Umfrage: 85 Prozent der Deutschen wollen keine Waffenlieferungen an die Ukraine

Während die diplomatischen Bemühungen um eine De-Eskalation des Ukraine-Konflikts vor allem in Deutschland, Frankreich und den USA auf Hochtouren laufen, wünscht sich lediglich ein Drittel der Deutschen eine aktivere Unterstützung der Ukraine durch die Bundesregierung.

 

So sprechen sich nach einer aktuellen Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos nur 15 Prozent der Bundesbürger für deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine aus. Weitere 18 Prozent sind der Meinung, die Bundesregierung solle als Teil der Konfliktlösung die Inbetriebnahme der Gaspipeline Nord Stream 2 verhindern.

 

Bundesrepublik soll sich aus Konflikt heraushalten

 

Demgegenüber steht ein weiteres Drittel der Befragten (35%), das sich von der Bundesregierung wünscht, sich aus dem Konflikt herauszuhalten und weder Russland noch die Ukraine zu unterstützen. Ebenfalls fast ein Drittel (32%) der Befragten meint sogar, Deutschland solle darauf hinwirken, dass die russisch-sprachigen Regionen der Ost-Ukraine in freien Wahlen entscheiden können sollten, ob sie Teil der Ukraine bleiben wollen.

 

Anhänger von AfD und Linken sehen Einmischung kritisch

 

Gegen eine deutsche Einmischung sprechen sich vor allem Anhänger der AfD (47%) und der Linken (40%) aus, während nur jeweils 27 Prozent der FDP- und CDU/CSU-Sympathisanten für eine neutrale Haltung der Bundesregierung in der Ukraine-Frage sind. Die Anhänger der SPD und der Grünen bewegen sich mit jeweils 32 Prozent dazwischen.

Sympathisanten der Union und AfD am ehesten für Waffenlieferungen

Stärkste Verfechter für deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine sind die Anhänger von CDU/CSU mit einem Zustimmungswert von 21 Prozent, gefolgt von denen der AfD (18%). Unter den Sympathisanten der Grünen sprechen sich 16 Prozent für eine solche militärische Unterstützung aus, während Anhänger der SPD (12%), FDP (9%) und Linken (7%) in dieser Frage am meisten Zurückhaltung üben.

 

Nord Stream 2 als Druckmittel polarisiert stark

 

Wenn es darum geht, die Verhinderung der Inbetriebnahme der Gaspipeline Nord Stream 2 im Ukraine-Konflikt als Druckmittel gegen Russland zu verwenden, stimmen vor allem die Anhänger der FDP zu. 29 Prozent halten diesen Schritt für eine richtige Lösung, sogar noch mehr, als dafür sind, Neutralität zu wahren. Auch bei Befürwortern von SPD (24%) und Grünen (23%) ist die Zustimmung zu dieser Maßnahme vergleichsweise hoch, wobei jedoch größere Teile dafür sind, ganz von einer Einmischung abzusehen. Unions- (18%) und AfD-Anhänger (6%) finden alle anderen Lösungsansätze passender als die Gaspipeline in den Ring zu werfen. Und auch bei den Linken können sich nur 15 Prozent für diese Maßnahme erwärmen.

 

Jeder Dritte befürwortet freie Wahlen über Verbleib der Ost-Ukraine

 

Die Durchführung freier Wahlen in den russisch-sprachigen Regionen der Ost-Ukraine über ihren Verbleib in der Ukraine findet bei den Anhängern von FDP (35%), CDU/CSU (34%) und SPD (32%) jeweils eine ähnlich hohe Zustimmung. Die größten Unterschiede finden sich bei dieser Frage zwischen Befürwortern der Grünen, welche diese Option am seltensten ausgewählt haben (29%) und Sympathisanten der Linken, die diese Variante am häufigsten präferieren (38%).

 

Ostdeutsche stärker auf Zurückhaltung bedacht

 

In den ostdeutschen Bundesländern finden sich mit 42 Prozent (gegenüber 35% gesamt) überdurchschnittlich viele Befragte, die für eine Nichteinmischung Deutschlands im Ukraine-Konflikt plädieren. Entsprechend halten auch nur 8 Prozent der Ostdeutschen (vs. 15% gesamt) Waffenlieferungen aus Deutschland und 14 Prozent (vs. 18% gesamt) den Stopp von Nord Stream 2 für ein passendes Mittel der Konfliktlösung. Freie Wahlen in der Ost-Ukraine über den Verbleib in der Ukraine werden dagegen mit 36 Prozent Zustimmung leicht stärker von Ostdeutschen befürwortet (vs. 32% gesamt). pm, ots