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Kanzlerkandidat Armin Laschet: Die Union und die Lust am Untergang - "So etwas kann nur böses Blut hinterlassen"

Falter sagte der "Heilbronner Stimme": "Irgendwie erscheint die Sache nicht im Lot, dass der Bundesvorstand der einen der beiden beteiligten Parteien, wenn auch der weitaus größeren Partei, allein über den gemeinsamen Kanzlerkandidaten entscheidet. So etwas kann nur böses Blut hinterlassen. Das gibt den Laschet-Gegnern, die es ja nach wie vor in großer Zahl gibt innerhalb der Union, Stoff, die Legitimität des Verfahrens infrage zu stellen."

 

Falter sagte weiter: "Was die Weisheit der Entscheidung selbst angeht könnte man vielleicht das Ganze mit: "Die Lust am Untergang" überschreiben. Denn eine solche Entscheidung gegen den ja nun eindeutig festgestellten Willen sowohl einer Mehrheit der Mitglieder als auch der potentiellen Anhänger der CDU und auf jeden Fall der CSU zu treffen spricht dafür, dass man das Wohl des eigenen Vorsitzenden über das der Partei und das der eigenen Partei über das der gemeinsamen Union stellen will." Der Politikwissenschaftler sagte weiter, mit Laschet werde es die Union im Bundestagswahlkampf und bei der Wahl selbst aller Voraussicht nach erheblich schwerer haben als das mit Söder der Fall gewesen wäre.

 

Wankelmütigkeit von Stimmungen

 

Das sage aber nichts aus über die Qualität der beiden als Kanzler, wohl aber als Kanzlerkandidaten. Auf die Wankelmütigkeit von Stimmungen zu verweisen, wie das der von Falter "geschätzte Schäuble" getan habe, einer der intelligentesten Politiker, mit denen er selbst jemals zu tun hatte, stelle ein Scheinargument dar. Umfragen können sich in der Tat ändern, auch wenn sie es, was die Charaktereigenschaften und das Image von Personen angehe, weniger stark zu tun pflegen. Ein Scheinargument sei das deshalb, weil es zweierlei unterstelle, nämlich einerseits einen möglichen Abbau der Zustimmungswerte zu Söder und einen möglichen Zuwachs der Zustimmungswerte zu Laschet.

 

Söder ist der aussichtsreichste Wahlkämpfer

 

"Wenn Meinungsumfragen nur Augenblicksstimmungen messen, was sie in der Tat tun, können sie sich natürlich, was die beiden möglichen Kandidaten angeht, nach beiden Seiten bewegen, bei Laschet nach unten, bei Söder weiter nach oben oder umgekehrt. Insofern stellen Sie eine schlechte Entscheidungsgrundlage dar, aber immer noch besser als gar keine", so Falter. Aus der Sicht des Wahlforschers sei die Entscheidung für Laschet die riskantere. Mit Blick auf die Angela-Merkel-Nachfolge und den Wahlkampf sagte Falter: "Ob Söder der bessere Kanzler wäre, kann ich beim besten Willen nicht entscheiden. Vielleicht wäre das ja Laschet. Aber dass Söder der aussichtsreicher Wahlkämpfer ist, kann man aus Sicht der Wahlforschung durchaus bestätigen."

 

Zur Person: Jürgen W. Falter wurde am 22. Januar 1944 in Heppenheim an der Bergstraße geboren. Der Parteienforscher und Politikwissenschaftler bekleidete ordentliche Professuren an der Hochschule der Bundeswehr München, der Freien Universität Berlin und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit 2012 ist er Senior-Forschungsprofessor in Mainz.

pm, ots

 

English version

 

Political scientist Jürgen Falter is critical of the decision of the CDU federal executive committee on the chancellor candidate issue.A majority in the CDU federal executive committee came out in favour of a chancellor candidacy by party leader Armin Laschet last night after more than six hours of debate.

 

Falter told the "Heilbronner Stimme": "Somehow it doesn't seem right that the federal executive committee of one of the two parties involved, albeit the much larger party, decides alone on the joint candidate for chancellor. Something like that can only leave bad blood in its wake. It gives the opponents of Laschet, who still exist in large numbers within the Union, material to question the legitimacy of the process."

 

Falter went on to say: "As far as the wisdom of the decision itself is concerned, one could perhaps headline the whole thing with: 'The desire for downfall'. For to take such a decision against the yes now clearly established will of both a majority of the members and potential supporters of the CDU and in any case of the CSU speaks of putting the good of one's own leader above that of the party and that of one's own party above that of the common Union." The political scientist went on to say that with Laschet, the Union would in all likelihood have a much harder time in the Bundestag election campaign and in the election itself than would have been the case with Söder.

 

Fickleness of moods

 

But that says nothing about the quality of the two as chancellors, but as candidates for chancellor. To refer to the fickleness of moods, as Falter's "esteemed Schäuble" had done, one of the most intelligent politicians he himself had ever had to deal with, was a sham argument. Polls can indeed change, even if they tend to do so to a lesser extent as far as the character traits and image of people are concerned. It is a bogus argument because it assumes two things, namely a possible decline in Söder's approval ratings on the one hand and a possible increase in Laschet's approval ratings on the other.

 

Söder is the most promising election campaigner

 

"If opinion polls only measure momentary moods, which they indeed do, they can of course move to either side as far as the two possible candidates are concerned, downwards for Laschet, further upwards for Söder, or vice versa. In this respect, they represent a poor basis for decision-making, but still better than none at all," says Falter. In the view of the election researcher, the decision for Laschet is the riskier one. With a view to Angela Merkel's succession and the election campaign, Falter said: "Whether Söder would be the better chancellor, I can't decide with the best will in the world. Perhaps Laschet would be. But that Söder is the more promising campaigner can definitely be confirmed from the point of view of election research."

 

Personal details: Jürgen W. Falter was born on 22 January 1944 in Heppenheim an der Bergstraße. The party researcher and political scientist held full professorships at the University of the Federal Armed Forces Munich, the Free University Berlin and the Johannes Gutenberg University Mainz. He has been a senior research professor in Mainz since 2012. pm, ots, mei

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