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Islamistische Extremisten sollen in Gefängnissen deradikalisiert werden

Die Rhein-Main-Region gilt in kriminalistischen Fachkreisen als eine „Salafisten-Hotspot“. Das liegt nicht zuletzt an Auftritten von „Predigern“ wie Pierre Vogel, der sogar zwischenzeitlich den Schwerpunkt seiner Aktivitäten in das Rhein-Main-Gebiet verlegte. Auch Bilder wie die von der  „Lies!“-Kampagnen in der Frankfurter Innenstadt, wo junge Männer öffentlich den Koran verteilten, haben das Bild des Rhein-Main-Gebietes als eine Hochburg von Neo-Salafisten geprägt. 

 

So geht etwa der Wiesbadener Imam Husamuddin Meyer davon aus, dass zwischen 10 bis 15 Prozent der muslimischen Häftlinge anfällig für Radikalisierungsversuche seien. „Das sind die Zahlen, die von Gefangenen selbst genannt werden“, sagte Meyer, der seit 2008 als erster und zunächst einziger hessischer Gefängnis-Imam in der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden (JVA) arbeitet. Er hält diese Schätzung aufgrund seiner Erfahrungen für realitätsnah.

 

IS-Rückkehrer sind schon zu Haftstrafen verurteilt

 

Was diesem Thema noch eine besondere Brisanz verleiht: Die ersten Rückkehrer aus dem „Islamischen Staat“ (IS) in Syrien und Irak sind bereits in Deutschland zu Haftstrafen verurteilt worden. Die Rückkehrer seien im Gefängnis dort für viele muslimische Häftlinge „Helden“, so der Imam weiter während eines Besuches der Frankfurter JVA I. auf Einladung des Mediendienstes Integration.  Deren Argumente hätten Gewicht. So könnten die Extremisten Häftlinge leicht zu Gewalttaten überreden. Diese würden nämlich ihre Gewalttätigkeit nachträglich „sakralisieren“. 

Nach Erkenntnissen des Iman, hätten die meisten muslimischen Insassen einen geringen Bildungsgrad und wüssten nur wenig über den Islam. So sei er schon von Häftlingen gefragt worden, ob jemand getötet werden müsse, der nicht bete, oder ob Terrorismus im Islam erlaubt sei. 

 

Alles Gute kommt von Gott

 

Ein Geistlicher könne in solchen Situationen eine islamische Gegenmeinung zu Extremisten glaubhaft begründen, so Meyer., der Islamwissenschaft und Ethnologie studiert hat. Während seiner Arbeit mache er Häftlinge damit vertraut, dass alles von Gott komme, auch deren Probleme und die Haft. Es sei deshalb die Aufgabe des Gläubigen, sich damit auseinanderzusetzen. So zeige er neue religiöse Perspektiven auf und fordere zum Nachdenken über sich selbst auf.

 Das hessische Justizministerium setzt auf die Mithilfe islamischer Seelsorger bei der Deradikalisierung von Häftlingen beziehungsweise bei der Vorbeugung vor Radikalisierung.  Alle 16 Gefängnisse in Hessen böten islamische Seelsorge an, so die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU). Das Land habe die Mittel für muslimische Seelsorger von rund 50.000 Euro im Jahr 2016 auf mittlerweile 300.000 in diesem Jahr erhöht, dazu kämen 400.000 Euro für weitere Deradikalisierungs-Maßnahmen.

 

Zwölf Imame als Honorarkräfte im Einsatz

 

Zwischenzeitlich beschäftigt   das Land zwölf Imame als Honorarkräfte für die Seelsorge in Gefängnissen, sagte die Leiterin der Stabsstelle zur Deradikalisierung im Justizministerium (Nedis), Clementine Englert. Die Juristin betonte, dass die Imame nicht von Islamverbänden „eingestellt“ würden, sondern dass  das Ministerium diese nach genauer Prüfung auswähle.

 

Sicherheitsüberprüfung und regelmäßige Fortbildung

 

So sollten die Geistlichen  einen Universitätsabschluss und eine Zusatzausbildung für die Seelsorge vorweisen können. Darüber hinaus müssten sie sich einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen und sich regelmäßig fortbilden.  Um die Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften zu dokumentieren, würden die Seelsorger nicht fest angestellt, sondern arbeiteten als besagte Honorarkräfte. 

 

Strukturbeobachter versuchen Radikalisierungen zu erkennen

 

Ein weitere wichtige Aufgabe nehmen die sogenannten Strukturbeobachter in den Gefängnissen wahr. Diese speziellen Justizvollzugsbeamten beobachteten die Häftlinge und versuchten Radikalisierungen zu erkennen. Stefan Schürmann in der Frankfurter JVA I erklärte, dass er auf Kleidung, Symbole, Gepäck bei der  Einweisung und auf die Änderung von Verhaltensweisen achte. In der größten Untersuchungshaftanstalt Hessens, habe er eine niedrige zweistellige Zahl von Häftlingen immer im Blick. mei

 

English version

 

Many Islamist extremists are imprisoned in Hessian prisons. The Ministry of Justice wants to use a deradicalization project to prevent potential violent criminals from committing crimes. The Rhine-Main region is considered a "Salafist hotspot" in criminal circles. This is not least due to the appearances of "preachers" like Pierre Vogel, who even moved the focus of his activities to the Rhine-Main area in the meantime. Pictures such as those from the "Lies!" campaigns in Frankfurt city centre, where young men publicly distributed the Koran, have also shaped the image of the Rhine-Main region as a stronghold of neo-Salafists. 

 

Imam Husamuddin Meyer from Wiesbaden, for example, assumes that between 10 and 15 percent of Muslim prisoners are susceptible to attempts at radicalization. "These are the figures that prisoners themselves quote," said Meyer, who has been the first and initially only Hessian prison imam to work in the Wiesbaden correctional facility (JVA) since 2008. Based on his experience, he considers this estimate to be realistic.

 

IS returnees have already been sentenced to imprisonment

 

What makes this topic particularly explosive is that the first returnees from the "Islamic State" (IS) in Syria and Iraq have already been sentenced to prison in Germany. The returnees are "heroes" for many Muslim prisoners in prison there, the Imam continued during a visit to the Frankfurt JVA I at the invitation of the Integration Media Service.  Their arguments had weight. Thus, the extremists could easily persuade prisoners to commit acts of violence. They would subsequently "sacralize" their violence. 

According to Iman's findings, most Muslim inmates had a low level of education and knew little about Islam. Thus, he had already been asked by prisoners whether someone should be killed who did not pray, or whether terrorism was permitted in Islam. 

 

All good things come from God

 

According to Meyer, who studied Islamic Studies and Ethnology, a clergyman could credibly justify an Islamic counter-opinion to extremists in such situations. During his work, he made prisoners familiar with the fact that everything came from God, including their problems and imprisonment. Therefore it is the task of the believer to deal with it. Thus he shows new religious perspectives and invites to think about oneself.

 The Hessian Ministry of Justice relies on the help of Islamic pastors in the deradicalization of prisoners and in the prevention of radicalization.  According to Hesse's Justice Minister Eva Kühne-Hörmann (CDU), all 16 prisons in Hesse offer Islamic pastoral care. The state had increased the funds for Muslim pastoral care from around 50,000 euros in 2016 to 300,000 euros this year, in addition to 400,000 euros for further deradicalization measures.

 

Twelve imams on duty as honorary staff

 

Meanwhile, the country employs twelve imams as honorary pastoral workers in prisons, said Clementine Englert, head of the department for deradicalization in the Ministry of Justice (Nedis). The lawyer stressed that imams are not "hired" by Islamic associations, but that the ministry selects them after careful examination.

 

Security screening and regular training

 

The clergy should have a university degree and additional training in pastoral care. In addition, they would have to undergo a security check and undergo regular further training.  In order to document the separation of state and religious communities, the pastors would not be permanently employed, but worked as said honorary staff. 

 

Structural observers try to recognize radicalizations

 

Another important task is performed by the so-called structural observers in the prisons. These special prison officers observed the prisoners and attempted to identify radicalizations. Stefan Schürmann in the Frankfurt JVA I explained that he paid attention to clothes, symbols, luggage when being committed and to changes in behaviour. In Hesse's largest remand prison, he always had a low double-digit number of prisoners in sight. mei

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