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Hollywood-Star Jürgen Prochnow: Ich habe mich über Deutschland erschreckt

"Ich habe hier eine andere Gesellschaft vorgefunden als die, die ich kannte und zurückgelassen habe", sagte Prochnow im Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ).

 

Als besonders irritierend habe er es empfunden, "dass hier Parallelgesellschaften entstanden sind, die ihre eigenen Richter haben und gar nicht nach unserem Grundgesetz leben wollen, sondern nach ihren eigenen Gesetzen. Dass so etwas möglich geworden ist, ist mir unerklärlich." Der 79-Jährige fügte hinzu: "Mich erschrecken aber auch der Rechtsextremismus und die Tatsache, dass eine Partei wie die AfD so viele Stimmen bekommen kann. Als jemand, der zur Nazizeit und im Krieg geboren wurde, hatte ich gedacht, dass es vorbei ist und nie wiederkommen würde. Dass dieses Gedankengut immer noch da ist, finde ich zutiefst erschreckend." 

 

Veränderungen zum Positiven festgestellt

 

Er habe aber auch Veränderungen zum Positiven festgestellt - wie die Bewegung "Fridays for Future": "Dass die jungen Leute für die Umwelt eintreten und verhindern wollen, dass die Erde völlig verwüstet wird, auf der sie ja noch viel länger leben als meine Generation, finde ich angebracht und wirklich ganz toll", sagte Prochnow. 

 

Stein vom Herzen gefallen

 

Prochnow, der seit 2003 auch US-amerikanischer Staatsbürger ist, hatte "auf den letzten Drücker" an der Präsidentschaftswahl im November teilgenommen: "Wir waren lange Zeit im Herbst nicht in Berlin, ich hatte zwar die Wahlunterlagen angefordert, aber bei unserer Rückkehr festgestellt, dass sie nicht gekommen sind. Eine Bekannte aus der Nachbarschaft, die bei der Botschaft arbeitet, hat mir dann geholfen, die Wahlunterlagen übers Internet runterzuladen. So konnte ich meine Stimme noch rechtzeitig nach Kalifornien faxen." Mit der Wahlniederlage von Donald Trump fiel dem Schauspieler ein Stein vom Herzen: "Ich freue mich natürlich wahnsinnig, dass dieser furchtbare Mensch abgewählt worden ist und wir hoffentlich wieder besseren Zeiten entgegensehen können." 

 

Großes Fest zum 80. Geburtstag geplant

 

Seinem 80. Geburtstag im kommenden Juni sieht der Schauspieler hingegen mit einiger Skepsis entgegen: "Ich habe mich damit abgefunden, was soll ich auch sonst machen? Meine Frau plant ein großes Fest, aber im Moment ist mir überhaupt nicht danach. Diese Corona-Epidemie ist doch furchtbar, niemand weiß, wie es im Juni aussehen wird. Man mag sich gar nicht festlegen, keine Leute einladen, weil man ja überhaupt nicht weiß, ob es überhaupt stattfinden kann und wie viele Leute man einladen darf. In diesem Jahr ist meine Schwägerin gestorben, und mein Bruder wusste lange nicht, wer von den Freunden und Verwandten Abschied nehmen darf. Das ist doch furchtbar." 

 

Dem Alter Tribut gezollt

 

Körperlich habe er dem Alter durchaus Tribut zollen müssen, räumte Prochnow ein: "Ich habe Probleme mit den Knien, eine Meniskusgeschichte. Deshalb kann ich auch kein Tennis mehr spielen, nicht mehr joggen oder rollerbladen. Dafür kann ich schwimmen und gehe sehr viel mit dem Hund raus." pm, ots

 

English version

 

Hollywood actor Jürgen Prochnow (79) got a fright when he returned to Germany three years ago: "I found a different society here than the one I knew and left behind," Prochnow told the "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) in an interview.

 

He found it particularly irritating "that parallel societies have emerged here, which have their own judges and do not want to live according to our constitution, but according to their own laws. That such a thing has become possible is inexplicable to me. The 79-year-old added: "But I am also frightened by right-wing extremism and the fact that a party like the AfD can get so many votes. As someone who was born during the Nazi era and the war, I thought it was over and would never come back. That this thought is still there, I find deeply frightening. 

 

Changes noted for the better

 

But he also noticed changes for the better - such as the "Fridays for Future" movement: "The fact that young people want to stand up for the environment and prevent the earth from being completely devastated, on which they will live much longer than my generation, is something I find appropriate and really quite great," said Prochnow. 

 

Stone off my heart

 

Prochnow, who has also been a US citizen since 2003, took part in the November presidential election "at the last minute": "We weren't in Berlin for a long time in autumn. I had requested the election documents, but when we returned I found that they had not come. An acquaintance from the neighbourhood who works at the embassy then helped me to download the election documents from the Internet. That way I was able to fax my vote to California in time. Donald Trump's defeat in the election was a load off the actor's mind: "I am of course delighted that this terrible person was voted out of office and that we can hopefully look forward to better times again. 

 

Big party planned for the 80th birthday

 

On the other hand, the actor looks forward to his 80th birthday next June with some scepticism: "I've come to terms with it, what else can I do? My wife is planning a big party, but at the moment I don't feel like it at all. This Corona epidemic is terrible, nobody knows what June will be like. You don't want to commit yourself, you don't want to invite people, because you don't know if it can take place at all and how many people you can invite. My sister-in-law died this year, and my brother didn't know for a long time who would be allowed to say goodbye to his friends and relatives. That is terrible." 

 

Paying tribute to age

 

Physically, he certainly had to pay tribute to age, Prochnow admitted: "I have problems with my knees, a meniscus history. That's why I can no longer play tennis, jog or rollerblade. Instead I can swim and go out with the dog a lot".

pm, ots, mei

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