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Corona-Krise: Dem Schutz des Lebens nicht alles unterordnen

"Wenn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzu-treten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig", sagte Schäuble in einem Interview mit dem "Tagesspiegel". 

 

"Wenn es überhaupt einen absoluten Wert in unserem Grundgesetz gibt, dann ist das die Würde des Menschen. Die ist unantastbar. Aber sie schließt nicht aus, dass wir sterben müssen", betonte Schäuble. "Der Staat muss für alle die bestmögliche gesundheitliche Versorgung gewährleisten. Aber Menschen werden weiter auch an Corona sterben", sagte der CDU-Politiker. "Mit allen Vorbelastungen und bei meinem Alter bin ich Hochrisikogruppe. Meine Angst ist aber begrenzt. Wir sterben alle. Und ich finde, Jüngere haben eigentlich ein viel größeres Risiko als ich. Mein natürliches Lebensende ist nämlich ein bisschen näher." 

 

Die Stimmung in der Bevölkerung kann kippen

 

Schäuble warnte, bald könne ein Kipppunkt bei der Stimmung in der Bevölkerung erreicht sein. "Es wird schwieriger, je länger es dauert." Gesundheitsminister Jens Spahn habe recht, wenn er sage, alle hätten miteinander noch viel zu lernen und vielleicht werde man in einigen Wochen feststellen, dass wir manches besser anders gemacht hätten. "Wir alle wissen nicht, was unser Handeln für Aus-wirkungen hat, aber die Politik muss trotzdem handeln", sagte Schäuble. 

 

Das Zurücknehmen wird viel schwieriger

 

Der Weg zurück aus dem Stillstand sei der viel Schwierigere. "Man muss vorsichtig Schritt für Schritt vorgehen und bereit sein, zu lernen. Manche sagen, wenn's zu viel war, muss man Lockerungen wieder zurücknehmen." Das Zurücknehmen werde aber viel schwieriger. "Wir dürfen nicht allein den Virologen die Entscheidungen überlassen, sondern müssen auch die gewaltigen ökonomischen, sozialen, psychologischen und sonstigen Auswirkungen abwägen. Zwei Jahre lang einfach alles stillzulegen, auch das hätte fürchterliche Folgen." pm, ots

 

English version

 

In view of the restrictions on many basic Wolfgang Schäuble, President of the German parliament, has warned against subordinating everything else to the protection of life in the Corona crisis: "When I hear that everything else has to step back from the protection of life, then I have to say that this is not right in this absoluteness", said Schäuble in an interview with the "Tagesspiegel". 

 

"If there is an absolute value in our constitution, then it is the dignity of man. It is inviolable. But it does not exclude the possibility that we have to die," Schäuble stressed. "The state must guarantee the best possible health care for everyone. But people will continue to die of Corona," said the CDU politician. "With all the previous burdens and at my age I am a high-risk group. But my fear is limited. We all die. And I think younger people are actually at a much higher risk than me. My natural end is a little bit closer. 

 

The mood of the population can get out of hand

 

Schäuble warned that a tipping point in the mood of the population could soon be reached. "It will become more difficult the longer it takes." Health minister Jens Spahn was right when he said that everyone still had a lot to learn from each other and maybe in a few weeks we will find out that we did some things better differently. "We all do not know what effects our actions will have, but politicians must act nevertheless", said Schäuble. 

 

Taking back will be much more difficult

 

The way back from standstill is the much more difficult one. "One must proceed carefully, step by step, and be prepared to learn. Some say, if it was too much, you have to take it back." But it's much harder to take it back. "We must not leave the decisions to the virologists alone, but must also weigh up the enormous economic, social, psychological and other effects. To simply shut everything down for two years would have terrible consequences." pm, ots, mei

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