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Das Klimapaket der Bundesregierung weist entscheidende Mängel auf

 „Auf verbindliche, langfristige Klimaziele für 2050 zu verzichten, ist äußerst problematisch“, erklärt Karen Pittel, Leiterin des Ifo-Zentrums für Energie, Klima und Ressourcen. Pittel warnt grundsätzlich vor zu hohen Erwartungen an die Wirksamkeit des Klimaschutzgesetzes. Gesetze seien nicht vor Anpassungen durch spätere Regierungen gefeit, wie das Beispiel der Atomgesetze seinerzeit gezeigt habe. Dies droht umso mehr, je höher die Kosten des Klimaschutzes ausfallen.

 

Gerade in dieser Hinsicht sei es sinnvoll, Ziele für einzelne Sektoren flexibler zu gestalten. Denn zum Beispiel für den Verkehr sei das Ziel bis 2030 nicht mehr oder nur unter unverhältnismäßig hohen Kosten zu schaffen. „Langfristig müssen jedoch alle Sektoren dazu beitragen, die Emissionsziele einzuhalten. Es wäre fatal, wenn die aus ökonomischer Sicht sinnvolle Flexibilisierung der Sektorziele zu einem Aufschieben aus langfristiger Sicht notwendiger Investitionen führt“, erläutert Pittel. 

Die Gefahr eines Aufschiebens wird aus Sicht von Pittel durch den Verzicht auf bindende Klimaziele für 2050 verstärkt. Die eher schwammige Zusicherung, "nach dem Jahr 2030 jährlich absinkende Emissionsmengen durch Rechtsverordnung" festzulegen (§4) und "Treibhausgasneutralität bis 2050 als langfristiges Ziel zu verfolgen" (§1), würde selbst bei einem Verweis auf die Verbindlichkeit von UN- und EU-Zielen einen unzureichenden Ersatz darstellen.  

 

Die konkrete Umsetzung der Klimaziele bleibt unklar

 

„Hinsichtlich des Klimaschutzprogramms 2030 ist zu bedauern, dass der heute präsentierte detaillierte Maßnahmenkatalog in großen Teilen nach wie vor eine systemische Perspektive vermissen lässt“, erklärt Pittel. Eine weitergehende Reform des Energieabgaben- und -umlagensystems wäre nach wie vor nicht absehbar. Ein erster Vergleich des 173 Seiten starken Dokuments mit dem Klimapaket vom 20.09. zeigt wenig substantielle Änderungen. Die stärkere Betonung von Energieeffizienz sei zwar positiv zu sehen, die konkrete Umsetzung bliebe aber unklar. 

Pittel betont insbesondere, dass das Klimaschutzprogramm heute bereits stärkere Anreize für Technologieentwicklung und Infrastrukturmaßnahmen hätte setzen müssen, da Investitionsentscheidungen sehr langfristig getroffen würden.

 

Gefahr: Klimaziele nur zu weit überhöhten Kosten erreichbar

 

„Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Klimaziele nur zu weit überhöhten Kosten erreicht werden können“, betont Pittel und ergänzt: „Leider ist bereits absehbar, dass die beschlossenen Maßnahmen nicht ausreichen werden, um entsprechende Signale zu setzen. Insbesondere die CO2-Bepreisung muss unbedingt gestärkt werden, um die Kauf- und Investitionsentscheidungen in Richtung emissionsarmer Technologien zu lenken.“ pm, ifo

 

English version

 

The Ifo Institute sees it as an important signal that the draft climate protection law has been passed by the cabinet, but at the same time points out crucial shortcomings.  "To abandon binding, long-term climate targets for 2050 is extremely problematic," explains Karen Pittel, head of the Ifo Centre for Energy, Climate and Resources. Pittel warns basically against too high expectations regarding the effectiveness of the climate protection law. Laws are not immune to adaptation by future governments, as the example of nuclear laws showed at the time. This threatens all the more the higher the costs of climate protection.

 

It is precisely in this respect that it makes sense to make targets for individual sectors more flexible. For example, the target for transport by 2030 could no longer be achieved or only at disproportionately high costs. "In the long term, however, all sectors must contribute to meeting the emission targets. It would be fatal if the economically sensible flexibilisation of sector targets were to lead to a postponement of investments that are necessary in the long term," explains Pittel. 

 

In Pittel's view, the danger of a postponement is increased by the renunciation of binding climate targets for 2050. The rather vague assurance that "after 2030 annually decreasing emission levels will be determined by ordinance" (§4) and that "greenhouse gas neutrality by 2050 will be pursued as a long-term goal" (§1) would be an inadequate substitute even if reference were made to the binding nature of UN and EU targets.  

 

The concrete implementation of climate targets remains unclear

 

"With regard to the 2030 climate protection programme, it is regrettable that the detailed catalogue of measures presented today still largely lacks a systemic perspective," explains Pittel. A more far-reaching reform of the energy tax and levy system would still not be foreseeable. A first comparison of the 173-page document with the climate package of 20 September shows few substantial changes. The stronger emphasis on energy efficiency is to be seen positively, but the concrete implementation remains unclear. 

Pittel stresses in particular that the climate protection programme should already have provided stronger incentives for technology development and infrastructure measures today, as investment decisions are made on a very long-term basis.

 

Danger: Climate targets can only be achieved at far inflated costs

 

"Otherwise, there is a danger that the climate targets can only be achieved at far too high a cost," stresses Pittel and adds: "Unfortunately, it is already foreseeable that the measures adopted will not be sufficient to send out the right signals. In particular, CO2 pricing must be strengthened in order to steer purchase and investment decisions towards low-emission technologies. pm, info, mei

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