· 

Internationaler Staatsgerichtshof nimmt Klage gegen EU-Politiker an

Das geht aus einem Schreiben des Strafgerichtshofs an den Rechtsanwalt Omer Shatz hervor, das der Tageszeitung "neues deutschland" vorliegt. Ob der Gerichtshof Ermittlungen aufnimmt, muss noch entschieden werden. 

 

Der israelische Rechtsanwalt Omer Shatz hatte im Juni zusammen mit dem französischen Anwalt Juan Branco nach dreijähriger Recherche die Strafanzeige bei dem Strafgerichtshof eingereicht. In der 245 Seiten umfassenden Anzeige werfen die Anwälte Shatz und Branco EU-Verantwortlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. "Uns geht es um den Aufbau der libyschen Küstenwache und die Rückführung von Flüchtlingen in die Internierungslager in Libyen. Diese Politik hat zur Folge, dass Menschen Opfer schwerster Verbrechen werden", sagte Shatz "nd - Die Woche", der Wochenendausgabe des "nd". 

 

Ein zentraler Punkt: Einstellung der Rettungsmission

 

Zweiter zentraler Punkt in der Anzeige ist die Einstellung der Rettungsmission "Mare Nostrum". Diese Mission wurde abgelöst durch die vom EU-Grenzschutz Frontex betriebene Operation Triton. "Wir haben viele, teils geheime Dokumente gesichtet und können belegen: Die europäischen Entscheidungsträger wussten vor, während und nach dem Übergang von Mare Nostrum zu Triton, dass diese Entscheidung Menschenleben kosten wird", so Shatz. "Das ist strafrechtlich relevant." 

 

Anklage gegen Politiker durchaus denkbar

 

Diethelm Klesczewski, Experte für Internationales Strafrecht an der Universität Leipzig, sagte: Ließe sich der Vorwurf nachweisen, nämlich dass die von der EU veranlasste Rückführung von Flüchtlingen durch die libysche Küstenwache zu Folter und Sklaverei führt, wäre eine Anklage der verantwortlichen Politiker durchaus denkbar. Florian Jeßberger, Professor für Internationales Strafrecht an der Universität Hamburg, hält das Verfahren zwar für rechtlich möglich, politisch aber für unwahrscheinlich. Er könne sich kaum vorstellen, dass ein förmliches Strafverfahren gegen ein amtierendes Mitglied einer europäischen Regierung eingeleitet wird. 

 

Klagen auf europäische Politiker ausweiten

 

Der erfahrene Anwalt Shatz selbst sieht durchaus Chancen, dass ein Verfahren beim Strafgerichtshof eingeleitet wird - gerade weil die Chefanklägerin des Gerichtshofes, Fatou Bensouda, bereits seit 2017 mutmaßliche Verbrechen in libyschen Lagern untersucht. "Die Klage müsste also nur auf europäische Politiker ausgeweitet werden", sagte Shatz im nd-Interview. In der Strafanzeige werden unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Emmanuel Macron und der scheidende Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, als Verantwortliche genannt. 

 

Hat Kanzlerin Merkel von den Zuständen gewusst

 

Kanzlerin Merkel beschuldigte der Strafrechtler Shatz im nd-Interview, sie habe bei der Unterzeichnung der Malta-Deklaration, in der es um Rückführungen von Flüchtlingen nach Libyen ging, von den Zuständen in den libyschen Lagern gewusst. "Ein paar Tage vorher warnten deutsche Botschafter in einem internen Bericht von KZ-ähnlichen Zuständen in den Lagern in Libyen. Merkel wusste also genau, was los war - und unterzeichnete am Ende trotzdem."

pm, ots

 

English version

 

The International Criminal Court in The Hague has accepted a charge against EU leaders and administrators over European refugee policy. This is the result of a letter sent by the Criminal Court to the lawyer Omer Shatz to the daily newspaper "neues Deutschland". A decision as to whether the court will start investigations has yet to be made. 

 

The Israeli lawyer Omer Shatz and the French lawyer Juan Branco filed a complaint with the Criminal Court in June after three years of research. In the 245-page report, lawyers Shatz and Branco accuse EU officials of crimes against humanity. "We are concerned with the establishment of the Libyan coastguard and the repatriation of refugees to the detention camps in Libya. This policy means that people are victims of the most serious crimes," said Shatz "nd - Die Woche", the weekend edition of "nd". 

 

A central point: suspension of the rescue mission

 

The second central point in the display is the setting of the rescue mission "Mare Nostrum". This mission was replaced by Operation Triton, operated by the EU border guard Frontex. "We have sifted through many documents, some of which are secret, and can provide evidence: The European decision-makers knew before, during and after the transition from Mare Nostrum to Triton that this decision would cost lives," said Shatz. "This is relevant under criminal law. 

 

Charges against politicians quite conceivable

 

Diethelm Klesczewski, an expert on international criminal law at the University of Leipzig, said: "If the accusation could be proven, namely that the repatriation of refugees by the Libyan coastguard on the initiative of the EU leads to torture and slavery, an indictment of the responsible politicians would be quite conceivable. Florian Jeßberger, Professor of International Criminal Law at the University of Hamburg, considers the trial to be legally possible, but politically unlikely. He can hardly imagine that formal criminal proceedings would be instituted against an acting member of a European government. 

 

Extending lawsuits to European politicians

 

The experienced lawyer Shatz himself sees a good chance that proceedings will be instituted at the criminal court - precisely because the chief prosecutor of the court, Fatou Bensouda, has been investigating suspected crimes in Libyan camps since 2017. "The lawsuit would therefore only have to be extended to European politicians," Shatz said in an nd interview. The charges include German Chancellor Angela Merkel, French President Emmanuel Macron and outgoing President of the European Commission Jean-Claude Juncker. 

 

Did Chancellor Merkel know about the situation?

 

Chancellor Merkel was accused by criminal lawyer Shatz in an nd interview of knowing about the conditions in the Libyan camps when she signed the Malta Declaration on the repatriation of refugees to Libya. "A few days earlier, in an internal report, German ambassadors warned of concentration camp-like conditions in the camps in Libya. So Merkel knew exactly what was going on - and signed in the end anyway."

pm, ots, mei

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Das sind die Themen auf dieser Seite

Willkommen, liebe Besucherin, lieber Besucher,

schön , dass ihr auf meiner Webseite "Hintermeier Daily" vorbeischaut. Das erwartet Euch: Im Mittelpunkt des Magazins zu Fragen der Zeit stehen die wichtigsten Themen, die Menschen bewegen. Dabei geht es um gesellschaftlich relevante Persönlichkeiten genauso wie um die großen politischen Zusammenhänge, die viele in ihren Bann ziehen.  Was erwartet euch sonst noch? Auf jeden Fall viele spannende Interviews mit interessanten Persönlichkeiten, die eine Menge zu erzählen haben. Und besondere Special gibt es ebenfalls: Sie heißen zum Beispiel "Sport & Wirtschaft", "Mobilität und Reise" sowie "Job und Beruf".