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Wirtschaftsexperte: Die Politik macht den zweiten Lockdown in Deutschland teurer, als er sein müsste

"Das macht den Lockdown teurer, als er sein müsste", sagt der Chef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) im Interview mit dem Tagesspiegel. "Deutschland ist ein großes Land. Wir haben die Vorteile des Föderalismus, nutzen sie in dieser Situation aber nicht", sagt er. "Da ist es nicht nachvollziehbar, dass man Kommunen mit sehr unterschiedlichen Infektionszahlen gleichbehandelt."

 

Auch wünscht er sich mehr Erklärungen von der Politik: "Warum zum Beispiel dürfen Friseurläden weiter geöffnet bleiben, Fitnessstudios aber müssen schließen?" Auch das sei nicht nachvollziehbar. Grundsätzlich aber hat Felbermayr Verständnis für einen Lockdown: "Es muss die Einsicht da sein, dass wir in einer gefährlichen Situation sind. Und das erreichen Sie mit einem Lockdown."

 

Erstattung für Umsatzeinbußen ist richtig

 

Dass Unternehmer nun 75 Prozent ihrer Umsatzeinbußen erstattet bekommen, hält der Ökonom für richtig. Das sei eine bessere Lösung als die Hilfen, die der Staat im März gezahlt hat. "Damals sind vor allem die Fixkosten wie die Miete oder Leasingraten ersetzt worden", sagt Felbermayr. "Jetzt hingegen haben Sie zu einem gewissen Grad auch den Unternehmerlohn mit drin." Schließlich müssten auch Geschäftsführer von etwas leben. Allerdings kritisiert er: "Eine solche Lösung hätte es schon sehr viel früher geben müssen."

 

Biden hat ausgewogenes Programm

 

Bei der anstehenden Präsidentschaftswahl in den USA hofft Felbermayr auf einen Sieg von Joe Biden. "Aus europäischer Sicht spricht natürlich sehr viel für Biden, schlichtweg, weil man mit ihm reden kann", sagt er. Zumal Biden ein ausgewogenes Programm habe. "Er will zwar vor allem für die Reicheren die Steuern erhöhen, wir gehen aber nicht davon aus, dass das die Wirtschaft allzu stark belasten würde." Außerdem überschnitten sich seine Ziele zum Teil mit denen der EU. "So strebt Biden ebenso wie die EU eine Nettonull bei den Emissionen bis 2050 an", sag Felbermayr. "Da gibt es sicherlich Möglichkeiten zur Kooperation." pm, ots

 

English version

 

According to economist Gabriel Felbermayr, the decision to impose the lockdown nationwide has side effects. "This makes the lockdown more expensive than it should be," says the head of the Institute for World Economics (IfW) in an interview with the Tagesspiegel. "Germany is a big country. We have the advantages of federalism, but we don't use them in this situation," he says. "It is not understandable that communities with very different infection rates are treated equally.

 

He would also like to see more explanations from politicians: "Why, for example, are barbershops allowed to stay open, but gyms have to close? This is also incomprehensible. In principle, however, Felbermayr understands the need for a lockdown: "There has to be the insight that we are in a dangerous situation. And you can achieve this with a lockdown.

 

Reimbursement for loss of sales is correct

 

The economist considers it right that entrepreneurs are now reimbursed for 75 percent of their lost sales. This is a better solution than the aid paid by the state in March. "Back then, it was mainly the fixed costs such as rent or leasing installments that were replaced," says Felbermayr. "Now, on the other hand, to a certain extent, you also have the entrepreneur's salary included. After all, managing directors would also have to live on something. However, he criticizes: "Such a solution should have existed much earlier.

 

Biden has a balanced program

 

In the upcoming presidential election in the USA, Felbermayr hopes for a victory for Joe Biden. "From a European point of view, of course, there is a lot in favor of Biden, simply because you can talk to him," he says. Especially since Biden has a balanced program. "He wants to increase taxes, especially for the richer ones, but we don't assume that this would put too much of a strain on the economy. In addition, his goals overlapped in part with those of the EU. "So Biden, like the EU, is aiming for a net zero emissions by 2050," says Felbermayr. "There are certainly opportunities for cooperation there." pm, ots, mei

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