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Die weltweite Konkurrenz um wirtschaftliche Vormacht

 

Nach Ansicht von Antonia Reinecke, FernUniversität Hagen, stellt sich für Europa nicht die Frage nach einer einseitigen Positionierung. Die EU sollte vielmehr als Gegengewicht zu beiden Ökonomien agieren und ihre Potenziale als Initiator technologischer Innovationen und weiterer internationaler Integration ausbauen.

 

Doris Fischer, Universität Würzburg, empfiehlt "wechselnde Allianzen für verschiedene Ebenen". Inzwischen reiche der Konflikt zwischen den USA und China weit über Handelsfragen hinaus und beinhalte ebenso das gesellschaftliche Werte- und das politische System. Deshalb brauche Europa eine selbstbewusste Mehrebenenstrategie zur "Navigation durch den Wettbewerb der USA und Chinas«. Als die größte Herausforderung, diese umzusetzen, könnte sich der Umgang mit Informationen, der öffentlichen Meinung und sozialen Netzwerken erweisen. Derzeit sei ein Kampf um die Meinungshoheit zu beobachten, in dem »von beiden Seiten die Propa­gandaregister gezogen werden".

 

Nils Ole Oermann, Leuphana Universität Lüneburg, und Hans-Jürgen Wolff sehen die Zukunft Europas darin, ein "Kollektivsubjekt" zu werden und als ein Akteur in der Weltwirtschaft und Weltpolitik die Prinzipien der euro­päischen Integration – Rechtlichkeit, Fairness, sozialen Ausgleich und Solidarität – zu vertreten.

 

Xuewu Gu, Universität Bonn, sieht Europas Zukunft "weder im Ausbau der Juniorpartnerschaft mit den USA noch im Kuschelkurs mit China". Auf weltpolitischer Ebene wäre es für Europa optimal, wenn Brüssel die gleiche Rolle wie Washington und Beijing spielen würde. Um die beiden Weltmächte in diese Richtung zu bewegen, brauche Europa allerdings eine wirkungsvolle Hebelkraft. Diese Kraft könnte sich entfalten, wenn Europa es wagen würde, den Weg einer »Äquidistanz« zwischen Beijing und Washington einzuschlagen.

Margot Schüller, GIGA Institut für Asien-Studien, Hamburg, sieht in der Förderung und dem Ausbau von Forschung und Innovation Europas Weg zur Stärkung seiner Position im Konflikt zwischen den USA und China. pm, ifo

 

English version

 

China's rise to become the second-largest economy has changed the global balance of power in recent years. Is there a shift in global dominance from West to East? What possibilities does Europe have to position itself between the USA and China? According to Antonia Reinecke, FernUniversität Hagen, the question of a one-sided positioning does not arise for Europe. Rather, the EU should act as a counterweight to both economies and expand its potential as an initiator of technological innovations and further international integration.

 

Doris Fischer, University of Würzburg, recommends "changing alliances for different levels". In the meantime, the conflict between the USA and China extends far beyond trade issues and also includes social values and the political system. Europe therefore needed a self-confident multi-level strategy for "navigating the competition between the USA and China". The greatest challenge in implementing this strategy could be to deal with information, public opinion and social networks. There is currently a struggle for sovereignty of opinion in which "both sides are pulling out the propaganda stops".

 

Nils Ole Oermann, Leuphana University Lüneburg, and Hans-Jürgen Wolff see the future of Europe in becoming a "collective subject" and, as an actor in the world economy and world politics, in representing the principles of European integration - legality, fairness, social balance and solidarity.

 

Xuewu Gu, University of Bonn, sees Europe's future "neither in the expansion of the junior partnership with the USA nor in the cuddling course with China". On the world political level, it would be ideal for Europe if Brussels played the same role as Washington and Beijing. To move the two world powers in this direction, however, Europe would need effective leverage. This force could unfold if Europe dared to take the path of an "equidistance" between Beijing and Washington.

Margot Schüller, GIGA Institute for Asian Studies, Hamburg, sees the promotion and expansion of research and innovation as Europe's way of strengthening its position in the conflict between the USA and China. pm, ifo, mei

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