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Treuhand-Deals: Bei der Privatisierung ostdeutscher Unternehmen wurden westdeutsche Investoren bevorzugt

Gleichzeitig übergab sie diese Unternehmen mit höherer Wahrscheinlichkeit an westdeutsche Investoren. „Gerade produktive DDR-Firmen blieben seltener in ostdeutschem Eigentum“, schreiben ifo-Forscher Lukas Mergele, Moritz Hennicke (Freie Universität Brüssel) und Moritz Lubczyk (ZEW) in einer Studie, die sie jetzt im ifo Schnelldienst veröffentlichten.

 

„Nach Abschluss der Haupttätigkeit der Treuhand 1995 fanden sich rund 51 Prozent der Firmen, 64 Prozent der Umsätze und 68 Prozent der Arbeitsplätze aus den in der Stichprobe analysierten DDR-Staatsunternehmen in mehrheitlich westdeutscher Hand“, fassen Mergele und Lubczyk zusammen. Je produktiver die Unternehmen, desto höher der Anteil von Westdeutschen unter den Eignern. 

 

Besserer Zugang zu Finanzkapital

 

Die Forscher erklären dieses Ergebnis so: „Westdeutsche Investoren verfügten zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung über einen besseren Zugang zu Finanzkapital. Sie waren erfahrener in der Führung marktwirtschaftlich orientierter Unternehmen. Darüber hinaus waren sie im Verhältnis zu Investoren aus dem Osten Deutschlands wahrscheinlich auch wirtschaftlich und politisch besser vernetzt. Bei den von der Treuhand gesetzten Kriterien waren westdeutsche Investoren also als zukünftige Unternehmenseigentümer möglicherweise besser geeignet. Aber es bleibt die Umverteilung von Firmenbesitz von Ost nach West festzuhalten.“

 

Es gab Schließungen von produktiven Firmen

 

Zu den Vorwürfen, die Treuhand habe produktive Unternehmen abgewickelt, schreiben die Forscher: „Es gab durchaus Schließungen von produktiven Firmen. Jedoch zeigen unsere Ergebnisse, dass produktivere Unternehmen seltener geschlossen wurden.“ Unter den am wenigsten produktiven Firmen hat die Treuhand weniger als 40 Prozent privatisiert. Unter den produktivsten stieg dieser Anteil auf über 70 Prozent.

Die Treuhand erreichte durchschnittlich für produktivere Unternehmen auch höhere Beschäftigungs- und Investitionszusagen, schreiben die Forscher weiter. Auf Grundlage der verfügbaren Daten lasse sich allerdings nicht ermitteln, dass die Treuhand in den Verhandlungen mit potenziellen Investoren das für die öffentliche Hand bestmögliche Ergebnis erzielt habe.

 

Aufsatz: „Die Treuhandanstalt: eine empirische Bestandsaufnahme 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung“ von Moritz Hennicke (Université Libre de Bruxelles & Université de Cergy-Pontoise), Moritz Lubczyk (ZEW Mannheim & Universität Zürich) und Lukas Mergele (ifo Institut & Universität München); in: ifo Schnelldienst 9/ 2020;

https://www.ifo.de/publikationen/ifo-schnelldienst

 

English version

 

When East German companies were privatized after 1990, the Treuhand sold more productive firms more frequently and more quickly, and received more money in return. At the same time, it was more likely to hand these companies over to West German investors. "Productive GDR companies in particular were less likely to remain in East German ownership," write ifo researchers Lukas Mergele, Moritz Hennicke (Free University of Brussels) and Moritz Lubczyk (ZEW) in a study they have now published in the ifo Schnelldienst.

 

"After Treuhand's main activity was completed in 1995, around 51 percent of the companies, 64 percent of the turnover and 68 percent of the jobs from the GDR state-owned companies analyzed in the sample were in the majority West German hands," Mergele and Lubczyk summarize. The more productive the companies, the higher the proportion of West Germans among the owners. 

 

Better access to financial capital

 

The researchers explain this result as follows: "West German investors had better access to financial capital at the time of reunification. They were more experienced in managing market-oriented companies. In addition, they were probably also economically and politically better networked in relation to investors from eastern Germany. In terms of the criteria set by the Treuhand, West German investors were thus possibly better suited as future company owners. But the redistribution of company ownership from East to West remains to be noted".

 

There were closures of productive firms

 

Regarding the accusations that the Treuhand had handled productive companies, the researchers write: "There were certainly closures of productive companies. However, our results show that more productive companies were closed less frequently". Among the least productive firms, the Treuhand privatized less than 40 percent. Among the most productive, this share rose to over 70 percent.

On average, the Treuhand also achieved higher employment and investment commitments for more productive companies, the researchers continue. On the basis of the available data, however, it cannot be determined that the Treuhand achieved the best possible result for the public sector in negotiations with potential investors.

 

Essay: "The Treuhandanstalt: an empirical stocktaking 30 years after German reunification" by Moritz Hennicke (Université Libre de Bruxelles & Université de Cergy-Pontoise), Moritz Lubczyk (ZEW Mannheim & University of Zurich) and Lukas Mergele (ifo Institute & University of Munich); in: ifo Schnelldienst 9/ 2020

https://www.ifo.de/publikationen/ifo-schnelldienst

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