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Autohersteller können nicht mehr in neue Technologien investieren

Investments in elektrische Antriebe und insbesondere in autonome Technologien lassen Stücklistenkosten in der Produktion bis 2030 zwischen 20% und 40% steigen. Hinzu kommt, dass die absoluten Fahrzeugzahlen insbesondere in Europa durch den Wandel weg vom privaten Pkw hin zu Sharing-Modellen perspektivisch sinken werden.

 

Während 2018 in Europa noch 263 Mio. Fahrzeuge unterwegs waren, wird ihre Zahl den Prognosen zufolge bis 2030 bereits auf 258 Mio. sinken (-2%). Im gleichen Zeitraum nimmt der Fahrzeugbestand in den USA um 7% zu, gefördert durch die langsamere Markteinführung von Shared Mobility-Angeboten außerhalb amerikanischer Innenstädte. In China steigt die Pkw-Anzahl mit dem im Vergleich zu Europa wachsenden Statusbewusstsein der aufstrebenden Mittelschicht um 87%. Jedoch eröffnen sich für Hersteller ebenso wie für Zulieferer parallel dazu in Form alternativer Mobilitätsangebote neue Geschäftsmöglichkeiten. Das Marktvolumen dieser Dienstleistungen wird bis 2030 in Europa, den USA und China auf 1,2 Bio. US-Dollar anwachsen, wobei auf den europäischen Markt 393 Mrd. US-Dollar entfallen. In Europa werden Personen 2030 im Schnitt 17% ihrer Fahrstrecken in gemeinsam genutzten Autos zurücklegen (USA: 14%; China: 24%). 

 

Die wenigsten Angebot sind preislich konkurrenzfähig

 

"Um die Einbußen aus dem klassischen Abverkauf auszugleichen, müssen Autohersteller und Zulieferer verstärkt auf MaaS-Modelle setzen. Im Moment sind allerdings die wenigsten Angebote preislich konkurrenzfähig zum privaten Pkw und gleichzeitig für den Anbieter auch profitabel. Die aktuellen Preisschlachten im B2C-Bereich müssen mittelfristig in rentablen Geschäftsmodellen aufgehen. Wir gehen davon aus, dass der Markt unter wenigen globalen Playern aufgeteilt wird, während sich auf lokaler Ebene zahlreiche Möglichkeiten für Unternehmen mit spezialisierten Angeboten bieten werden. Die Kunden entscheiden über den Erfolg und werden den besten Service sowie maximalen Komfort wählen", erläutert Jonas Seyfferth, Studienautor und Director bei Strategy& Deutschland. 

 

Smartphones auf Rädern

 

Neben dem veränderten Konsumentenverhalten wird der Umbruch der Automobilbranche vom technologischen Wandel und von regulatorischen Vorgaben vorangetrieben. Das Marktpotential für Connected Services wird in Europa, den USA und China bis 2030 ein Volumen von 81 Mrd. US-Dollar erreichen, wovon 15,9 Mrd. US-Dollar im europäischen Markt erwirtschaftet werden können. Insbesondere Standards auf 5G-Basis werden die integrierte Weiterentwicklung der Fahrzeuge in Richtung eines Smartphones auf Rädern fördern. Den Expertenprognosen zufolge bleibt 4G lediglich eine kurzzeitige Zwischenlösung. Bereits 2025 werden rund 30% aller vernetzten Fahrzeuge in Europa 5G-fähig sein, 2030 machen sie 70% aus. 

 

Autonomes Fahren wird stark ansteigen

 

Durch regulatorische Maßnahmen mit Lenkungswirkung wird zudem der Anteil vernetzter, autonomer und elektrischer Fahrzeuge insbesondere in Europa sowie in China in den kommenden Jahren stark ansteigen. Vor allem die Harmonisierung von Vernetzungsstandards und die Einführung verpflichtender Sicherheitsfeatures in Neuwagen beschleunigen den Wandel. Gleiches gilt für die steuerlichen Anreize beim E-Auto-Kauf und die Einführung strikterer CO2-Vorgaben. 2030 werden die elektrischen Fahrzeuge rund 40% (Europa) bzw. rund 46% (China) aller Neuwagenzulassungen ausmachen, während die Quote in den USA mit 35% niedriger bleibt.

 

Strenge Vorgaben für die Tests

 

Im Bereich des autonomen Fahrens verlangsamen strenge Vorgaben für Tests die Entwicklung zwar einerseits im Vergleich zum asiatischen Raum. Andererseits bietet sich europäischen Unternehmen die Möglichkeit, sich genau im Feld der Sicherheitsfeatures zu spezialisieren. Der flächendeckende Roll-Out autonomer Fahrzeuge wird sich allerdings noch verzögern. Zwar werden ab 2021 Kleinbusse auf SAE-Level 4-Niveau eingesetzt werden, jedoch nur in eingegrenzten Gebieten sowie mit eingeschränkter Geschwindigkeit. Vollautonome Kleinbusse, Robo-Taxis und private autonome Pkw werden ohne Einschränkungen frühestens ab 2029 auf den Straßen unterwegs sein. In Europa wird 2030 rund ein Viertel der Neuzulassungen auf Level 4- oder Level 5-Niveau sein (USA: 10%; China: 20%). 

 

Hersteller und Zulieferer definieren sich neu

 

Durch die wachsende Technologieintegration sowie die zusätzlichen MaaS-Geschäftsmöglichkeiten positionieren sich sowohl Hersteller als auch Zulieferer in der Wertschöpfungskette neu und werden teilweise zu Konkurrenten, etwa im B2C-Sharing. Um das eigene Portfolio um profitable Ansätze erweitern zu können, müssen Automobilunternehmen ihre Organisationsstruktur an die neuen Rahmenbedingungen der Branche anpassen. "Hybride Strukturen mit flexiblen horizontalen und vertikalen Geschäftsbereichen verschaffen Automotive-Playern die nötige Agilität, um schnell auf neue Entwicklungen reagieren zu können. Zudem müssen laufend digitale Fähigkeiten aufgebaut, verbessert und sinnvoll in die bestehenden Kernkompetenzen integriert werden.

 

Unternehmen benötigen Fachpersonal

 

Zur Erreichung dieser Ziele brauchen die Unternehmen Fachpersonal, das neu geschaffene Rollen ausfüllt. Von der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bis hin zur Produktion sind künftig etwa agile Methoden sowie KI- und Datenanalyse-Fähigkeiten gefragt. Neben einer guten Positionierung im Wettbewerb um die besten Talente sollten Akteure zusätzlich auf systematisches Upskilling des eigenen Personals setzen, um einem massiven Fachkräftemangel vorzubeugen", kommentiert Jörg Krings, ebenfalls Studienautor und Partner bei Strategy& Deutschland. pm, ots

 

English version

 

As the current "2019 Digital Auto Report" from Strategy&, PwC's strategy consultancy, shows, car manufacturers will be less and less able to finance the necessary investments in new technologies in the future via their traditional value chains. Investments in electric drives and in autonomous technologies in particular will cause bill of materials costs in production to rise between 20% and 40% by 2030. In addition, the absolute number of vehicles, especially in Europe, will decline in the long term due to the shift from private cars to sharing models.

 

While there were still 263 million vehicles on the road in Europe in 2018, their number is forecast to fall to 258 million by 2030 (-2%). Over the same period, the number of vehicles in the USA will increase by 7%, driven by the slower market launch of shared mobility offerings outside American city centers. In China, the number of cars is increasing by 87% as the status awareness of the up-and-coming middle class grows compared with Europe. However, new business opportunities are opening up in parallel for manufacturers and suppliers alike in the form of alternative mobility offers. By 2030, the market volume of these services in Europe, the USA and China is expected to reach 1.2 trillion euros. The European market will account for 393 billion US dollars. In Europe, people will travel an average of 17% of their journeys in shared cars in 2030 (USA: 14%; China: 24%). 

 

Fewest offers are price-competitive

 

"In order to compensate for the losses from classic sales, car manufacturers and suppliers must increasingly rely on MaaS models. At the moment, however, very few offers are price competitive with private cars and at the same time profitable for the supplier. In the medium term, the current price wars in the B2C sector will have to merge into profitable business models. We assume that the market will be divided among a few global players, while at the local level there will be numerous opportunities for companies with specialized offerings. Customers decide on success and will choose the best service and maximum convenience," explains Jonas Seyfferth, study author and Director at Strategy& Deutschland. 

 

Smartphones on wheels

 

In addition to changing consumer behavior, the upheaval in the automotive industry is being driven by technological change and regulatory requirements. The market potential for connected services in Europe, the USA and China will reach a volume of 81 billion US dollars by 2030, of which 15.9 billion US dollars can be generated in the European market. Standards based on 5G in particular will promote the integrated further development of vehicles in the direction of a smartphone on wheels. According to expert forecasts, 4G is only a short-term interim solution. By 2025, around 30% of all networked vehicles in Europe will be 5G-capable, by 2030 they will make up 70%. 

 

Autonomous driving will increase sharply

 

Regulatory measures with a steering effect will also increase the proportion of networked, autonomous and electric vehicles in Europe and China in particular in the coming years. In particular, the harmonisation of networking standards and the introduction of mandatory safety features in new cars will accelerate the pace of change. The same applies to tax incentives for the purchase of electric cars and the introduction of stricter CO2 regulations. In 2030, electric vehicles will account for around 40% (Europe) and 46% (China) of all new car registrations, while the proportion in the USA will remain lower at 35%.

 

Strict specifications for the tests

 

In the area of autonomous driving, strict test specifications are slowing development in comparison to the Asian region. On the other hand, European companies have the opportunity to specialise precisely in the field of safety features. The nationwide roll-out of autonomous vehicles will, however, be delayed. Although SAE level 4 minibuses will be used from 2021 onwards, they will only be used in limited areas and at limited speed. Fully autonomous minibuses, robotic taxis and private autonomous cars will not be on the roads without restrictions until 2029 at the earliest. In Europe, around a quarter of new registrations in 2030 will be at Level 4 or Level 5 level (USA: 10%; China: 20%). 

 

Manufacturers and suppliers redefine themselves

 

As a result of growing technology integration and additional MaaS business opportunities, both manufacturers and suppliers are repositioning themselves in the value chain and are partly becoming competitors, for example in B2C sharing. In order to be able to expand their own portfolio with profitable approaches, automotive companies must adapt their organizational structure to the new framework conditions of the industry. "Hybrid structures with flexible horizontal and vertical business areas give automotive players the agility they need to react quickly to new developments. In addition, digital capabilities must be continuously developed, improved and meaningfully integrated into existing core competencies.

 

Companies need skilled personnel

 

In order to achieve these goals, companies need skilled personnel to fill newly created roles. From research and development to production, agile methods and AI and data analysis skills will be required in the future. In addition to a good positioning in the competition for the best talents, actors should also focus on systematic upskilling of their own personnel in order to prevent a massive shortage of skilled workers," comments Jörg Krings, also a study author and partner at Strategy& Deutschland. pm, ots, mei

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