· 

Die Zukunft der Parallelwährungen Bitcoin und Libra

Die Reaktionen reichten von Begeisterung über Skepsis bis zur gänzlichen Ablehnung. Die Befürworter heben unter anderem die Möglichkeit eines schnellen Geldtransfers, unabhängig von nationalen Bankengruppen und Ländergrenzen, hervor. Die Gegner sehen eine Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems. Welche Zukunft haben Bitcoin und Libra, und welche Herausforderungen stellen sie für die staatliche Geldordnung dar?

 

Thomas Mayer, Flossbach von Storch Research Institute, Köln, nennt einige Gründe, warum Libra für zukünftige Nutzer sehr attraktiv werden könnte: Libra werde kostengünstige Peer-to-Peer-Geldtransfers in beliebiger Höhe und über jede Entfernung bieten und sei ein stabiles Instrument zur Wertaufbewahrung mit geringen Risiken aus Wechselkursschwankungen.

 

Julian Grigo und Patrick Hansen, Bitkom, sehen die Digitalwährungen vor dem Durchbruch. Kryptowährungen werden sich in weiteren Bevölkerungs- und Nutzerschichten verbreiten, wobei es keine Rolle spiele, ob das Projekt Libra wie angekündigt zustande komme.

 

"Libra: Eine Währung, die die Welt (nicht) braucht?", ist die Frage, die Lars Hornuf, Universität Bremen, stellt. Die neue Kryptowährung könnte sich aber trotz geringer Vorteile als Standard etablieren, denn sie habe einen Vorzug gegenüber allen anderen Zahlungssystemen und Kryptowährungen: die weltweit größten Netzwerkeffekte.

 

Burkhard Balz und Jan Paulick, Deutsche Bundesbank, weisen darauf hin, dass sich die Struktur des Finanzsystems infolge technologischer und institutioneller Innovationen verändere. Deshalb seien Regulierungsbehörden und Zentralbanken gefordert, diesem Wandel durch angemessene Regulierung und Mitgestaltung zu begegnen. Die stabilisierende Rolle der Finanzaufsicht, die einen regulatorischen Rahmen setze, und der Zentralbanken, die für eine stabile Währung und stabilen Zahlungsverkehr sorgten, dürfte dadurch nicht beeinträchtigt werden.

 

Markus Demary und Vera Demary, Institut der deutschen Wirtschaft, Köln, gehen davon aus, dass sich Libra stärker verbreiten werde als beispielsweise Bitcoin. Und: Libra könnte zukünftig systemrelevant werden und dürfe nicht unreguliert und unbeaufsichtigt sein.

 

Stefan Eichler, TU Dresden, und Marcel Thum, ifo Institut und TU Dresden, sehen durch Libra große ökonomische Herausforderungen für die staatliche Geldordnung, vor allem in den Bereichen Geldpolitik und Staatsfinanzierung, entstehen. So werde beispielsweise durch eine starke Verbreitung der Libra die offizielle einheimische Währung immer seltener verwendet und die Wirkung der einheimischen Geldpolitik abnehmen. Die Inflation ließe sich dann immer weniger steuern. Bei allen Risiken könne die Entpolitisierung und Entnationalisierung des Geldes durch die Libra aber auch segensreich sein. In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern werde die Zentralbank als verlängerter Arm der Regierung missbraucht, was zu Inflation, Währungsabwertung und realer Entwertung von Sparvermögen führe. Mit der Libra könnten sich die Bürger dieser Art der finanziellen Repression entziehen.

 

Für Gilbert Fridgen und Benedict Drasch, Universität Bayreuth, haben Kryptowährungen mit ihrer zugrunde liegenden Blockchain-Technologie großes wirtschaftliches Potenzial, auch jenseits des Finanzsektors. Deshalb sollten keine rechtsfreien Räume für die digitale Infrastruktur entstehen können, sie sollte stattdessen entsprechend dem Werte- und Rechtssystems der demokratischen Grundordnung aktiv gestaltet werden. pm, ifo

 

English version

 

The announcement by the social media giant Facebook to introduce a new "world currency" with the blockchain-based payment system Libra triggered controversial international discussions about the advantages and disadvantages of crypto currencies, with reactions ranging from enthusiasm and scepticism to complete rejection. Among other things, the proponents emphasize the possibility of a fast money transfer, independent of national banking groups and national borders. Opponents see a danger to the stability of the financial system. What future do Bitcoin and Libra have, and what challenges do they pose for the state money order?

 

Thomas Mayer, Flossbach of Storch Research Institute, Cologne, gives some reasons why Libra could become very attractive for future users: Libra will offer cost-effective peer-to-peer money transfers at any level and over any distance and will be a stable instrument for value preservation with low risks from exchange rate fluctuations.

 

Julian Grigo and Patrick Hansen, Bitkom, see digital currencies on the verge of a breakthrough. Crypto currencies will spread to other sections of the population and users, regardless of whether the Libra project comes about as announced.

 

"Libra: A currency that the world (doesn't) need," is the question posed by Lars Hornuf, University of Bremen. The new crypto currency could, however, establish itself as the standard despite its minor advantages, because it has one advantage over all other payment systems and crypto currencies: the largest network effects worldwide.

 

Burkhard Balz and Jan Paulick, Deutsche Bundesbank, point out that the structure of the financial system is changing as a result of technological and institutional innovations. Regulatory authorities and central banks are therefore called upon to counter this change through appropriate regulation and co-design. The stabilizing role of financial supervision, which sets a regulatory framework, and of central banks, which ensure a stable currency and stable payment traffic, should not be impaired by this.

 

Markus Demary and Vera Demary, Institut der deutschen Wirtschaft, Cologne, expect Libra to spread more widely than Bitcoin, for example. And: Libra could become in the future system relevant and may not be unregulated and unattended.

 

Stefan Eichler, TU Dresden, and Marcel Thum, ifo Institut and TU Dresden, see great economic challenges for the national monetary order, particularly in the ranges monetary policy and public financing, developing by Libra. For example, the widespread use of the Libra means that the official domestic currency is being used less and less and the effect of domestic monetary policy is diminishing. Inflation would then become less and less controllable. Despite all the risks, the depoliticization and denationalization of money by the Libra could also be beneficial. In many developing and emerging countries, the central bank is abused as the government's extended arm, leading to inflation, currency devaluation and real devaluation of savings. With the Libra, citizens could escape this kind of financial repression.

 

For Gilbert Fridgen and Benedict Drasch, University of Bayreuth, crypto currencies with their underlying blockchain technology have great economic potential, even beyond the financial sector. For this reason, it should not be possible to create lawless spaces for the digital infrastructure; instead, it should be actively designed in accordance with the values and legal system of the basic democratic order. pm, ifo

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Das sind die Themen auf dieser Seite

Willkommen, liebe Besucherin, lieber Besucher,

schön , dass ihr auf meiner Webseite "Hintermeier Daily" vorbeischaut. Das erwartet Euch: Im Mittelpunkt des Magazins zu Fragen der Zeit stehen die wichtigsten Themen, die Menschen bewegen. Dabei geht es um gesellschaftlich relevante Persönlichkeiten genauso wie um die großen politischen Zusammenhänge, die viele in ihren Bann ziehen.  Was erwartet euch sonst noch? Auf jeden Fall viele spannende Interviews mit interessanten Persönlichkeiten, die eine Menge zu erzählen haben. Und besondere Special gibt es ebenfalls: Sie heißen zum Beispiel "Sport & Wirtschaft", "Mobilität und Reise" sowie "Job und Beruf".