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Verfassungsexperte: Novelle des Infektionsschutzgesetzes ist mit heißer Nadel gestrickt - Nicht konform mit dem Grundgesetz

Mangels inhaltlicher Klarheit werde der Gesetzentwurf, mit dem die große Koalition die Corona-Schutzmaßnahmen rechtssicher machen will, dem vom Grundgesetz geforderten Bestimmtheitsgebot nicht gerecht, schreibt Bertrams in einem Beitrag für den "Kölner Stadt-Anzeiger" .

 

Der Entwurf sei "mit heißer Nadel gestrickt" und müsse mit Blick auf den "vermutlich in die Verlängerung gehenden November-Lockdown" schnell und gründlich nachgebessert werden. Andernfalls dürften die Regelungen vor Gericht kaum Bestand haben, warnt Bertrams.Zwar nehme der Entwurf, über den der Bundestag am 6. November in erster Lesung beraten hatte, für sich in Anspruch, alle "wesentlichen Entscheidungen" zu regeln, mit denen der Bund oder die Länder Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie per Rechtsverordnung in Kraft setzen können.

 

Vieles bleibt im Unklarem

 

"Davon kann jedoch keine Rede sein", schreibt Bertrams. So lasse sich der bloßen Auflistung typischer Corona-Schutzmaßnahmen im Gesetz ohne jede Abwägung mit den betroffenen Freiheitsrechten nicht entnehmen, welche Vorschriften und Verbote unter welchen Voraussetzungen zur Anwendung kommen sollen. Offen bleibe auch, welche Maßnahmen in einer kritischen Infektionslage mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner geeignet, notwendig und verhältnismäßig sind. Beispielsweise werde nicht klar, "warum ausgerechnet die Schließung von Restaurants einer besonderen Infektionslage Rechnung tragen soll", so Bertrams.

pm, ots

 

English version

 

The former President of the Constitutional Court of North Rhine-Westphalia, Michael Bertrams, considers the planned amendment of the Infection Protection Act to be incompatible with the Basic Law. In an article for the "Kölner Stadt-Anzeiger" newspaper, Bertrams writes that the draft bill, with which the grand coalition wants to make the corona protection measures legally secure, does not do justice to the requirement of certainty demanded by the Basic Law.

 

The draft is "knitted with a hot needle" and must be quickly and thoroughly improved in view of the "presumably extended November lockdown". The draft, which the Bundestag debated on November 6 in its first reading, claims to regulate all "essential decisions" with which the federal government or the states can implement measures to contain the pandemic by means of a statutory order.

 

Much remains unclear

 

"However, there can be no question of this," writes Bertrams. For example, the mere listing of typical corona protection measures in the law, without any consideration of the rights of freedom concerned, does not indicate which regulations and prohibitions should be applied under which conditions. It also remains open which measures are suitable, necessary and proportionate in a critical infection situation with a seven-day incidence of more than 50 new infections per 100,000 inhabitants. For example, it is not clear "why of all things the closure of restaurants should take account of a particular infection situation", said Bertrams. pm, ots, mei

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