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Olympiade Peking: Deutschland top im Eiskanal und als Kritiker

Reduziert man den Blick auf Peking aufs rein Sportliche, was schwerfällt, und die deutsche Bilanz, ist die Medaillenaus-beute erneut respektabel. Beim zweiten Hinsehen fällt indes auf, dass die Breite der Leistungen schwindet.

 

In olympischen Kernsportarten wie Ski alpin und Eiskunstlauf droht man den Anschluss zur Weltspitze endgültig zu verlieren. Das trifft im Biathlon-verrückten Deutschland selbst auf die Skijäger zu, die einst - noch gar nicht so lange her - Garanten für eine Flut an Edelmetall waren. Aktuell reicht es nur noch zu Achtungs- und Überraschungserfolgen.

 

In hippen Trendsportarten Exoten

 

Den Nordischen Kombinierern, deren Markenzeichen früher die donnernde Dominanz war, ergeht es ganz ähnlich. In den hippen Trendsportarten wie in der Halfpipe sind die Athletinnen und Athleten des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) derweil fast schon Exoten. Dabei sein ist alles, weil die Luft nach oben einfach zu dünn ist. Bleibt die Domäne im Eiskanal. Er ist eine sprudelnde Goldquelle, hübscht die Bilanz auf und bemäntelt sonstige Defizite. Die Bobfahrer, Rodler und Skeletonis sind eine Medaillenbank.

 

Sportliches Gerät lässt Konkurrent alt aussehen

 

Netter Nebeneffekt: Die an sich zweifelnde Hightech-Nation Deutschland kann allemal noch sportliches Gerät konzipieren und fertigen, das die überschaubare Konkurrenz auf der Bahn alt aussehen lässt. Leichtathleten fragen sich oftmals zu Recht, warum sie sich gegen Rivalen aus Samoa, von den Amerikanischen Jungferninseln und überhaupt gegen Gegner aus aller Herren Länder behaupten müssen, während die Starterfelder im Wintersport geografisch und klimatisch bedingt arg ausgedünnt sind Deutschland hat seine goldene Nische gefunden.

 

Deutschland verharrt im Schmollwinkel

 

Ansonsten gefällt es sich in der Rolle des Mahners, fordert eine Rückbesinnung auf die olympischen Ideale ein und verharrt im Schmollwinkel. Sehr konstruktiv ist das nicht. Wer ständig nur herumkrittelt, macht sich irgendwann unglaubwürdig. Die Idee eines olympischen Wintermärchens vor der Haustür bleibt bestechend. Sie ist nur leider der Mehrheit der Bevölkerung derzeit nicht vermittelbar.

pm, ots, Quelle: Mittelbayerische Zeitung, Autor: Heinz Gläser

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