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Missbrauch Erzbistum Köln: Kardinal Woelki hat mehrfach enttäuscht

Im "Kölner Stadt-Anzeiger" sprach Rörig von einer "schweren Belastung insbesondere für die Betroffenen und die in der Aufarbeitung Engagierten". Kardinal Rainer Woelki habe mit der Vergabe eines - später von ihm unter Verschluss genommenen - Rechtsgutachtens "sehr, sehr hohe Erwartungen geweckt", so Rörig weiter.

 

"Die hat er dann auf der Strecke mehrfach enttäuscht. Und im Moment fehlt es an dem, was für Aufarbeitung am Wichtigsten ist: Transparenz und Vertrauen, Hoffnung, Zuversicht. Köln erzeugt gerade leider das Gegenteil: Misstrauen und Skepsis." Rörig beklagte auch eine "Störung der unabhängigen Aufarbeitung in den einzelnen Diözesen" durch die "Kölner Wirren". In mehr als der Hälfte der 27 Bistümer stehe er "in konkreten Gesprächen" über die Errichtung von Kommissionen zur Aufarbeitung, auf die sich die Deutsche Bischofskonferenz 2020 in einer gemeinsamen Vereinbarung mit Rörig verpflichtet hatte. Man werde nun sehen können, "welche Bischöfe die Dinge vorantreiben und welche hier noch etwas mehr Energie an den Tag legen müssten". Mit dem Erzbistum Köln fühle er sich in diesem Punkt "auf gutem Wege", betonte Rörig. Allerdings wirkten sich die dortigen Konflikte negativ auf die Entsendung von Vertretern aus den Reihen der Betroffenen aus. 

 

Kein Kommentar zu Personalentscheidungen

 

Zur Frage nach personellen Konsequenzen für die Bistumsverantwortlichen sagte Rörig, er kommentiere keine Personalentscheidungen. "Allerdings würde ich allen empfehlen, die ein wichtiges Amt bekleiden, sich sehr selbstkritisch zu befragen: Was waren die Folgen meines Handelns? Welche Schäden sind dadurch entstanden? Die Entscheidung, unbedingt an einem Amt zu kleben, ist in jedem Fall die falsche."

 

Nicht gesamten Prozess in Hand des Staates geben

 

Rörig verteidigte die Beteiligung der Kirche an der weiteren Aufarbeitung und wandte sich gegen Vorstöße, den gesamten Prozess in die Hand des Staates zu geben. Für Gremien wie eine "Wahrheitskommission" fehlten die gesetzliche Grundlage und der politische Wille. Der Missbrauchsbeauftragte konstatierte eine gewisse Platzhalterfunktion der Kirche, hinter der andere gesellschaftliche Bereiche wie der Sport sich ihrer Verantwortung entziehen könnten.

 

Kein fundierter Prozess der Aufarbeitung

 

"Von konstruktiver Unterstützung für einen fundierten Prozess der Aufarbeitung kann keine Rede sein. Wenn die Politik sich überhaupt für Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch interessiert, dann immerhin noch im Feld der Kirchen. Sport, Schule, der familiäre Kontext interessieren die Politik noch weniger. All diese Bereiche fallen, mal im Klartext gesprochen, eher hinten runter." pm, ots

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