· 

Breitscheidplatz-Anschlag: Scharfe Kritik an dem Umgang mit Opfern und Hinterbliebenen - Offener Brief an Angela Merkel

In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) beklagt er eine zweite Traumatisierung der Verletzten und Hinterbliebenen durch Ämter und Institutionen des Gesundheitswesens.

 

Rothe betreut knapp ein Dutzend Opfer des Terroranschlags. In dem Brief, der dem rbb vorliegt, spricht der Psychotherapeut von "fatalen" und "unmenschlichen Umgangsformen" mit den Opfern durch gesundheitliche Gutachter und behördliche Beratungsärzte. "Mit großer Betroffenheit, Schmerz und Trauer muss ich miterleben," so Rothe, "wie der Terror für die Geschädigten am Körper und ihrer Seele weitergeht ... Sie erfahren von den Ämtern und Institutionen keine wirkliche Hilfe oder Solidarität, sondern werden noch zusätzlich gedemütigt, entwürdigt und verletzt." 

 

Ersthelfer sind traumatisiert

 

Traumatisierte Ersthelfer würden bei medizinischen Untersuchungen im Auftrag der Behörden regelrecht verhört, bis zum seelischen Zusammenbruch und der Aufgabe von Ansprüchen. Der erfahrene Therapeut Rothe richtet in seinem Schreiben einen dringlichen Appell an die beteiligten Behörden und Politiker, den Opfern zukünftig mehr Verständnis, Empathie und Solidarität entgegenzubringen. 

In einer Studie hat Rothe 21 Opfer der islamistischen Terroranschläge von Berlin und Nizza (18 Berlin, 3 Nizza) befragt.

 

Zwei Drittel haben sich anwaltliche Hilfe geholt

 

Demnach haben sich zwei Drittel der Befragten anwaltliche Hilfe geholt, um ihre Ansprüche durchsetzen zu können. Viele befinden sich laut Rothe bereits im Klageverfahren. Die Mehrheit der Befragten beklagt sich über eine schwierige Kommunikation und viel zu lange Bearbeitungszeiten der Ämter. Viele Terroropfer fühlten sich von den Behörden mit immer neuen Formularen und Fragebögen hingehalten und im Stich gelassen. pm, ots

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Uwe Werner (Sonntag, 20 Dezember 2020 18:39)

    Das scheint eine gängige Praxis in Deutschland zu sein.
    Schon seit Jahren machen und haben Missbrauchsopfer und ehemalige Heimkinder die selbe Erfahrungen machen müssen.
    Appelle haben nicht gereicht und wenn ja, mit neuen bürokratischen Schikanen überschüttet.
    Schande über Deutschland, was den Umgang mit Opfern, Wehrlosen u. Hilfesuchende .... angeht.

  • #2

    Herbert zoch (Montag, 21 Dezember 2020 19:12)

    Leider ist das so selbst der Paragraf 1in Grundgesetz wird nicht beachtet an uns ehemaliger Heimkinder die würde des Menschen ist unantastbar