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Missbrauch: Jesuitenpater Mertes warnt vor einem Freikauf der Kirche

 "Ich gehe davon aus, dass die Bischöfe eine solche Regelung nicht in der Annahme beschließen, dass nun das Kirchenvolk finanziell in Mithaftung genommen wird", sagte Mertes dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Die Gläubigen, die keine Schuld an Missbrauch und Leitungsversagen haben, würden so zu sekundär Betroffenen des Missbrauchs", sagte Mertes.

 

"Zudem könnte der fatale Eindruck entstehen, die Kirchenleitung kaufe sich auf Kosten des Kirchenvolkes frei: 'Wir zahlen, dann haben wir unsere Ruhe' - das darf auf keinen Fall passieren." 

In der vorigen Woche hatten die deutschen Bischöfe auf ihrer Vollversammlung in Fulda Pläne für eine Opfer-Entschädigung in Höhe von jeweils bis zu 400.000 Euro diskutiert. 

 

Den Jesuitenpater stört das Selbstlob der Bischöfe

 

Mertes sagte, ihn störe das "Selbstlob, wenn Bischöfe sinngemäß sagen, die Kirche habe nun die großzügigste Regelung weit und breit zustande gebracht. Was werden die Heimkinder dazu sagen? Oder der Weiße Ring, der die Opfer von Gewaltverbrechen vertritt? Wie steht es mit der ökumenischen Solidarität? Was bedeutet es für das Staat-Kirche-Verhältnis, wenn die Kirche das etablierte Rechtssystem verlässt und sich dafür auch noch lobt?" 

Vielen Betroffenen, so Mertes weiter, sei es noch wichtiger, dass die Kirche sich ändert, als dass sie zahlt - das gelte auch für Betroffene, die Zahlungen fordern. "Und eines sage ich ganz klar: Es soll kein Bischof glauben, all die Themen, die gerade auch das Verhältnis von Betroffenen und Kirche betreffen, wären erledigt, wenn das Geld geflossen ist!" 

 

Mertes setzte die Aufdeckung des Missbrauchsskandals in Gang

 

Der 65 Jahre alte Geistliche ist Rektor des von Jesuiten geleiteten Kollegs St. Blasien. Am Canisiuskolleg in Berlin legte er 2010 einen jahrzehntelangen Missbrauch von Schülern durch Angehörige seiner Ordensgemeinschaft offen und setzte damit die Aufdeckung des Missbrauchsskandals in der deutschen katholischen Kirche in Gang. Mertes war auch einer der ersten, die von strukturellen Ursachen für Missbrauch im System der katholischen Kirche sprach und deren Beseitigung forderte. pm, ots

 

English version

 

The Jesuit Father Klaus Mertes, who made the abuse scandal in the German Catholic Church public in 2010, considers the planned six-figure compensation for victims problematic. Mertes considers a financing from church tax funds to be impossible and warns against a "free purchase" of the church.  "I assume that the bishops will not adopt such a regulation on the assumption that the church people will now be held financially jointly liable," Mertes told the "Kölner Stadt-Anzeiger". "The faithful, who are not to blame for abuse and leadership failure, would thus become secondary victims of the abuse," Mertes said.

 

"Moreover, the fatal impression could arise that the church leadership is buying itself free at the expense of the church people: 'We pay, then we have our peace' - this must not happen under any circumstances. 

Last week the German bishops had discussed at their plenary meeting in Fulda plans for victim compensation of up to 400,000 euros each. 

 

The Jesuit priest disturbs the self-praise of the bishops

 

Mertes said that he was disturbed by the "self-praise when bishops say that the Church has now brought about the most generous regulation far and wide. What will the children in the home say about this? Or the White Ring, which represents the victims of violent crime? What about ecumenical solidarity? What does it mean for the state-church relationship if the church leaves the established legal system and also praises itself for it? 

For many of those affected, Mertes continued, it is even more important that the church changes than it pays - this also applies to those affected who demand payments. "And one thing I say quite clearly: No bishop should believe that all the issues that concern the relationship between those affected and the church are settled when the money has flowed! 

 

Mertes set the uncovering of the abuse scandal in motion

 

The 65 year old clergyman is rector of the Jesuit-led college St. Blasien. At the Canisiuskolleg in Berlin in 2010 he revealed decades of abuse of pupils by members of his order and thus set in motion the uncovering of the abuse scandal in the German Catholic Church. Mertes was also one of the first to speak of structural causes of abuse in the Catholic Church system and call for their elimination. pm, ots

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