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Deutsche Bank. Die Aktionäre mussten die Zeche zahlen

Herr Laabs, die Deutsche Bank sieht offenbar wieder etwas Licht am Ende des Tunnels und strebt den ersten Jahresgewinn seit drei Jahren an. Kommt die Bank wieder in die Erfolgsspur?

 

DIRK LAABS: Abwarten. Für die Bank und ihr Management ist die begonnene Sanierung noch immer ein Wettlauf mit der Zeit. Man muss weiter schnell die Kosten senken – denn jedes Jahr gibt die Bank noch immer 23 Milliarden Euro aus. 

 

Was muss aus Sicht der Bank passieren?

 

LAABS: Gleichzeitig darf der Umsatz aber nicht zu sehr einbrechen. Die Bank mag zwar in diesem Jahr wieder etwas Gewinn machen, aber die letzten Tage zeigen, dass die viele Anleger trotzdem endgültig die Geduld verlieren. Kleine Schritte reichen den meisten Aktionären schon lange nicht mehr. 

 

 

Warum?

 

LAABS: Als Christian Sewing kürzlich die Quartalszahlen verkündete, sank der Aktienkurs sofort ins Bodenlose. Viele vor allem große Anleger glauben die Geschichte also nicht, dass jetzt die Entwicklung dauerhaft in die richtige Richtung geht.

 

Wo steht die Bank heute im internationalen Finanz-Business?

 

LAABS: Die Deutsche Bank hat einen beispiellosen Absturz hinter sich. Sie war einmal die größte Bank der Welt. Jetzt steht sie, was das Volumen der Vermögenswerte anbelangt, weltweit zwar noch auf Platz 15, aber wenn man sich Umsatz und vor allem den Börsenwert anschaut, ist die Bank nicht einmal mehr in den Top 50. Es gibt kleine belgische Banken, die insgesamt mehr an der Börse wert sind als die große Deutsche Bank. 

 

In welcher Ära begann der Niedergang der Deutschen Bank?

 

LAABS: Der aktuelle Chefökonom der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, bestätigte meine Recherche jüngst in einem Interview: Nach Alfred Herrhausen haben die Managements allesamt einen miesen Job gemacht, ja sie waren, wie er sagte, ein einziges „Gräuel“, egal, ob von Kopper, Breuer oder Ackermann angeführt. In der Tat leitete Herrhausen noch vor seinem Tod die Internationalisierung der Bank ein, aber die wurde dann von seinen Nachfolgern gründlich vermasselt.

 

Welche Fehler machte das Management?

 

LAABS: Die Internationalisierung der Bank sollte das Institut zu Nummer Eins in der Welt machen. Das war der ehrgeizige Plan. Doch dieses Angriff auf die Weltspitze war zu teuer, die Geschäftsfelder wurden zu einseitig ausgebaut, die Führung in Frankfurt war dabei zu naiv, überließ das Geschäft zu vielen neuen Mitarbeiter vor allem in London und New York, die sich nur für den eigenen Vorteil interessierten und nicht für den langfristigen soliden Aufbau einer internationalen Spitzenbank. Es ging immer nur um den kurzfristig hohen Umsatz, denn daran hingen die Boni. Die Logistik wurde so vernachlässigt, der Heimatmarkt sowieso und das Risikomanagement hat die Lage nie in den Griff bekommen.

 

Wurden denn die Fehler korrigiert oder kamen neue dazu?

 

LAABS: Das ist das Verblüffende: Selbst in und nach der Finanzkrise 2007 und 2008 änderte man nichts. Im Gegenteil. Die Investmentbanker bekamen noch mehr Macht und die setzten auf die gleichen, teuren und riskanten Geschäfte. Erst als John Cryan die Führung 2015 übernahm, begann man die Bank aufzuräumen – sieben Jahre zu spät. Die Sanierung war insbesondere unter Josef Ackerman viel zu lange verschleppt worden.

 

Wer musste für die Fehlleistungen der Bank „bezahlen“?

 

LAABS: Die Aktionäre. Die vielen Strafen werden mit dem Vermögen der Bank bezahlt, die verantwortlichen Manager dagegen, wenn überhaupt, nur minimal zur Verantwortung gezogen. Die meisten durften ihre Boni behalten. Und da geht es nicht um Kleingeld. Von 1995 bis 2016 haben vor allem die Investmentbanker 71 Milliarden Euro an Boni bekommen. 71 Milliarden Euro! Rechnet man die Gewinne der letzten Jahre gegen die Strafen auf, bleibt am Ende nach all den Jahren und angeblichen Erfolgen mit viel gutem Willen vielleicht 20 Milliarden Euro über, plus die ausgezahlte Dividende. Am meisten haben also die Banker verdient, die das Schlamassel erst gerichtet haben, nicht die Bank und ihre Eigentümer, die stattdessen für die Strafen aufkommen mussten. 

 

Warum halten die Aktionäre der Bank immer wieder still?

 

LAABS: Zum einen halten sie nicht still, viele Anleger verkaufen ihre Anteile – das zeigt ja der Aktienkurs. Auch Christian Sewing wurde ja im Frühjahr Knall auf Fall installiert, weil so viel Unruhe am Markt und in der Bank selber herrschte. Intern hatte man gehofft, dass Cryan noch weiter machen könnte, damit Sewing nicht von Anfang an so unter Druck steht. In den Jahren zuvor hat der Aufsichtsrat nicht so schnell gehandelt. 

 

Wo sehen Sie heute das Kerngeschäft der Bank?

 

LAABS: Eine gute Frage. Die stellt man sich in der Bank ja auch täglich. Die Digitalisierung hat man verschlafen. Ob das Privatkundengeschäft nun wichtig ist oder nicht, dazu hat die Bank jeden Monat eine andere Meinung. Man steckt in noch immer in der gleichen Zwickmühle: Nur die Investmentbank verdient, wenn es läuft, richtig Geld, doch diese Geschäft sind teuer und riskant. 

 

Ist die Risikobereitschaft der Banker noch da?

 

LAABS: Man will und kann aber nicht mehr so viel Risiko gehen, weil man die Mittel dafür am Markt, längst nicht mehr so billig bekommt. Das macht die Sanierung ja so kompliziert. Ohne das Investmentbanking geht es aber nicht und eine klare neue Geschäftsidee fehlt. Um aber neue Standbeine aufzubauen, könnte das Management am Ende nicht genügend Zeit haben. Zumal das Umfeld extrem ungünstig ist: Den meisten Banken in Europa geht es ja schlecht, nicht nur der „Deutschen“.

 

Könnte die Deutsche Bank von einer anderen Großbank in Zukunft „geschluckt“ werden?

 

LAABS: Möglich. Aber wer sollte die Bank in dem jetzigen Zustand übernehmen wollen? Seit der Krise traut man der Buchhaltung der Bank nicht. Die Bilanz wurde zwar aufgeräumt, aber niemand kann ausschließen, dass sich nicht noch immer versteckte Risiken in den Büchern befinden. Das – und die hohen Kosten – schreckt potenzielle Käufer, sollte es sie denn überhaupt geben, ab; und schützt die Bank auf indirekte Art natürlich auch. mei

 

Buchhinweis: Dirk Laabs, Bad Bank - Aufstieg und Fall der Deutschen Bank, DVA-Verlag 2018, 464 Seiten, 28 Euro

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