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Nord Stream II: Geopolitisches Projekt zum Schaden Europas?

Der ehemalige dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen, 68, sieht in der Ostsee-Pipeline Nord Stream II ein geopolitisches Projekt zum Schaden Europas.

 

Im Interview mit dem stern sagte der ehemalige NATO-Chef, sie solle "Europas Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zementieren und die Ukraine und andere Staaten ihrer Transit-Einnahmen berauben.. Um eine Betriebsgenehmigung für die Pipeline zu erreichen, habe Russland seine Gaslieferungen nach Europa gedrosselt und die Gaspreise so in die Höhe getrieben. "Das ist Erpressung", sagt Rasmussen und fordert: "Deutschland sollte die Inbetriebnahme von Nord Stream II nicht genehmigen" - ganz gleich, wie der aktuelle Konflikt um die Ukraine sich entwickle.

 

 NATO müsse entscheiden reagieren

 

Rasmussen, in dessen Amtszeit als NATO-Generalsekretär (2009-2014) die russische Annexion der Krim und die von Russland militärisch unterstützte Abspaltung der Gebiete um Donezk und Luhansk in der Ostukraine fällt, kennt Russlands Präsidenten Vladimir Putin aus zahlreichen Begegnungen. Auf den gegenwärtigen russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine müsse die NATO entschieden reagieren, findet er, mit zusätzlichen Truppenstationierungen in den östlichen NATO-Staaten und weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine - auch aus Deutschland. "Im Umgang mit Diktatoren führt eine Politik der Beschwichtigung nicht zum Frieden, sondern zu Krieg und Konflikt", so Rasmussen.

 

Hoffnung in Außenministerin Baerbock

 

Hoffnung für einen entschiedeneren Kurs Deutschlands gegenüber Russland setzt Rasmussen in die neue Außenministerin Annalena Baerbock. "Ich verfolge sie mit großem Interesse", so Rasmussen. Bundeskanzler Olaf Scholz solle einen Kurswechsel im deutschen Verhältnis zu Russland einleiten, fordert der ehemalige NATO-Chef. "Tut er das nicht, wird diese neue deutsche Regierung eine Riesenenttäuschung für Europa." Die von der Regierung Merkel über Jahre gepflegte deutsche Sensibilität gegenüber Russland sei angesichts dessen zunehmend aggressiven Auftretens "fehl am Platz". pm, ots, Quelle: stern

 

English version

 

Former Danish Prime Minister Anders Fogh Rasmussen, 68, sees the Nord Stream II Baltic Sea pipeline as a geopolitical project to the detriment of Europe.

 

In an interview with stern, the former NATO chief said it was intended to "cement Europe's dependence on Russian gas supplies and deprive Ukraine and other states of their transit revenues.... In order to obtain an operating permit for the pipeline, Russia had throttled its gas supplies to Europe, driving up gas prices, he said. "This is blackmail," says Rasmussen and demands: "Germany should not approve the commissioning of Nord Stream II" - no matter how the current conflict over Ukraine develops.

 

NATO must react decisively

 

Rasmussen, whose term as NATO Secretary General (2009-2014) included the Russian annexation of Crimea and the Russian-backed military secession of the Donetsk and Luhansk regions in eastern Ukraine, knows Russian President Vladimir Putin from numerous meetings. NATO must react decisively to the current Russian troop build-up on the border with Ukraine, he believes, with additional troop deployments in the eastern NATO countries and further arms deliveries to Ukraine - also from Germany. "When dealing with dictators, a policy of appeasement does not lead to peace, but to war and conflict," says Rasmussen.

 

Hope in Foreign Minister Baerbock

 

Rasmussen places hope for a more decisive course of Germany towards Russia in the new Foreign Minister Annalena Baerbock. "I am following her with great interest," Rasmussen said. Chancellor Olaf Scholz should initiate a change of course in Germany's relations with Russia, the former NATO chief demands. "If he doesn't, this new German government will be a huge disappointment for Europe." The German sensitivity towards Russia cultivated by the Merkel government over the years is "out of place" in view of Russia's increasingly aggressive behaviour. pm, ots, mei, Source: stern

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