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Bundesliga-Schiedsrichter Ittrich: Applaus der Zuschauer nach guten Entscheidungen wäre schön

"Beim Fußball gibt es klare Regeln mit festgelegten Konsequenzen. Ich weiß, dass ich manchmal schwierige Entscheidungen von großer Tragweite treffen muss. Aber zu Hause ist so viel Emotionalität im Spiel, da überlege ich viel öfter, wie ich reagiere", sagte der 41-Jährige in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung."

 

"Leider brauchen Kinder Konsequenz und Regeln. Das ärgert mich total. Zu Hause wäre ich gerne weniger der Schiedsrichter und würde Dinge einfach mal so laufen lassen", sagte Ittrich. Deshalb gibt der Referee auch zu, dass die Schiedsrichterei am Wochenende manchmal ein bisschen wie Urlaub sei. "Ich liebe meine Familie, meine Frau und meine vier Töchter und bin unendlich dankbar, dass ich sie habe. Aber manchmal freue ich mich über meine kleinen Auszeiten." 

 

Schiedsrichter vermisst die Zuschauer

 

Ittrich, der gerade sein Buch "Die richtige Entscheidung" veröffentlicht hat, vermisst bei den Geisterspielen während Corona die Zuschauer - auch wenn die ihn und seine Kollegen hin und wieder auspfeifen. "Pfiffe nerven mich nicht. Die kann ich ausblenden. Als Meinungsäußerung finde ich sie sogar legitim - selbst wenn sie oft nur dem Druckabbau des Pfeifers dienen", sagt der 41-Jährige. Manchmal würde er sich ab und an auch mal über Applaus nach guten Entscheidungen freuen: "Jeder Mensch freut sich über eine Umarmung. Ganz selten kommt es mal vor, dass du Applaus bekommst. Wenn so eine ganze Kurve dann für dich klatscht: Das geht runter wie Öl", sagte der Hamburger und betonte: "Wir Schiedsrichter sind nicht dafür da, von allen gemocht zu werden, und wir sind auch nicht die Hauptprotagonisten auf dem Rasen, das sind die Spieler. Aber wir tun auch einiges dafür, dass das Spiel gut ist." 

 

Keinen Kontakt mehr mit Babak Rafati

 

Ittrich war 2011 Teil des Schiedsrichterteams, das seinen Kollegen Babak Rafati nach seinem Suizidversuch im Hotelzimmer gefunden hatte. Seitdem gebe es keinen Kontakt mehr zwischen Rafati und ihm. Ittrich: "Meine Tür und mein Telefon sind immer da für ihn. Ich akzeptiere, dass er das nicht möchte, finde es aber bis heute auch etwas schade. Ich hätte ihn gerne in den Arm genommen, mit ihm etwas getrunken, gegessen und darüber geredet. Mir hätte es vielleicht sogar gereicht, wenn er gesagt hätte, das geht nicht. So wird mir dieses Puzzlestück immer fehlen, aber ich habe gelernt, damit umzugehen." pm, ots

 

English version

 

As a father of four daughters, football referee Patrick Ittrich does not always find it easy to make the right decisions in his private life: "In football, there are clear rules with defined consequences. I know that sometimes I have to make difficult decisions of great consequence. But at home there is so much emotion in the game that I think about how to react more often," said the 41-year-old in an interview with the "Neue Osnabrücker Zeitung".

 

"Unfortunately children need consistency and rules. That really annoys me. At home, I would like to be less of a referee and let things run their course," said Ittrich. That's why the referee also admits that refereeing on weekends is sometimes a bit like a holiday. "I love my family, my wife and my four daughters and I am infinitely grateful that I have them. But sometimes I'm happy about my little time off." 

 

Referee misses the crowd

 

Ittrich, who has just published his book "The Right Decision", misses the audience during the ghost games during Corona - even if they whistle at him and his colleagues every now and then. "Whistling doesn't bother me. I can block them out. As an expression of opinion, I even find them legitimate - even if they often only serve to relieve the whistler's pressure," says the 41-year-old. Sometimes he would be pleased to hear applause after good decisions: "Everyone is happy to get a hug. It is very rare that you get a round of applause. When such a whole curve claps for you: It goes down like oil," said the Hamburg native and emphasised: "We referees are not there to be liked by everyone, and we are not the main protagonists on the pitch, it's the players. But we also do a lot to ensure that the game is good." 

 

No more contact with Babak Rafati

 

In 2011 Ittrich was part of the referee team that found his colleague Babak Rafati in a hotel room after his suicide attempt. Since then, there has been no contact between Rafati and him. Ittrich: "My door and my telephone are always there for him. I accept that he doesn't want that, but I think it's a bit of a pity to this day. I would have liked to take him in my arms, have a drink with him, eat and talk about it. Maybe it would have been enough for me if he had said that it was not possible. So I'll always miss this piece of the puzzle, but I've learned how to use it."

pm, ots, mei

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