Covid-19: Indigene Völker in Lateinamerika sind vom Tod bedroht

"Vor allem für Völker, die keinen oder wenig Kontakt zur Außenwelt haben, ist die Gefahr, komplett vernichtet zu werden, reell", sagt Michael Kirchmair, Mitarbeiter der Hilfsorganisation in Ecuador. Die Betroffenen hätten kaum Abwehrkräfte gegen derartige Viren entwickelt. In der Vergangenheit habe es immer wieder Fälle gegeben, in denen ganze Volksgruppen Epidemien zum Opfer gefallen seien. 

 

Zu den in Ecuador besonders gefährdeten Völkern gehörten die Siekopai, die im Amazonas in der Nähe von Erdölförderstellen leben. Zwei ältere Stammesführer seien vermutlich durch das Virus gestorben, 14 weitere Mitglieder positiv getestet worden. "Es gibt heute nur noch etwa 700 Siekopai. Sie leben weit entfernt von Kliniken und Krankenhäusern. Da es kaum Informationen in ihrer Sprache gibt, wurden sie von dem Virus überrascht und konnten keine Vorsichtsmaßnahmen ergreifen", sagt Kirchmair. Auch die Kichwa, deren Mitglieder unter anderem in entlegenen Bergtälern leben, seien bedroht. "Wenn Erkrankte es nicht rechtzeitig schaffen, zu einem Gesundheitszentrum zu kommen, kann das für ganze Kommunen zur Gefahr werden." 

 

Konzepte der Regierung sind unzureichend

 

Die Konzepte der Regierungen seien unzureichend, um die Ureinwohner zu schützen, weshalb zahlreiche indigene Völker in Ecuador, Brasilien oder Peru in einem länderübergreifenden Beschluss entschieden hätten, sich selbst zu isolieren und ihre Gebiete für Fremde zu schließen. Der Fall der Siekopai zeige, dass keine Zeit zu verlieren sei. "Wir müssen jetzt alle Maßnahmen zum Schutz der Indigenen Völker ergreifen - bevor es zu spät ist!", sagt Kirchmair.  pm, ots

 

Bildrechte: SOS-Kinderdörfer weltweit Fotograf: Alejandra Kaiser

 

English version

 

According to the aid organisation SOS Children's Villages, the indigenous peoples of Latin America are massively threatened by COVID-19. "Especially for peoples who have little or no contact with the outside world, the danger of being completely destroyed is real," says Michael Kirchmair, an employee of the aid organisation in Ecuador. Those affected would hardly have developed any defences against such viruses. In the past there have been repeated cases in which entire ethnic groups have fallen victim to epidemics. 

 

The Siekopai, who live in the Amazon near oil production sites, are among the most endangered peoples in Ecuador. Two elderly tribal leaders are believed to have died from the virus, and 14 other members have tested positive. "Today, there are only about 700 Siekopai left. They live far from clinics and hospitals. Since there is hardly any information in their language, they were taken by surprise by the virus and could not take precautions," Kirchmair says. The Kichwa, whose members live in remote mountain valleys, among other places, are also threatened. "If sick people do not manage to get to a health centre in time, it can become a danger for entire communities." 

 

Government policies are inadequate

 

Governments' approaches are insufficient to protect indigenous peoples, and many indigenous peoples in Ecuador, Brazil and Peru have decided in a transnational decision to isolate themselves and close their territories to foreigners. The Siekopai case shows that there is no time to lose. "We must take all the measures we can to protect indigenous peoples now - before it is too late," says Kirchmair. pm, ots, mei

 

Image rights: SOS Children's Villages worldwide Photographer: Alejandra Kaiser