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SPD-Ikone Franz Müntefering warnt vor Bruch der großen Koalition

"Wenn man den Bruch provoziert, wenn man das Ding gezielt kaputt macht, dann wird (...) man bei der nächsten Wahl dafür die Quittung bekommen", sagte Müntefering in einem Interview mit dem Tagesspiegel. 

 

"Denn das ist ganz klar: Wer in einem Fußballspiel in der zweiten Halbzeit in die Kabine läuft und sagt: Wir haben jetzt keine Lust mehr, wir kommen nächsten Sonntag wieder, da sind wir wieder gut drauf, der wird nicht bejubelt, sondern ausgepfiffen." Über die Politik der Bundesregierung und der SPD-Fraktion werde nicht im SPD-Präsidium entschieden. "Wir haben kein Zentralkomitee, sondern eine Fraktion mit gewählten Abgeordneten, die ihrem Gewissen verpflichtet sind", betonte Müntefering. Unterdessen warnen führende SPD-Politiker in Nordrhein-Westfalen vor einem überstürzten Ausstieg aus der großen Koalition gewarnt. "Ich rate zu Besonnenheit. Wir sollten den neuen Vorsitzenden keine unlösbaren Aufgaben im Hinblick auf die Groko-Verhandlungen mit auf den Weg geben", sagte SPD-Landeschef Sebastian Hartmann der Düsseldorfer "Rheinischen Post.

 

 Wichtige Inhalte klar definieren

 

Auch die parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion im Landtag, Sarah Philipp, plädierte dafür, nicht von vornherein Beton-Positionen einzunehmen: "Wir sollten die Groko nicht hopplahopp verlassen, sondern die Inhalte, die uns wichtig sind, klar definieren. Es gehört auch dazu, Kompromisse zu machen." Wenn es mit der Union aber keine Zukunftsperspektive mehr gebe, dann müsse man über die Konsequenzen reden. Sie gehe davon aus, dass die designierten Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken auf dem Bundesparteitag einen klaren Plan vorstellen und damit auch ihre Positionen zum Klimapaket, zur Verteilungsgerechtigkeit und zu Investitionen: "Die Leute auf der Straße fragen uns, warum die Schulen in so schlechtem Zustand sind, was aus ihren Renten wird und wie sie sich eine Wohnung in der Stadt leisten können. Das sind die Themen", so Philipp.

 

 NRW-Landesverband der SPD spielt wichtige Rolle

 

Walter-Borjans war Ende August als Kandidat des SPD-Landesvorstandes in das Rennen um den Parteivorsitz geschickt geworden. Landeschef Hartmann zeigte sich entsprechend zufrieden über den Sieg des Duos: "Unser NRW-Landesverband spielt damit eine so wichtige Rolle in der Partei wie lange nicht: Wir stellen den Fraktionschef im Bundestag, den Schatzmeister und jetzt auch noch einen der beiden Bundesvorsitzenden. Und alle sind Rheinländer", sagte der Landesvorsitzende.

 

 Bei Nachverhandlungen auf den Klimaschutz konzentrieren

 

Bei möglichen Nachverhandlungen mit der Union über den Koalitionsvertrag sollte sich die SPD nach Ansicht von Parteivize Ralf Stegner insbesondere auf den Klimaschutz konzentrieren. "Das Thema war schon da, hat sich aber deutlich zugespitzt, wenn man allein an die Rückschritte beim Ausbau der Windkraft denkt", sagte Stegner der "Saarbrücker Zeitung" (Dienstag-Ausgabe). "Hier muss sich noch was bewegen, sonst werden die Klimaziele verfehlt". 

 

Rote Linien für die Christdemokraten

 

Stegner räumte ein, dass die Union dann ebenfalls auf Nachforderungen bei ihren Themen drängen könnte, nannte dafür aber rote Linien: "Ideen der CDU-Chefin für eine außenpolitische Militarisierung, die zum Beispiel auf deutsche Bodentruppen im Nahen Osten hinauslaufen, wird es mit der SPD niemals geben", erklärte Stegner. Auch eine vollständige Abschaffung des Solidarzuschlags, die nur den Superreichen zugutekomme, sei mit der SPD nicht zu machen. pm, ots, mei

 

English version

 

Former SPD leader Franz Müntefering has warned future leaders Saskia Esken and Norbert Walter-Borjans not to end the grand coalition against the will of the Bundestag faction. "If one provokes the break, if one deliberately destroys the thing, then (...) one will get the receipt for it at the next election," Müntefering said in an interview with the Tagesspiegel. 

 

"Because that is quite clear: Who runs in a football play in the second half in the cubicle and says: We have now no more desire, we come next Sunday again, there we are again well on it, that is not cheered, but ausgepfiffen. The policy of the federal government and the SPD faction will not be decided by the SPD presidium. "We do not have a central committee, but a parliamentary group with elected deputies who are committed to their consciences," Müntefering stressed. Meanwhile, leading SPD politicians in North Rhine-Westphalia have warned against a hasty withdrawal from the grand coalition. "I advise prudence. We should not give the new chairmen any unsolvable tasks with regard to the Groko negotiations", SPD state leader Sebastian Hartmann told the Düsseldorf newspaper Rheinische Post.

 

 Clear definition of important content

 

Sarah Philipp, the parliamentary director of the SPD parliamentary group in the state parliament, also pleaded for not taking concrete positions from the outset: "We should not leave the Groko in a hurry, but clearly define the contents that are important to us. It's also about making compromises." But if there were no longer any future prospects for the Union, then we would have to talk about the consequences. She assumes that the designated chairmen Norbert Walter-Borjans and Saskia Esken will present a clear plan at the federal party conference and thus also present their positions on the climate package, distributive justice and investment: "People on the streets ask us why schools are in such bad shape, what will happen to their pensions and how they can afford a flat in the city. These are the issues," Philipp says.

 

 NRW state association of the SPD plays an important role

 

Walter-Borjans had been sent into the race for party chairmanship at the end of August as a candidate for the SPD state executive. Landeschef Hartmann expressed his satisfaction with the duo's victory: "Our NRW state association is playing such an important role in the party as it hasn't for a long time: We have the parliamentary party leader in the Bundestag, the treasurer and now also one of the two federal chairmen. And they are all Rhinelanders," said the state chairman.

 

 Concentrate on climate protection in renegotiations

 

In the opinion of party deputy Ralf Stegner, the SPD should concentrate in particular on climate protection in possible renegotiations of the coalition agreement with the CDU/CSU. "The topic was already there, but it has become more acute when one thinks only of the setbacks in the expansion of wind power," Stegner told the newspaper "Saarbrücker Zeitung" (Tuesday issue). "Something still has to move here, otherwise the climate targets will be missed. 

 

Red lines for the Christian Democrats

 

Stegner admitted that the CDU/CSU could then also press for additional demands on its issues, but he gave red lines: "The CDU leader's ideas for a militarization of foreign policy, which would, for example, amount to German ground troops in the Middle East, will never exist with the SPD," Stegner explained. Even a complete abolition of the solidarity surcharge, which would only benefit the super-rich, would not be possible with the SPD. pm, ots, mei

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