· 

Die Pandemie-Saison: Europäische Fußballklubs erwirtschaften Umsatz von 8,2 Milliarden Euro - Vier Bundesligavereine in den Top-20

Das daraus resultierende Ranking der 20 finanzstärksten Clubs im internationalen Spitzenfußball ist entsprechend vor dem Hintergrund der globalen Covid-19-Pandemie und ihren Auswirkungen auf das gesamte öffentliche Leben - und damit auch den Sport -zu betrachten.

 

„Gewöhnlich endet das Geschäftsjahr für die Clubs mit dem Saisonabschluss ihrer jeweiligen Ligen im Mai oder Juni“, sagt Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte. „In der Saison 2019/20 brachte die Pandemie ab März die gewohnten Abläufe durcheinander. Die internationalen Ligen haben dabei unterschiedliche Strategien verfolgt. Während beispielsweise die französische Ligue 1 die Saison ganz abgebrochen hat, haben andere Ligen Spiele und damit das Saisonende nach hinten verschoben. Dadurch rutschen in einigen Fällen auch Umsätze ins aktuell laufende Geschäftsjahr und werden somit erst in die nächste Ausgabe der Football Money League einfließen. Dieser Umstand trägt auch zu einer schwierigeren Vergleichbarkeit der finanziellen Performance der einzelnen Clubs bei als sonst üblich.“

 

8,2 Milliarden Euro Umsatz generiert

 

In der Saison 2019/20 haben die 20 wirtschaftlich erfolgreichsten Clubs des internationalen Profifußballs insgesamt 8,2 Milliarden Euro (ohne Transfererlöse) an Umsätzen erwirtschaftet, 12 Prozent weniger als im Vorjahr. „Das ist trotz allem der dritthöchste Gesamtumsatz in 24 Jahren Football Money League“, sagt Kim Lachmann, Senior Manager der Sport Business Gruppe bei Deloitte. „Spannend ist in dieser Ausnahmesaison auch die Entwicklung durch die pandemie-bedingten Mindereinnahmen bei den Medienrechten und den Spieltagen.

 

Strategische Ziele und Business Modelle stärken

 

Für viele Clubs ist das ein Anstoß, ihre strategischen Ziele und Business Modelle zu schärfen. Hier spielen aktuell natürlich die digitalen Voraussetzungen eine entscheidende Rolle. Die agilsten und innovativsten Clubs können ihren Fans und weiteren Stakeholdern einen höheren Mehrwert liefern und besitzen somit die besten Voraussetzungen für eine schnelle Erholung nach der Krise.“

 

Größte Einbußen bei den Medienrechten

 

Am deutlichsten waren die Einbußen bei den Erlösen durch Medienrechte (-23 Prozent). Hintergrund ist die Kombination aus verschobenen Erlösen, die sich erst im kommenden Jahr niederschlagen werden, und Rabatten an Medienunternehmen für ausgefallene Spiele. Da ab März 2020 zahlreiche Begegnungen ohne Publikum stattfanden oder ganz abgesagt wurden, waren auch die Spieltagerlöse mit einem Rückgang von 17 Prozent stark betroffen.

 

So knapp wie noch nie: Barca verteidigt Platz 1 vor Real

 

Trotz der in diesem Jahr doch sehr unterschiedlichen Bedingungen für die Clubs gab es in den Top 10 der DFML keine Neuzugänge. Platz 1 konnte der FC Barcelona mit einem Gesamtumsatz von 715,1 Millionen Euro ganz knapp vor dem La-Liga-Konkurrenten Real Madrid mit 714,9 Millionen Euro verteidigen. Mit einem Minus von 125,7 Millionen Euro im Vergleich zur Vorsaison, in der Barca als erster DFML-Club die 800-Millionen-Euro-Grenze durchbrach, mussten die Katalanen absolut betrachtet den zweitgrößten Verlust aller Top-20-Clubs der DFML hinnehmen.

 

So haben die Bundesliga-Clubs abgeschnitten

  • Der FC Bayern München konnte sich auf den 3. Platz vorkämpfen. Mit einem Gesamtumsatz von 634,1 Millionen Euro in der Saison 2019/20 hat zwar auch der Triple-Gewinner leichte Einbußen zu verzeichnen, das Minus fällt mit 4 Prozent allerdings sehr moderat aus. Wie alle Bundesliga-Clubs profitierten die Bayern vom nur geringfügig späteren Saisonende der deutschen Topliga. Doch die starke wirtschaftliche Performance der Münchner liegt auch an ihrer Stärke im Bereich der kommerziellen Erlöse, die insgesamt 57 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachten. Die sportlichen Erfolge in der Saison 2019/20 trugen ebenfalls zum Vorrücken auf Rang 3 bei, auch wenn ein Teil der Erlöse aus dem Erfolg in der Champions League – aufgrund der späteren Austragung – erst in der aktuell laufenden Saison berücksichtigt sein wird.
  • Borussia Dortmund verteidigte mit einem Gesamtumsatz von 365,7 Millionen Euro und einem Minus von nur 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr Platz 12 im aktuellen Ranking. Die Verluste bei den Spieltagerlösen (-22 Prozent) durch insgesamt fünf Geisterspiele in der Bundesliga konnten die Borussen dank leichter Zuwächse bei den kommerziellen und den Medienrechterlösen fast komplett ausgleichen. Der FC Schalke 04 schaffte es im aktuellen Ranking auf Platz 16. Die Königsblauen haben mit einem Gesamtumsatz von 222,8 Millionen Euro aber ein Minus von 31 Prozent zu verzeichnen. Ursache waren neben den Corona-Einschränkungen vor allem die verpasste Qualifikation für die europäischen Wettbewerbe zur Saison 2019/20
  • Zu den zwei Neuzugängen im aktuellen DFML-Ranking gehört neben Zenit St. Petersburg auch Eintracht Frankfurt. Die Hessen schafften es mit einem Gesamtumsatz von 174,0 Millionen Euro erstmals in die Top 20. Bemerkenswert ist der Zuwachs bei den kommerziellen Erlösen (+7 Prozent). In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Club hier um 60 Prozent gesteigert.

Fans wollen mehr Inhalte rund um Clubs, Sportler und Spiele

 

Entscheidender Treiber für den wirtschaftlichen Erfolg sind letztendlich die Fans. „Für die Clubs ist es wichtig, auf die Wünsche ihrer Fans einzugehen und gerade hier haben abgebrochene Saisons und Geisterspiele ganz neue Herausforderungen geschaffen“, so Lachmann. „Eine Umfrage im Rahmen der DFML unter Fußballfans in über 20 Ländern hat ergeben, dass seit März 2019 knapp die Hälfte der Fans (49 Prozent) auf Social Media mit ihren Clubs interagiert hat. Auf der Wunschliste der Fußballfreunde steht mehr Content, beispielsweise der ein oder andere Blick hinter die Kulissen, Live-Schalten zum Training oder auch Spieltaghighlights, ganz oben. In diesem Bereich gibt es für die Clubs noch viel Potenzial, das es am besten zeitnah zu erschließen gilt.“

 

Spieltagsbetrieb ist ein Eckpfeiler für die Vereine

 

Es wird aller Voraussicht nach noch einige Zeit dauern bis der Fußball zur Normalität zurückkehren kann. „Der Spieltagbetrieb ist einer der Eckpfeiler des Geschäftsmodells der Clubs und nicht zuletzt deshalb, hat die sichere Rückkehr der Fans in die Stadien höchste Priorität“, sagt Ludwig. „Doch wann das möglich sein wird, hängt von vielen Faktoren ab, welche die Ligen und Clubs nur zu einem sehr kleinen Teil beeinflussen können. Doch schon jetzt steht fest: Das endgültige Ausmaß der finanziellen Auswirkungen der Pandemie auf den Fußball wird zu einem nicht geringen Teil vom Zeitpunkt und Umfang der Rückkehr der Fans abhängen."

 

Position (Vorjahr) Club  2019/20 Umsatz in Mio./€ (Umsatz 2018/19) 

      

  • 1 (1) FC Barcelona 715,1 (840,8)
  • 2 (2) Real Madrid 714,9 (757,3)
  • 3 (4) FC Bayern München 634,1 (660,1)
  • 4 (3) Manchester United 580,4 (711,5)
  • 5 (7) FC Liverpool 558,6 (604,7)
  • 6 (6) Manchester City 549,2 (610,6)
  • 7 (5) Paris Saint-Germain 540,6 (635,9)
  • 8 (9) FC Chelsea 469,7 (513,1)
  • 9 (8) Tottenham Hotspur 445,7 (521,1)
  • 10 (10) Juventus Turin 397,9 (459,7)
  • 11 (11) Arsenal London 388,0 (445,2)
  • 12 (12) Borussia Dortmund 365,7 (371,7)
  • 13 (13) Atlético de Madrid 331,8 (367,6)
  • 14 (14) Inter Mailand 291,5 (364,6)
  • 15 (28) Zenit St. Petersburg 236,5 (180,4)
  • 16 (15) FC Schalke 04 222,8 (324,8)
  • 17 (19) Everton 212,0 (210,5)
  • 18 (17) Olympique Lyon 180,7 (220,9)
  • 19 (20) SSC Neapel 176,3 (207,4)
  • 20 (27) Eintracht Frankfurt 174,0 (182,2)

pm, Quelle: Deloitte Football Money League

 

 

English version

 

The 2019/20 soccer season, which underpins the Deloitte Football Money League (DFML), was undoubtedly the most challenging in recent soccer history. The resulting ranking of the 20 financially strongest clubs in top international soccer must be viewed accordingly against the backdrop of the global Covid 19 pandemic and its impact on public life as a whole - and therefore also on sport.

 

"Usually, the fiscal year ends for clubs when their respective leagues close their seasons in May or June," said Stefan Ludwig, partner and head of the sports business group at Deloitte. "In the 2019/20 season, the pandemic disrupted the usual routines starting in March. The international leagues adopted different strategies in the process. For example, while France's Ligue 1 cancelled the season altogether, other leagues postponed matches and thus the end of the season. As a result, in some cases revenues also slip into the current fiscal year and will therefore only be included in the next edition of the Football Money League. This circumstance also contributes to a more difficult than usual comparability of the financial performance of individual clubs."

 

8.2 billion euros in revenue generated

 

In the 2019/20 season, the 20 most economically successful clubs in international professional soccer generated a total of €8.2 billion in revenue (excluding transfer income), 12 percent less than the previous year. "Despite everything, this is the third highest total revenue in 24 years of Football Money League," said Kim Lachmann, senior manager of the Sport Business group at Deloitte. "What is also exciting in this exceptional season is the development due to the pandemic-related shortfall in media rights and matchday revenues

.

Strengthen strategic goals and business models

 

For many clubs, this is an impetus to sharpen their strategic goals and business models. Here, of course, digital requirements are currently playing a decisive role. The most agile and innovative clubs can deliver more value to their fans and wider stakeholders and therefore have the best prerequisites for a quick recovery after the crisis."

 

Biggest losses in media rights

 

The most significant losses were in revenues from media rights (-23 percent). The background to this is the combination of deferred revenues, which will not be reflected until next year, and discounts to media companies for cancelled matches. With numerous matches taking place without an audience or being cancelled altogether from March 2020, matchday revenues were also hit hard, falling by 17 percent.

 

Closer than ever: Barca defends first place ahead of Real

 

Despite the very different conditions for the clubs this year, there were no new entries in the top 10 of the DFML. First place was defended by FC Barcelona with a total turnover of 715.1 million euros, very narrowly ahead of La Liga rivals Real Madrid with 714.9 million euros. With a loss of €125.7 million compared to the previous season, when Barca became the first DFML club to break the €800 million barrier, the Catalans suffered the second-largest loss in absolute terms of all DFML's top 20 clubs.

 

How the Bundesliga clubs fared

 

FC Bayern München was able to fight its way up to 3rd place. With total revenue of €634.1 million in the 2019/20 season, the triple winners also suffered slight losses, but the drop was a very moderate 4 percent. Like all Bundesliga clubs, Bayern benefited from the only slightly later end to the season in Germany's top league. But the Munich club's strong economic performance is also due to its strength in commercial revenue, which accounted for a total of 57 percent of total revenue. The sporting successes in the 2019/20 season also contributed to the advance to third place, even if part of the revenue from the success in the Champions League - due to the later staging - will only be taken into account in the current season.

 

Borussia Dortmund defended its 12th place in the current rankings with total revenues of EUR 365.7 million and a drop of only 2 percent compared to the previous year. The losses in matchday revenues (-22 percent) due to a total of five ghost matches in the Bundesliga were almost completely offset by the Borussians thanks to slight increases in commercial and media rights revenues. FC Schalke 04 made it to 16th place in the current rankings, but with total revenues of EUR 222.8 million, the Königsblauen were down 31 percent. In addition to the Corona restrictions, the main reason was the missed qualification for the European competitions for the 2019/20 season

 

The two newcomers in the current DFML ranking include Zenit St. Petersburg and Eintracht Frankfurt. The Hessians made it into the top 20 for the first time with total revenue of €174.0 million, and the growth in commercial revenue (+7 percent) is notable. In the past five years, the club has increased by 60 percent here.

Fans want more content about clubs, athletes and games

 

Ultimately, the decisive driver for commercial success is the fans. "It is important for clubs to respond to the wishes of their fans, and here in particular, aborted seasons and ghost matches have created completely new challenges," says Lachmann. "A DFML survey of soccer fans in over 20 countries found that just under half of fans (49 percent) have interacted with their clubs on social media since March 2019. At the top of the soccer fans' wish list is more content, such as a behind-the-scenes look or two, live feeds to training sessions, or even matchday highlights. There's still a lot of potential for clubs in this area, and it's best to tap into it promptly."

 

Matchday operations are a cornerstone for clubs

 

In all likelihood, it will be some time before soccer can return to normal. "Matchday operations are one of the cornerstones of the clubs' business model and, not least for that reason, getting fans safely back into the stadiums is a top priority," Ludwig says. "But when that will be possible depends on many factors, only a very small part of which the leagues and clubs can influence. But it's already clear that the ultimate extent of the financial impact of the pandemic on soccer will depend in no small part on the timing and scale of the return of fans."

 

Top-20 in the European Money League

 

Position (previous year) Club 2019/20 Revenue in € million (2018/19 revenue) 

 

1 (1) FC Barcelona 715.1 (840.8)

2 (2) Real Madrid 714.9 (757.3)

3 (4) FC Bayern Munich 634.1 (660.1)

4 (3) Manchester United 580.4 (711.5)

5 (7) Liverpool FC 558.6 (604.7)

6 (6) Manchester City 549.2 (610.6)

7 (5) Paris Saint-Germain 540.6 (635.9)

8 (9) Chelsea FC 469.7 (513.1)

9 (8) Tottenham Hotspur 445.7 (521.1)

10 (10) Juventus Torino 397.9 (459.7)

11 (11) Arsenal London 388.0 (445.2)

12 (12) Borussia Dortmund 365.7 (371.7)

13 (13) Atlético de Madrid 331.8 (367.6)

14 (14) Inter Milan 291.5 (364.6)

15 (28) Zenit St. Petersburg 236.5 (180.4)

16 (15) FC Schalke 04 222.8 (324.8)

17 (19) Everton 212.0 (210.5)

18 (17) Olympique Lyon 180.7 (220.9)

19 (20) SSC Napoli 176.3 (207.4)

20 (27) Eintracht Frankfurt 174.0 (182.2)

pm, mei, Source: Deloitte Football Money League 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0