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Profiler Axel Petermann: Viele Gutachten entsprechen nicht der Wahrheit

Der Profiler und langjähriger Leiter der Bremer Mordkommission, Axel Petermann (69), sieht die Arbeit von Kriminalpolizei und Staatsanwalt-schaften heute mit großer Skepsis.

 

"Als ich 2014 in den Ruhestand gegangen bin, war ich der festen Überzeugung, dass das, was in unseren Akten steht, auch den realen Gegebenheiten entspricht. Seit ich aber von Menschen um Hilfe gebeten werde und Akten übergeben bekomme, fällt mir immer mehr auf, wie häufig solche Gutachten nicht den Tatsachen entsprechen", sagte er in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Er verstehe nicht, wie manche Schlussfolgerungen gezogen werden: "Manchmal denke ich, dass der Wunsch der Ermittler, so müsse es gewesen sein, über der Realität steht und dabei neue Wahrheiten geschaffen werden."

 

Es gibt immer wieder Fehler

 

Insgesamt, so Petermann weiter, verfüge Deutschland zwar über ein funktionierendes Rechtssystem. "Aber dennoch gibt es immer wieder Fehler. Deshalb muss man aufpassen, dass sich Annahmen und das Bauchgefühl von Ermittlern nicht verselbstständigen, sondern streng die vorliegenden Beweise geprüft werden. Mich wundert schon, wie großzügig damit manchmal umgegangen wird."

 

Kritik von Ex-Kollegen

 

Petermann, der für sein Buch "Im Auftrag der Toten" abgeschlossene Kriminalfälle neu aufgerollt hat, räumte ein, sich damit die Kritik von Ex-Kollegen zugezogen zu haben: "Ein ehemaliges Mitglied der Münchner Mordkommission war schon ziemlich echauffiert und hat bei Amazon eine entsprechende Bewertung hinterlassen, obwohl ich ihn mit keinem einzigen Wort erwähnt habe."

 

Keine gleichberechtigtes Rechtssystem

 

Dennoch bleibe er bei seiner Kritik: "Wir haben eben kein gleichberechtigtes Rechtssystem. Man sollte ja meinen, dass Staatsanwälte und Rechtsanwälte nicht nur bei der Beweiswürdigung gleichberechtigt sind, aber das ist nicht so. Die Justiz hat eindeutig die Deutungshoheit über das, was gewesen ist oder eben halt nicht. Und es ist schwierig, wenn einmal Entscheidungen getroffen worden sind, jetzt aber neue Ansätze und andere Untersuchungsergebnisse vorliegen, sie davon zu überzeugen, dass sie Fehler gemacht haben könnten. Denn solche Fehler werden sehr ungern eingestanden."

pm, ots

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