucherzentrale Hessen, hält den „Meisterzwang“ nicht für das richtige Werkzeug, um für mehr Qualität im Handwerk zu sorgen. „Die große Zahl der Handwerksbetriebe hat ja nicht 25 Meister eingestellt, sondern einen. Folglich kommen in der Regel kommen zum Kundenbesuch ein Geselle und ein Lehrling“, so Dettelbacher. Und außerdem, was helfe ein Meister bei der Qualitätsicherung, der sich beispielsweise vor Jahrzehnten das letzte mal fortgebildet habe. Wichtig für den Verbraucher sei die Transparenz des Handwerkermarktes. Letztlich müsse der Verbraucher entscheiden, ob er bereit sei 25 Euro für die Handwerkerstunde oder 75 für die Meisterstunde zu bezahlen. Für Dettelbacher wäre es ein Rückschritt in die Zeiten vor 2004 mit den „Marktzutrittsbarrieren“ im Handwerk zurück zufallen. Und ein Kniefall vor den Handwerks-Lobbyisten. 

 

 

 

Info: Das kann der Meister 

 

Der Handwerksmeister ist ein höherer Abschluss in handwerklichen und künstlerischen Berufen. Der Meisterbrief bescheinigt dem Inhaber umfassende fachtechnische und kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Kenntnisse sowie praktisches Können in seinem Meister-Beruf. Der Abschluss zum Handwerksmeister soll darauf vorbereiten, ein Handwerk selbständig auszuüben, einen eigenen Betrieb zu führen, und Auszubildende einzustellen und auszubilden.

 

Ein Spezialist für sein Fachgebiet

 

Der Meister ist durch seine Qualifikation ein Spezialist für sein Fachgebiet, Ausbilder und Unternehmer. Er kann auch als Angestellter in gehobener Position in einem Betrieb tätig sein. Die Aufgabe des Meisters besteht auch darin, die Lernbereiche des Mitarbeiters zu erkennen und effizient einzusetzen. In der Handwerksordnung ist geregelt, dass nach dem Bestehen der Gesellenprüfung eine Fach- oder Meisterschule besucht werden kann. Zur Meisterprüfung wird zugelassen, wer eine Gesellen- oder Facharbeiterprüfung bestanden hat, die dem beabsichtigten Meisterziel entspricht. mei

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