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Nach Anzeige: Bundesanwaltschaft "beobachtet" Weißrussland

Die Bundesanwaltschaft ermittelt nach einer Anzeige belarussischer Exilanten zwar nicht gegen Alexander Lukaschenko - allerdings wurde beim Generalbundesanwalt (GBA) zu den Gewaltexzessen in Belarus ein "Beobachtungsvorgang" angelegt. Das erfuhr der "Tagesspiegel" aus Justizkreisen.

 

Der "Beobachtungsvorgang" gilt als Vorstufe eines formalen Verfahrens und könnte Ermittlungen gegen Minsker Beamte vorbereiten. Zudem werde der GBA dann schneller gegen Lukaschenko ermitteln können, wenn dieser nicht mehr im Amt ist, heißt es. Amtierende Staatsoberhäupter genießen weitgehend Immunität.

 

Berliner Anwälte stellen Anzeige für Exilanten

 

Im dem vom GBA beobachteten Fall geht es um eine Anzeige von Anfang Mai, die vier Berliner Anwälte im Namen belarussischer Oppositioneller gestellt hatten. Die Anwälte vertreten zehn Männer, die nach Protesten im Sommer 2020 inhaftiert wurden: "Währenddessen", so die Anzeigesteller, "wurden sie in viel zu engen Zellen oder Transportern eingesperrt und über mehrere Tage körperlich misshandelt, gedemütigt, bedroht, beleidigt und auf andere Weise entwürdigt."

 

"Lukaschenko führt kriminelles Regime"

 

Dass die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe den Vorgang nun als "Beobachtungsfall" einstuft, bestätigte einer der Anwälte, Onur Özata, dem "Tagesspiegel". "Der Angriff auf die zivile Luftfahrt vor einigen Tagen zeigt einmal mehr, dass Lukaschenko ein kriminelles Regime führt", sagte Özata auf Anfrage. "Wir erwarten, dass die Bundesanwaltschaft formale Ermittlungen aufnimmt - auch wegen der Polizeigewalt bei den Protesten vergangenen Sommer."

 

Taten nach Weltrechtsprinzip verfolgen

 

Die Anwälte argumentierten, dass der GBA die Taten in Belarus nach dem Weltrechtsprinzip verfolgen kann - demnach können bestimmte Verbrechen auch geahndet werden, wenn die Tat in einem anderen Land stattfand und Täter sowie Opfer keine Bundesbürger sind. pm, ots

 

Mehr über die Situation in Belarus

https://t1p.de/9ioc  - Video des Bloggers - Einladung internationale Delegation

 

English version

 

The Federal Public Prosecutor's Office is not investigating Alexander Lukashenko following a complaint by Belarusian exiles - but the Federal Public Prosecutor's Office (GBA) has opened an "observation file" on the violent excesses in Belarus. This was reported to the "Tagesspiegel" from judicial circles.

 

The "observation procedure" is considered a preliminary stage of formal proceedings and could prepare investigations against Minsk officials. In addition, the JCC will then be able to investigate Lukashenko more quickly when he is no longer in office, they say. Incumbent heads of state largely enjoy immunity.

 

Berlin lawyers file charges for exiles

 

The case being monitored by the JCC concerns a complaint filed in early May by four Berlin lawyers on behalf of Belarusian opposition activists. The lawyers represent ten men who were imprisoned after protests in the summer of 2020: "Meanwhile," the complainants say, "they were locked up in far too cramped cells or vans and physically abused, humiliated, threatened, insulted and otherwise degraded over several days."

 

"Lukashenko runs criminal regime"

 

The fact that the Federal Prosecutor's Office in Karlsruhe now classifies the incident as an "observation case" was confirmed by one of the lawyers, Onur Özata, to the "Tagesspiegel". "The attack on civil aviation a few days ago shows once again that Lukashenko runs a criminal regime," Özata said when asked. "We expect the federal prosecutor's office to start formal investigations - also because of the police violence during the protests last summer."

 

Prosecute acts according to world law principle

 

The lawyers argued that the JCC can prosecute the acts in Belarus according to the principle of world law - according to which certain crimes can be prosecuted even if the act took place in another country and the perpetrator and victim are not federal citizens. pm, ots, mei

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