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Studie: Deutsche Krankenhäuser stehen unter hohem wirtschaftlichen Druck

Dies ist eines der Kernergebnisse der Krankenhaus-Benchmarking-Studie, die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) durchgeführt hat. Für die Studie hat PwC die Jahresabschlüsse des Jahres 2018 von mehr als 100 Kliniken in Deutschland analysiert und die wichtigsten Kennzahlen miteinander verglichen. 

 

 Insgesamt sei die Rentabilität der Kliniken in öffentlicher, freigemeinnütziger und privater Trägerschaft nach wie vor sehr niedrig. Trotz der vergleichsweise geringen Ausstattung mit Fördermitteln gelinge es dabei den privaten Kliniken, in puncto Umsatzrentabilität die rentabelsten Strukturen zu halten. So laute ein Befund der Studie, die zum Vergleich die EBITDA-Quote heranziehe. Diese sei um Abschreibungen und damit auch um den Effekt der Fördermittel bereinigt. Bei den privaten Kliniken lag die EBITDA-Quote 2018 bei 7,6 Prozent (2017: 8,5 Prozent, 2016: 10,0 Prozent); sie haben damit einen deutlichen Rentabilitätsvorsprung gegenüber den Kliniken in anderer Trägerschaft. Bei den freigemeinnützigen Einrichtungen waren es 2018 3,3 Prozent (2017: 4,7 Prozent, 2016: 5,4 Prozent) und bei den öffentlichen Krankenhäusern -0,2 Prozent (2017: 0,7 Prozent, 2016: -0,01 Prozent). 

 

Private Kliniken können Finanzierungskosten senken

 

Bei der Betrachtung des Cash-Managements sei es insbesondere den privaten Kliniken gelungen, die Forderungsreichweite zu senken, damit die Finanzierungskosten zu senken und liquide Mittel freizusetzen. So seien  die DSO (Days Sales Outstanding) bei ihnen um 3,2 Tage auf 43,6 Tage gesunken. Auch die Kliniken in anderer Trägerschaft konnten beim Cash-Management eine Verbesserung erreichen, wobei die öffentlichen Kliniken mit 57,2 Tagen bei den DSO weiterhin das Schlusslicht sind. 

 

Private Kliniken wirtschaften effizienter

 

Die Material- und Personalaufwandsquote gebe Aufschluss darüber, wie wirtschaftlich Krankenhäuser arbeiten. Die Quote sei 2018 insbesondere bei den öffentlichen Kliniken mit 92 Prozent des Umsatzes sehr hoch (2017: 91 Prozent). Somit verblieben ihnen von 100 Euro nur acht Euro für notwendige Instandhaltungen, die Finanzierung und weitere Ausgaben. Bei den freigemeinnützigen Kliniken liege die Quote bei 87 Prozent (2017: 86 Prozent). Am effizientesten arbeiteten private Kliniken mit einer Material- und Personalaufwandsquote von 83 Prozent (2017: 82 Prozent). "Die Kennzahlen zeigen insgesamt, dass die Kliniken wirtschaftlich schlechter dastehen als 2017", fasst Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC, die Ergebnisse zusammen. 

 

Öffentliche Krankenhäuser werden stärker gefördert, private Kliniken setzen auf Eigenkapital 

 

Ein weiteres Ergebnis der Studie lautet: Öffentliche Krankenhäuser erhielten unter allen Trägerschaften die meisten Fördermittel. Bei ihnen liege die Fördermittelquote (Verhältnis der fördermittelfinanzierten Abschreibungen zu den gesamten Abschreibungen) bei 68 Prozent. Demgegenüber erhielten private und freigemeinnützige Einrichtungen weniger Fördermittelzuwendungen (49 bzw. 52 Prozent). "Die höhere Förderquote bei den öffentlichen Kliniken ist in Deutschland historisch gewachsen", sagt Gesundheitsexperte Michael Burkhart. "Möglich ist aber auch, dass diese Kliniken häufiger über ein geringeres Mittelpolster verfügen und deshalb mehr fordern - und gegebenenfalls von den Vergabestellen bevorzugt werden." Private Kliniken setzen stattdessen häufiger auf eine Finanzierung mit Eigenmitteln. Ein Grund dafür: Sie wollen mit Investitionen nicht warten, bis sie die Fördermittel erhalten. Denn die Vergabevorschriften verursachen einen zusätzlichen Arbeitsaufwand. Die Finanzierung mit Eigenmitteln ist demgegenüber flexibler - auch bei der Mittelverwendung. 

 

Mit moderner Infrastruktur im Wettbewerb bestehen 

 

Bei der Modernisierungsquote, also dem Verhältnis von Investitionen zu Abschreibungen, der in der Studie erfassten Kliniken zeige sich, dass die Infrastrukturen der Einrichtungen aller Trägerschaften moderner werden bzw. wachsen. Liege die Quote über 100 Prozent, überstiegen die Investitionen im Geschäftsjahr die jährlichen Abschreibungen. Den höchsten Modernisierungsgrad weisen mit 173 Prozent die freigemeinnützigen Kliniken auf, gefolgt von Krankenhäusern in öffentlicher Trägerschaft (145 Prozent) und den privaten Einrichtungen (111 Prozent). "Die privaten Kliniken haben die Notwendigkeit zur Modernisierung früh erkannt und reduzieren nun schrittweise ihre Investitionen", erläutert Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC. Die öffentlichen und freigemeinnützigen Einrichtungen haben demgegenüber ihre aktuelle Investitionsrunde noch nicht abgeschlossen; viele Bauvorhaben werden erst nach 2020 abgeschlossen. 

 

Bei allen Krankenhäuser besteht noch Optimierungsbedarf

 

"Ob das derzeit hohe Investitionsvolumen dann abnehmen wird, ist derzeit noch unklar", sagt  Burkhart. "Fest steht aber: Wer seine Infrastruktur veralten lässt, wird im Wettbewerb des deutschen Krankenhausmarkts schnell abgehängt." Die Studie zeige darüber hinaus, dass bei fast allen Krankenhäusern noch Optimierungspotenzial bestehe, insbesondere bei der Verkürzung von Wegen, der Zentralisierung von Gebäuden sowie beim Ausbau der Wahlleistungsmöglichkeiten bei Ein- und Zweitbettzimmern. 

 

Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz erhöht nicht automatisch Patientenzufriedenheit 

 

Als weitere Kennzahl ziehe die Studie die Casemixpunkte je Vollkraft heran. Diese seien ein Indikator für den Ressourcenverbrauch einer Klinik für die durchgeführten Behandlungsfälle. Private Krankenhäuser haben 2018 30 Punkte erreicht, freigemeinnützige und öffentliche Kliniken jeweils 27 Punkte.  "Mit dem Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz (PPsG) wird im Grunde davon ausgegangen, dass sich mehr Pflegepersonal unmittelbar positiv auf die Qualität der Pflege auswirkt", so Burkhart. "Wenn wir zur Messung aber die Weiterempfehlungsraten von Patienten, wie zum Beispiel die der Weißen Liste heranziehen, spiegelt sich das in den Zahlen nicht wieder. Ein direkter Zusammenhang zwischen der Anzahl an Pflegekräften und Qualität aus Patientensicht kann also statistisch gesehen nicht angenommen werden. Wovon ich aber ausgehe, ist, dass das PPsG die Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen kann, weil Pflegekräfte bei ihrer täglichen Arbeit entlastet werden", sagt PwC-Experte. pm, ots, mei

 

English version

 

The German public, private and non-profit hospitals are still under high cost pressure and their economic situation has worsened compared to the previous year. This is one of the key findings of the hospital benchmarking study conducted by the auditing and consulting firm PricewaterhouseCoopers (PwC). For the study, PwC analysed the annual financial statements for 2018 of more than 100 clinics in Germany and compared the most important key figures. 

 

 Overall, the profitability of the public, non-profit and private clinics is still very low. Despite the comparatively low level of funding, the private clinics managed to maintain the most profitable structures in terms of return on sales. This is one of the findings of the study, which uses the EBITDA ratio as a comparison. This is adjusted for depreciation and amortization and thus also for the effect of the subsidies. At the private clinics, the EBITDA ratio was 7.6 percent in 2018 (2017: 8.5 percent, 2016: 10.0 percent); they thus have a clear profitability advantage over clinics with other sponsors. The figure for non-profit institutions was 3.3 percent in 2018 (2017: 4.7 percent, 2016: 5.4 percent) and for public hospitals -0.2 percent (2017: 0.7 percent, 2016: -0.01 percent). 

 

Private clinics can reduce financing costs

 

In terms of cash management, the private clinics in particular have succeeded in reducing the range of receivables, thus reducing financing costs and releasing liquid funds. For example, the DSO (Days Sales Outstanding) at these clinics fell by 3.2 days to 43.6 days. The clinics run by other providers were also able to achieve an improvement in cash management, with the public clinics still lagging behind with 57.2 days at the DSOs. 

 

Private clinics operate more efficiently

 

The material and personnel expense ratio provides information on how economically hospitals operate. At 92 percent of sales in 2018, the ratio is very high (2017: 91 percent), especially for public hospitals. This leaves them with only eight euros out of 100 euros for necessary maintenance, financing and other expenses. The rate for non-profit clinics is 87 percent (2017: 86 percent). The most efficient hospitals were private clinics with a material and personnel cost ratio of 83 percent (2017: 82 percent). "Overall, the key figures show that the clinics are in a worse economic position than in 2017," says Michael Burkhart, Head of Health Management at PwC, summing up the results. 

 

Public hospitals to receive greater support, private hospitals to rely on equity capital 

 

Another result of the study is that public hospitals received the most funding of all the funding bodies. The ratio of subsidies (ratio of subsidy-financed depreciation to total depreciation) was 68 per cent. In contrast, private and non-profit institutions received fewer subsidies (49 and 52 per cent respectively). "The higher funding rate for public hospitals has grown historically in Germany," says health expert Michael Burkhart. "It is also possible, however, that these clinics have a smaller cushion of funds more frequently and therefore demand more - and are preferred by the awarding authorities if necessary. Instead, private clinics are more likely to rely on financing with their own resources. One reason for this is that they do not want to wait with investments until they receive the subsidies. Because the awarding regulations cause an additional amount of work. Financing with own funds, on the other hand, is more flexible - also with regard to the use of funds. 

 

Competing with modern infrastructure 

 

The modernisation rate, i.e. the ratio of investments to depreciation, of the clinics included in the study shows that the infrastructures of the facilities of all the funding bodies are becoming more modern or growing. If the ratio is above 100 percent, the investments in the financial year exceeded the annual depreciation. At 173 percent, the most modern hospitals are non-profit clinics, followed by public hospitals (145 percent) and private facilities (111 percent). "The private clinics recognised the need for modernisation at an early stage and are now gradually reducing their investments," explains Michael Burkhart, Head of Health Management at PwC. In contrast, public and non-profit institutions have not yet completed their current round of investments; many construction projects will not be completed until after 2020. 

 

All hospitals are still undergoing optimisation

 

"Whether the currently high investment volume will then decrease is still unclear," says Burkhart. "But one thing is certain: Those who leave their infrastructure outdated will quickly lose out to the competition on the German hospital market. The study also shows that there is still potential for optimisation in almost all hospitals, especially in the shortening of distances, the centralisation of buildings and the expansion of optional services for single and double rooms. 

 

Nursing Staff Strengthening Act does not automatically increase patient satisfaction 

 

The study uses the case mix points per full power as a further key figure. These are an indicator for the resource consumption of a clinic for the treatment cases carried out. Private hospitals achieved 30 points in 2018, non-profit and public hospitals 27 points each.  "With the Nursing Staff Strengthening Act (PPsG), it is basically assumed that more nursing staff will have a direct positive effect on the quality of care," says Burkhart. "If, however, we use the recommendation rates of patients, such as those on the White List, for measurement purposes, this is not reflected in the figures. A direct correlation between the number of nursing staff and quality from the patient's point of view cannot therefore be assumed from a statistical point of view. What I assume, however, is that the PPsG can increase employee satisfaction because nursing staff are relieved of their daily workload," says PwC expert. pm, ots, mei

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