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Warum das Erzbistum die Webseite der Katholischen Hochschulgemeinde Köln abschaltete

Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet, hat ein Abteilungsleiter des Generalvikariats kommissarisch die Gemeindeleitung übernommen. Dem Pastoralteam der KHG drohten arbeitsrechtliche Konsequenzen.

 

Das gesamte Semesterprogramm der KHG ist zurzeit nur noch über einen Solidaritätslink der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Köln zugänglich. Auslöser der spektakulären Strafaktion ist laut Zeitungsbericht ein Positionspapier des KHG-Teams aus dem vorigen Jahr. Es lobt unter anderem die Vielfalt sexueller Beziehungen und beklagt eine immer größer werdende Kluft zwischen der Kirche und der Lebenswirklichkeit junger Menschen.

 

Rückständiges Auftreten von kirchlichen Amtsträgern

 

Als "unerträglich" kritisiert das Papier ein "rückständiges und vermeidendes" Auftreten, mit dem führende kirchliche Amtsträger "immer wieder Menschen verletzen". Namentlich sind Papst Franziskus und der zurückgetretene Papst Benedikt XVI. genannt, indirekt aber auch der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Woelki. "Um authentisch und transparent zu bleiben", stellt das KHG-Team die eigene Position in dem Papier klar. In 15 kurzen Punkten fordert es unter anderem die Zulassung der Frauen zu den Weiheämtern, die Anerkennung homosexueller Beziehungen, die Aufdeckung von sexuellem und geistlichem Missbrauch mit fristloser Entlassung erwiesener Täter sowie dem Rücktritt von Verantwortlichen, die Täter gedeckt und geschützt haben.

 

Verbreitung des Papiers untersagt

 

Die Leiterin der Hauptabteilung Schule/Hochschule, Bernadette Schwarz-Boenneke, untersagte per Dienstanweisung die Verbreitung des Papiers in den Publikationen der KHG und drohte bei Zuwiderhandlung arbeitsrechtliche Schritte an, wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" weiter berichtet. Doch das Team widersetzte sich. Das Positionspapier blieb online, im Programm des vorigen Sommersemesters gab es einen QR-Code als Zugang zu dem umstrittenen Text. Im aktuellen Programm stehen der Hinweis auf das Verbot und eine Protestnote. Am 12. November schaltete das Erzbistum den KHG-Internetauftritt ab. "Diese Webseite ist vorübergehend nicht erreichbar. Wir bitten dies zu entschuldigen", heißt es auf der Homepage. Als Zeichen der Solidarität mit dem Team der KHG hat die ESG auf ihrer Startseite im Internet das Papier veröffentlicht, das "den Widerstand der katholischen Amtskirche erzeugt". pm, ots

 

English version

 

Due to continued criticism of Catholic sexual morals and the Church's teaching authority, the Archdiocese of Cologne has shut down the website of the Katholische Hochschulgemeinde Köln (KHG). As reported in the "Kölner Stadt-Anzeiger", a department head of the General Vicariate has provisionally taken over the congregational leadership. The pastoral team of the KHG was threatened with consequences under labour law.

 

The entire semester programme of the KHG is currently only accessible via a solidarity link of the Evangelische Studierendengemeinde (ESG) Köln. According to a newspaper report, the spectacular punitive action was triggered by a position paper of the KHG team from last year. Among other things, it praises the diversity of sexual relationships and laments an ever-widening gap between the church and the reality of life for young people.

 

Backward appearance of church officials

 

The paper criticises as "intolerable" a "backward and avoidant" attitude by which leading church officials "repeatedly injure people". Pope Francis and the resigned Pope Benedict XVI are mentioned by name, but indirectly also the Archbishop of Cologne, Cardinal Rainer Woelki. "To remain authentic and transparent", the KHG team clarifies its own position in the paper. In 15 short points it demands, among other things, the admission of women to ordained ministries, the recognition of homosexual relationships, the exposure of sexual and spiritual abuse with immediate dismissal of proven perpetrators as well as the resignation of those responsible who have covered and protected perpetrators.

 

Prohibition of distribution of the paper

 

Bernadette Schwarz-Boenneke, head of the main school/university department, prohibited the distribution of the paper in the KHG publications by official order and threatened to take action under labour law in case of infringement, as the "Kölner Stadt-Anzeiger" further reports. But the team resisted. The position paper remained online, in last summer semester's programme there was a QR code as access to the controversial text. In the current programme there is a reference to the ban and a protest note. On November 12th the archbishopric switched off the KHG internet presence. "This website is temporarily unavailable. We apologise for this", the homepage says. As a sign of solidarity with the KHG team, the ESG published on its homepage on the Internet the paper that "generates resistance from the Catholic official church". pm, ots, mei

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