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Schwere Wirtschaftskrise in Argentinien belastet Präsidentenwahl

Hinzu kommt die deutlich verlorene Vorwahl gegen seinen Konkurrenten Alberto Fernández. Dieser steht Umfragen zufolge offenbar vor einem sicheren Wahlerfolg. Was ein Sieg des Peronisten bedeuten würde ist allerdings alles andere als klar.

 

"Fernández gilt als moderat und relativ wirtschaftsfreundlich. Ganz anders als seine designierte Vizepräsidentin Cristina Kirchner. Wie groß der Einfluss der Ex-Präsidentin und ihres deutlich linkeren Lagers ist und sein wird, ist vorerst unklar. Wird ein marktwirtschaftlicher Kurs fortgesetzt oder kommt der Staatsdirigismus? Die Folge ist bereits jetzt eine massive Kapitalflucht aus Angst vor einem möglichen Zugriff der zukünftigen Regierung auf private Konten, es wäre nicht das erste Mal", sagt Carl Moses, Argentinien-Experte von Germany Trade & Invest (GTAI) in Buenos Aires. Wenn etwas in Argentinien sicher sei, dann die allgemeine Verunsicherung: "Ein Ausdruck dafür sind die Prognosen für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2020. Gehen sie für 2019 von einem Rückgang um drei Prozent aus, liegen sie für nächstes Jahr zwischen einem und minus fünf Prozent." 

 

Pleitegeier kreist über dem Land

 

Rezession, Inflation, Kapitalflucht, eine hohe Verschuldung - der Pleitegeier kreist erneut über dem Land am Rio de la Plata. Wie sich Argentiniens Beziehungen zum der Internationalen Währungsfonds entwickeln werden, ist derzeit nicht absehbar. Mit einem Rekordkredit hatte der IWF den mit vielen Vorschusslorbeeren gestarteten Präsidenten Macri 2018 noch massiv unterstützt. Doch Macris Reformversuche sind weitgehend gescheitert. Die Vereinbarungen zur Rückzahlung der bisher geflossenen Mittel sind bereits jetzt Makulatur, und was neue Verhandlungen bringen, ist offen. 

 

Mercosur-Projekt steht in Frage

 

Die Aussichten auf ein Freihandelsabkommen zwischen dem Mercosur und der EU hatten zeitweilig auch in Argentinien Hoffnungen geschürt, doch der Konflikt zwischen Brasilien und den europäischen Ländern stellt das ganze Projekt in Frage. Und ob Argentinien in seiner heutigen Verfassung die nötigen Reformen durchführen und überhaupt von dem Abkommen mit der EU profitieren könne, sei eher fraglich. 

 

Zahlungsausfall des Landes wäre eine Katastrophe

 

"Das ist in Anbetracht der momentanen Lage auch eher zweitrangig. Sollte es zum Zahlungsausfall kommen, wäre das für Argentinien, für den IWF und auch für institutionelle Anleger wie beispielsweise Blackrock oder Pimco, eine ziemliche Katastrophe. Von der wahrscheinlich noch zunehmenden Devisenknappheit und dem niedrigen Peso-Kurs dürfte zumindest die Tourismus-Branche im Inland profitieren, ebenso der Export von Software und Dienstleistungen. Möglicherweise auch der Büro- und Wohnungsbau. Unternehmen und wohlhabende Privatleute müssen schließlich investieren und der absehbaren Entwertung ihrer Pesos entgehen", erklärt Carl Moses weiter. "Ein strategischer Wachstumssektor, auf den jede künftige Regierung setzen wird, ist das Fracking von Schieferöl und -gas." pm, ots

 

English version

 

Inflation has reached a record level, GDP per capita has fallen, the poverty rate has risen - as has the uncertainty of the economic players. The conditions for the re-election of Argentina's President Mauricio Macri could not have been much worse, in addition to the clearly lost primary election against his rival Alberto Fernández. According to surveys, the latter is apparently facing a certain electoral success. What a victory for the Peronist would mean, however, is anything but clear.

 

"Fernández is considered moderate and relatively business-friendly. Quite different from his designated vice-president Cristina Kirchner. How great the influence of the ex-president and her clearly left-wing camp is and will be is unclear for the time being. Will a market-economy course be continued or will state dirigisme come? The consequence is already a massive flight of capital for fear of the future government having access to private accounts, which would not be the first time," says Carl Moses, Argentina expert at Germany Trade & Invest (GTAI) in Buenos Aires. If anything is certain in Argentina, it is general uncertainty: "The forecasts for economic growth in 2020 are an expression of this. If they assume a decline of three percent for 2019, they are between one and minus five percent for next year". 

 

Bankrupt vultures circling over the country

 

Recession, inflation, capital flight, high indebtedness - the bankrupt vulture once again circles over the country on the Rio de la Plata. How Argentina's relations with the International Monetary Fund will develop cannot be predicted at present. With a record loan, the IMF had still given massive support to President Macri in 2018, who had started the year with many advance praises. But Macri's reform attempts have largely failed. The agreements to repay the funds that have flowed to date are already a waste of time, and what new negotiations will bring is open. 

 

Mercosur project in question

 

The prospect of a free trade agreement between Mercosur and the EU had also temporarily raised hopes in Argentina, but the conflict between Brazil and the European countries calls the whole project into question. And whether Argentina can carry out the necessary reforms in its current constitution and benefit from the agreement with the EU at all is rather questionable. 

 

Default by the country would be a disaster

 

"Given the current situation, this is also of secondary importance. If there is a default, it would be quite a disaster for Argentina, for the IMF and also for institutional investors such as Blackrock or Pimco. At least the domestic tourism industry should benefit from the probable increasing shortage of foreign exchange and the low peso exchange rate, as should the export of software and services. Possibly also office and residential construction. Companies and wealthy private individuals will ultimately have to invest and avoid the foreseeable devaluation of their pesos," continues Carl Moses. "Fracking shale oil and gas is a strategic growth sector on which every future government will rely. pm, ots, mei

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