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CDU kann ihren Status als Volkspartei für immer verlieren

Im Falle einer Niederlage bei der Bundestagswahl rechnet der Parteienforscher Oskar Niedermayer mit schweren Verwerfungen und Flügelkämpfen in der Union.

 

"Es ist ganz klar, dass die CDU an der Schwelle steht, ihren Status als Volkspartei für immer zu verlieren", sagte Niedermayer dem Tagesspiegel. In der Europäischen Union gebe es genug Beispiele für christdemokratische Partien, die nach Wahldesastern zusammengebrochen seien und nie mehr zu alter Stärke zurückgefunden haben. Niedermayer nannte die Democrazia Cristiana in Italien als Beispiel. Am Wochenende hatte CSU-Chef Markus Söder in der "Welt am Sonntag" betont, sollte die Union nicht in der Regierung sein, kämen schwerste Zeiten auf die Partei zu. Als Erstes werde es vor allem in der CDU zu personellen Konsequenzen kommen, betonte Niedermayer. "Ich vermute, dass man einen neuen Parteivorsitzenden braucht, wenn Armin Laschet die Union in die Opposition führt", sagte Niedermayer.

 

Auswahlprozess der Kanzlerkandidaten reformieren

 

Auch der Auswahlprozess des Kanzlerkandidaten müsse dringend reformiert werden. "Die Führungsriege der CDU hat hier gegen die Mehrheit der Basis Armin Laschet durchgesetzt. CDU und CSU müssen sich hier endlich ein klares Auswahlverfahren geben, damit so etwas nicht mehr passieren kann." Es seien lange und harte Kursdiskussionen zu erwarten. Die Probleme der Union hingen nicht an nur an der Person Laschet, "sondern schlicht und einfach an der inhaltlichen Entkernung der Partei." Viele Wähler wüssten nicht mehr, wofür die Union heute stehe, betonte Niedermayer.

pm, ots

 

English version

 

In the event of a defeat in the Bundestag elections, party researcher Oskar Niedermayer expects severe upheavals and wing wars in the CDU/CSU.

 

"It is quite clear that the CDU is on the threshold of losing its status as a people's party forever," Niedermayer told the Tagesspiegel. In the European Union, he said, there were enough examples of Christian Democratic parties that had collapsed after electoral disasters and never regained their former strength. Niedermayer cited the Democrazia Cristiana in Italy as an example. At the weekend, CSU leader Markus Söder emphasised in the newspaper "Welt am Sonntag" that the party would face the most difficult times if the CDU/CSU were not in government. Niedermayer stressed that the first thing that would happen would be personnel consequences, especially in the CDU. "I suspect that a new party leader will be needed if Armin Laschet leads the Union into opposition," Niedermayer said.

 

Reform the selection process of candidates for chancellor

 

The process of selecting a candidate for chancellor also urgently needs to be reformed, he said. "The CDU leadership has pushed Armin Laschet through here against the majority of the grassroots. The CDU and CSU must finally give themselves a clear selection procedure here so that something like this can't happen again." Long and hard discussions on the course to be taken are to be expected. The problems of the CDU/CSU are not due to Laschet as a person, "but simply to the gutting of the party's content. Niedermayer emphasised that many voters no longer knew what the Union stood for.

pm, ots, mei

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