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COP26: Vernichtende Zwischenbilanz des Klimagipfels in Glasgow

Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat eine vernichtende Zwischenbilanz nach einer Woche Klimagipfel in Glasgow gezogen.

 

"Wie erwartet dreht sich sehr viel um mehr oder weniger leere Reden", sagte Neubauer im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). "Das Abkommen zum Schutz der Regenwälder symbolisiert eher, was hier schiefläuft: dass man sich auf Abkommen einigt, deren Ziele viel zu weit in der Zukunft liegen, und ohne konkreten Plan, wie sie eingehalten werden." Das sei "die Klimadiplomatie der vergangenen 40 Jahre". Weitere neun Jahre Rodungen abzunicken sei "lächerlich, denn die Entwaldung muss natürlich sofort gestoppt werden".

 

Methan-Reduzierung ist nicht radikal genug

 

Auch die Übereinkunft zur Methan-Reduzierung sei "nicht radikal genug", um die globalen Klimaziele einzuhalten. "Während man sich hier einigt, Methan zu reduzieren, wird gleichzeitig auch von der Bundesregierung über die Expansion von Gas-Infrastruktur gesprochen. Auch in der EU. Dabei ist Gas einer der größten Treiber von Methan, einem der gefährlichsten Treibhausgase, die es gibt."

 

Merkel hat keine ausreichende CO2-Besteuerung eingeführt

 

Scharf attackierte die Organisatorin der Fridays-for-Future-Bewegung Kanzlerin Angela Merkel (CDU): "Frau Merkel hat es auch auf ihrer letzten Konferenz als sogenannte Klimakanzlerin nicht geschafft, ehrlich zu sagen, wo wir gerade stehen, wie groß die Verfehlungen sind und was Deutschland zu leisten hat", so die 25-Jährige in einem Telefongespräch aus Glasgow, wo sie sich derzeit aufhält. "Stattdessen fordert sie zwar eine globale CO2-Bepreisung, hat es selber bis heute nicht geschafft in Deutschland, eine ausreichende CO2-Steuer einzuführen."

 

Anderthalbjahrzehnte zugeschaut und mitgemacht

 

Merkel habe "anderthalb Jahrzehnte zugeschaut und mitgemacht, als die reichsten Staaten die Welt in Richtung Klimakollaps manövriert haben. Wenigstens in ihrer letzten Rede hätte sie aussprechen können, wie schlimm die Lage ist und was für drastische Veränderungen notwendig sind, um uns da noch herauszuholen", so Neubauer. "Stattdessen verbreitet auch sie weiter das Märchen, wir würden es schon schaffen, wenn wir hier und da einen Preismechanismus einsetzen. Schritt für Schritt mit kleinen Veränderungen umsteuern? Der Zug ist längst abgefahren, und zwar schon vor 30 Jahren."

 

Keine Hoffnung in die Regierungen

 

In Glasgow hätten die Staaten aber in der kommenden Woche "noch alle Möglichkeiten, daraus einen diplomatischen Erfolg zu machen, der mehr ist als leere Worte", sagte Neubauer. Sie setze allerdings keine Hoffnung in die Regierungen. "Solange sie zu Hause nicht ihre Hausaufgaben machen, das Vereinbarte nicht umsetzen, so lange bleiben die ganzen Versprechen nutzlos." Ihre Hoffnung seien "wir, die Zivilgesellschaften, die Menschen aus dem globalen Süden, die hier alle zusammen vor Ort sind, um den Druck zu erhöhen".

 

Wirksamkeit der freiwilligen Abkommen prüfen

 

Rufe nach einem neuen Klima-Club von EU, USA und China hält die Aktivistin für sinnlos. "Es mangelt uns nicht gerade an internationalen Clubs, an Zusammentreffen von Staaten. Es gibt eine riesengroße Menge an Konferenzen in allen möglichen Formaten, wo gesagt wird, jetzt machen wir aber wirklich mal was", sagte Neubauer. "Der Trend, sich für Ziele feiern zu lassen, die nicht ausreichen, und die Ziele dann nicht einzuhalten und davon abzulenken, indem man wieder neue Ziele vereinbart, der zieht sich seit Jahrzehnten durch die Klimadiplomatie." Es gebe jetzt immerhin den Versuch von UN-Generalsekretär António Guterres, die Wirksamkeit der ganzen freiwilligen Abkommen ohne weiteres Greenwashing zu überprüfen. "Das wäre ein Fortschritt." pm, ots

 

English version

 

Climate activist Luisa Neubauer has drawn a damning interim balance after one week of the climate summit in Glasgow.

 

"As expected, a lot revolves around more or less empty speeches," Neubauer said in an interview with the "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ). "The agreement to protect the rainforests rather symbolises what is going wrong here: that people agree on agreements whose goals are much too far in the future, and without a concrete plan on how they will be met." This is "the climate diplomacy of the past 40 years". Nodding off to another nine years of deforestation is "ridiculous, because deforestation must of course be stopped immediately".

 

Methane reduction is not radical enough

 

The agreement on methane reduction is also "not radical enough" to meet global climate targets. "While there is an agreement here to reduce methane, at the same time the German government is also talking about the expansion of gas infrastructure. Also in the EU. Yet gas is one of the biggest drivers of methane, one of the most dangerous greenhouse gases there is."

 

Merkel has not introduced sufficient CO2 taxation

 

The organiser of the Fridays for Future movement sharply attacked Chancellor Angela Merkel (CDU): "At her last conference as so-called climate chancellor, Mrs Merkel again failed to honestly say where we are right now, how big the transgressions are and what Germany has to do," the 25-year-old said in a telephone conversation from Glasgow, where she is currently staying. "Instead, although she is calling for a global CO2 price, she herself has still not managed to introduce a sufficient CO2 tax in Germany."

 

A decade and a half of watching and participating

 

Merkel had "watched and participated for a decade and a half while the richest countries manoeuvred the world towards climate collapse. At least in her last speech she could have said how bad the situation is and what drastic changes are necessary to get us out of it," Neubauer said. "Instead, she too continues to spread the fairy tale that we will make it if we put in a price mechanism here and there. Changing course step by step with small changes? That ship sailed a long time ago, and 30 years ago."

 

No hope in governments

 

In Glasgow next week, however, the states "still have every opportunity to turn this into a diplomatic success that is more than empty words", said Neubauer. However, she does not place any hope in the governments. "As long as they don't do their homework at home, as long as they don't implement what has been agreed, all the promises will remain useless." Her hope is "us, the civil societies, the people from the global South, who are all here together on the ground to increase the pressure."

 

Examine effectiveness of voluntary agreements

 

The activist considers calls for a new climate club of the EU, USA and China pointless. "We don't exactly lack international clubs, meetings of states. There is a huge amount of conferences in all kinds of formats where people say, but now we are really doing something," Neubauer said. "The trend of being celebrated for targets that are not sufficient, and then not meeting the targets and distracting from it by agreeing on new targets, has been going on for decades in climate diplomacy." At least there is now an attempt by UN Secretary-General António Guterres to review the effectiveness of all the voluntary agreements without further greenwashing. "That would be progress."

pm, ots, mei

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