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UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte hat nie mit den Opfern geweint

"Es ist auf der ganzen Welt eine schlechte Zeit für Menschenrechte" - die ehemalige UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte bedauert, dass manche Kriegsverbrecher wie etwa in Syrien sich nicht für ihre Taten verantworten müssen.

 

Die Hoffnung will die 74-Jährige aber nicht aufgeben: "Kriegsverbrechen verjähren nicht. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass sich der politische Wille der Staaten eines Tages ändert und man die Verantwortlichen doch noch zur Rechenschaft ziehen wird." Heute erscheint Carla Del Pontes Buch "Ich bin keine Heldin! Mein langer Kampf für Gerechtigkeit".

 

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Mit monströsen Verbrechen konfrontiert

 

Im Interview mit der Tageszeitung "nd.DerTag" spricht sie über ihre Arbeit als Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes für die Verbrechen im ehemaligen Jugoslawien und für den Völkermord in Ruanda. Dabei war sie mit monströsen Verbrechen konfrontiert. "Aber ich habe niemals mit den Opfern geweint", so Del Ponte. "Ich hatte immer nur im Kopf, wie ich die Täter verhaften kann und was ich in die Anklageschrift schreibe. Dazu brauchte ich einen klaren Kopf und keine Gefühle."

 

Gleichgültigkeit der Weltgemeinschaft

 

Del Ponte begründet im Interview auch ihren Rückzug 2017 aus der Syrien-Kommission. Damals habe sie "die Gleichgültigkeit der Weltgemeinschaft gegenüber der internationalen Justiz, der Gerechtigkeit und den Menschenrechten zutiefst frustriert". Dass noch immer viele Verbrechen ungesühnt bleiben, belastet sie aber nicht. "Ich habe mein Leben lang für die Gerechtigkeit gekämpft. Ich habe alles getan, was ich konnte. Und ich muss gestehen, dass ich gehofft hatte, viel mehr zu bewirken. Aber jetzt sollen sich andere darum kümmern und meine Arbeit fortsetzen." pm, ots

 

English version

 

"It is a bad time for human rights all over the world" - former UN chief prosecutor Carla Del Ponte regrets that some war criminals, such as in Syria, do not have to answer for their deeds.

 

But the 74-year-old does not want to give up hope: "There is no statute of limitations for war crimes. And it is not impossible that the political will of the states will change one day and those responsible will be held accountable after all." Today Carla Del Ponte's book "I am not a heroine! My Long Struggle for Justice".

 

Confronted with monstrous crimes

 

In an interview with the daily newspaper "nd.DerTag" she talks about her work as chief prosecutor of the International Criminal Tribunal for the crimes in the former Yugoslavia and for the genocide in Rwanda. In the process, she was confronted with monstrous crimes. "But I never cried with the victims," Del Ponte said. "All I ever had in my mind was how to arrest the perpetrators and what to write in the indictment. For that, I needed a clear head and no emotions."

 

Indifference of the world community

 

Del Ponte also justifies her 2017 withdrawal from the Syria Commission in the interview. At the time, she said, she was "deeply frustrated by the indifference of the world community towards international justice, justice and human rights". But the fact that many crimes still go unpunished does not weigh on her. "I have fought for justice all my life. I have done everything I could. And I must confess that I had hoped to make a much bigger difference. But now let others take care of it and continue my work." pm, ots, mei

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