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Shell-Jugendstudie: Junge Menschen blicken positiv in die Zukunft

Ihre Zufriedenheit mit der Demokratie nimmt zu. Die EU wird überwiegend positiv wahrgenommen. Jugendliche sind mehrheitlich tolerant und gesellschaftlich liberal. Am meisten Angst macht Jugendlichen die Umweltzerstörung. Das sind zentrale Resultate der 18. Shell Jugendstudie.

 

"Bereits im Jahr 2015 hatten viele Jugendliche ein größeres Engagement für politische und gesellschaftliche Themen gezeigt. Dieses Engagement verstärken sie inzwischen durch ein zunehmendes Umwelt- und Klimabewusstsein. Obwohl die Jugendlichen optimistisch in ihre persönliche und die gesellschaftliche Zukunft blicken, sehen sie doch, dass es Zeit ist, zu handeln", sagt Studienleiter Professor Mathias Albert von der Universität Bielefeld. Die Botschaft der Jugend an ältere Generationen ist: "Wir bleiben zuversichtlich, aber hört auf uns, und achtet jetzt auf unsere Zukunft!" 

 

"Junge Menschen wollen sich einbringen"

 

Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Franziska Giffey (SPD): "Junge Menschen wissen, dass Entscheidungen von heute die Zukunft beeinflussen und sie wollen daran beteiligt sein. Sie fordern zu Recht, dass ihnen nicht nur zugehört wird, sondern dass ihre Forderungen auch Folgen haben. Die aktuelle Shell Jugendstudie zeigt, dass junge Menschen sich einbringen wollen und dass viele auf die Demokratie, eine offene Gesellschaft und ein geeintes Europa setzen. Dieses Vertrauen dürfen wir nicht verspielen. Es geht nur gemeinsam mit den Jugendlichen. Beteiligung ist deshalb, neben Schutz und Förderung, Teil unserer Wertegrundlage, um die Rechte von Kindern und jungen Menschen ins Grundgesetz zu bringen." 

 

Die wesentlichen Ergebnisse im Detail

 

  • Interesse an Politik Das seit Beginn des Jahrtausends stark gestiegene Interesse an Politik bleibt stabil. Jugendliche meinen, dass politisches Engagement eine hohe Bedeutung hat. Diese Auffassung nimmt insbesondere bei Mädchen zu, bleibt jedoch vornehmlich auf höher gebildete Jugendliche beschränkt. 
  • Ängste und Sorgen Die Ängste und Sorgen reflektieren die Debatten der vergangenen Jahre. Umweltängste haben insbesondere bei höher Gebildeten stark an Bedeutung gewonnen. Die Debatten um Flucht und Migration spiegeln sich in gestiegener Angst sowohl vor Ausländerfeindlichkeit als auch - auf niedrigerem Niveau - vor Zuwanderung wider. Angst vor Zuwanderung äußern tendenziell eher die niedriger Gebildeten. 
  • Zuversicht und Gerechtigkeit Mehr als die Hälfte der Jugendlichen sieht die gesellschaftliche Zukunft eher positiv. 59 Prozent finden, dass es in Deutschland insgesamt gerecht zugeht. Das gilt für West- und Ostdeutschland gleichermaßen. 
  • Europäische Union 50 Prozent der Jugendlichen stehen der EU insgesamt positiv, aber nur acht Prozent negativ gegenüber. Das Vertrauen in die Staatengemeinschaft hat eher zugenommen. Sie steht bei Jugendlichen für Freizügigkeit, kulturelle Vielfalt und Frieden, im Vergleich zu 2006 zunehmend aber auch für wirtschaftlichen Wohlstand und soziale Absicherung. 
  • Populismus Bestimmte rechtspopulistisch orientierte Aussagen stoßen auch bei Jugendlichen auf Zustimmung. So stimmen mehr als zwei Drittel der Aussage zu, dass man nichts Negatives über Ausländer sagen darf, ohne als Rassist zu gelten. Graduell sind westdeutsche Jugendliche und höher gebildete eher weltoffener als ostdeutsche und weniger gebildete. 
  • Vielfalt und Toleranz Die Trends zu einer immer bunteren Gesellschaft geht bei Jugendlichen mit einem hohen Maß an Toleranz einher. Die Studie zeigt, dass Mädchen und Jungen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Minderheiten mit sehr großer Mehrheit positiv gegenüberstehen. Die Ablehnungswerte liegen durchweg bei unter 20 Prozent. 

 

Zufriedenheit mit der Demokratie, Politikverdrossenheit und Vertrauen in Institutionen 

 

Mehr als drei Viertel der Jugendlichen sind mit der Demokratie zufrieden. Gleichzeitig kritisieren mehr als zwei Drittel, dass die Politiker sich nicht um ihre Belange kümmern, was als Ursache für Politikverdrossenheit gesehen werden kann. Bei der Frage nach dem Vertrauen in Institutionen kommen die Polizei, das Bundesverfassungsgericht und Umweltschutzgruppen auf deutlich überdurchschnittliche Werte. Großen Unternehmen, Kirchen, Parteien und Banken wird deutlich weniger Vertrauen entgegengebracht. 

 

Werteorientierungen 

 

Für die überwältigende Mehrheit der Jugendlichen bilden nach wie vor gute Freunde, eine vertrauensvolle Partnerschaft und ein gutes Familienleben die wichtigsten Werte. Ein hoher Lebensstandard und die Durchsetzung eigener Bedürfnisse verlieren vergleichsweise stark an Bedeutung. Insgesamt stehen idealistische, eher sinnstiftende Wertorientierungen bei jungen Menschen wieder höher im Kurs. Gegenläufig ist die Entwicklung bei tendenziell materialistischen Orientierungen, die darauf abzielen, die persönliche Macht und Durchsetzungskraft zu steigern. 

Eltern und Familie 

 

Verhältnis zu den Eltern ist überwiegend gut

 

Im Ergebnis zeichnet sich ein relativ familienorientiertes Bild ab. Das Verhältnis der Jugendlichen zu ihren Eltern ist überwiegend gut. Die Mehrheit sieht ihre Eltern als Erziehungsvorbilder. Der Kinderwunsch ist stabil. Bei der Familiengründung wünschen sich vor allem westdeutsche Männer und Frauen, dass der Mann der Haupt- oder Alleinversorger der Familie ist. 

 

Religion 

 

Die große Mehrheit der Jugendlichen ist Mitglied einer Religionsgemeinschaft. Dabei liegt der Wert aktuell zwar niedriger als 2015, aber höher als 2002. Während die christlichen Konfessionen seit 2002 stetig an jugendlichen Mitgliedern verloren haben (allein zwischen 2015 und 2019 um fünf Prozentpunkte), haben der Islam und andere nicht-christliche Religionen an Bedeutung gewonnen. Der Anteil der Konfessionslosen stagniert. Der Anteil der Jugendlichen, für die der Glaube an Gott tatsächlich wichtig ist, liegt mit fast einem Drittel allerdings deutlich niedriger und hat seit 2002 sogar leicht abgenommen. 

 

Schule und Abschluss 

 

Der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen hält an. Das Gymnasium ist unangefochten die populärste Schulform und unter den Mädchen sogar schon die Schule, die von einer absoluten Mehrheit besucht wird. Entsprechend ist das Abitur der mit Abstand am häufigsten angestrebte Schulabschluss. Der Trend zur akademischen Bildung nimmt weiter zu. Integrierte Schulformen, die in fast allen Bundesländern eingeführt wurden, verzeichnen die stärksten Zuwächse seit 2015. Der Anteil der Jugendlichen, die sie besuchen, hat sich seit 2002 verdoppelt. Entsprechend weniger Jugendliche gehen auf eine Haupt- oder Realschule. 

 

Zusammenhang Bildung und soziale Herkunft 

 

Nach wie vor lässt sich ein starker Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft feststellen. Bei Jugendlichen aus bildungsfernen Elternhäusern ist es nur halb so wahrscheinlich, dass sie das Abitur erreichen wie bei Jugendlichen aus gebildeten Elternhäusern. Allerdings ist die Bildungspolitik der letzten Jahre insofern erfolgreich, als auch Jugendliche aus bildungsfernen Schichten das Abitur mittlerweile deutlich häufiger anstreben bzw. erreichen als früher. 

 

Hinweise zur Studie

 

Die Studie wurde von Prof. Dr. Mathias Albert (Leitung, Universität Bielefeld), Prof. Dr. Gudrun Quenzel (Universität Vorarlberg), Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (Hertie School of Governance), sowie einem Expertenteam des Münchner Forschungsinstituts Kantar um Ulrich Schneekloth im Auftrag der Deutschen Shell verfasst. Das Unternehmen finanziert die Jugendstudie bereits seit 1953. "Mit diesem Engagement für die Jugendforschung untermauern wir nicht zuletzt unsere Bereitschaft, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen", sagt der Vorsitzende der Deutsche Shell Holding GmbH, Dr. Thomas Zengerly. 

 

Die 18. Shell Jugendstudie stützt sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2.572 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren, die von Kantar-Interviewern zu ihrer Lebenssituation und ihren Einstellungen und Orientierungen persönlich befragt wurden. Die Erhebung fand auf Grundlage eines standardisierten Fragebogens im Zeitraum von Anfang Januar bis Mitte März 2019 statt. Im Rahmen der qualitativen Studie wurden zwei- bis dreistündige Interviews mit 20 Jugendlichen dieser Altersgruppe durchgeführt. pm, ots

 

English version

 

Young people are increasingly taking the floor and articulating their interests and demands not only among themselves, but also increasingly towards politicians, society and employers. The majority of young people tend to look positively to the future. Their satisfaction with democracy is increasing. The EU is predominantly perceived positively. The majority of young people are tolerant and socially liberal. The most frightening aspect for young people is environmental destruction. These are the central results of the 18th Shell Youth Study.

 

"By 2015, many young people had already shown greater commitment to political and social issues. They are now intensifying this commitment through increasing environmental and climate awareness. Although the young people are optimistic about their personal and social future, they still see that it is time to act," says Professor Mathias Albert, head of the study at Bielefeld University. The message of the youth to older generations is: "We remain confident, but listen to us, and now pay attention to our future". 

 

"Young people want to get involved"

 

Federal Minister for Family Affairs, Senior Citizens, Women and Youth, Dr. Franziska Giffey (SPD): "Young people know that today's decisions influence the future and they want to be involved in it. They rightly demand that not only be listened to, but that their demands also have consequences. The current Shell Youth Study shows that young people want to get involved and that many are committed to democracy, an open society and a united Europe. We must not gamble away this trust. It can only be done together with young people. Participation is therefore, in addition to protection and promotion, part of our value basis to bring the rights of children and young people into the Basic Law." 

 

The main results in detail

 

Interest in politics The interest in politics, which has risen sharply since the beginning of the millennium, remains stable. Young people believe that political commitment is very important. This view is growing, especially among girls, but remains limited primarily to more highly educated young people. 

 

Fears and worries The fears and worries reflect the debates of recent years. Environmental fears have become increasingly important, especially among the more highly educated. The debates about flight and migration are reflected in increased fear of both xenophobia and - at a lower level - immigration. Fear of immigration tends to be expressed by the less educated. 

 

Confidence and justice More than half of the young people see the future of society as rather positive. 59 percent think that things are fair in Germany as a whole. This applies equally to West and East Germany. 

European Union 50 percent of young people are positive about the EU as a whole, but only eight percent are negative. Confidence in the community of states has rather increased. Among young people it stands for freedom of movement, cultural diversity and peace, but compared to 2006 it also stands increasingly for economic prosperity and social security. 

 

Populism Certain right-wing populist-oriented statements also meet with approval among young people. More than two thirds agree with the statement that one should not say anything negative about foreigners without being considered a racist. 

 

Gradually Young West Germans and more highly educated are more cosmopolitan than East Germans and less educated. 

 

Diversity and tolerance The trend towards an ever more colourful society is accompanied by a high degree of tolerance among young people. The study shows that a very large majority of girls and boys have a positive attitude towards different social groups and minorities. The rejection rates are consistently below 20 percent. pm, its, mei

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