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Ex-General Kujat begrüßt den Kurswechsel der Bundeswehr

Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Harald Kujat, sieht in dem angekündigten Ausbau der Bundeswehr und in der Neuausrichtung der Armee hin zur Landes- und Bündnisver-teidigung einen "historischen Schritt für Deutschland".

 

Er sei "sehr überrascht" gewesen und habe nicht zu hoffen gewagt, dass die Bundesregierung den seit 2011 eingeschlagenen "negativen Kurs" ändern werde, in dem die Bundeswehr fast ausschließlich für Auslandseinsätze vorgesehen war, sagbegrüßt te er im Interview mit dem Fernsehsender phoenix.

 

Personal der Bundeswehr muss aufgestockt werden

 

Jetzt müsse natürlich abgewartet werden, ob nach der Ankündigung tatsächlich "mit dem gleichen Elan auch schnell die Umsetzung" erfolge, damit Deutschland entsprechend seiner Größe wieder einen substanziellen Beitrag zur Bündnisverteidigung leisten könne. Dazu müsse jetzt sehr schnell "eine grundlegende Reform" der Bundeswehr durchgeführt werden, indem das Personal inklusive Reservisten aufgestockt werde, die Ausrüstung korrigiert sowie Bewaffnung und Ausbildung geändert würden. "Den konzeptionellen Überbau kann man durchaus in zwei bis drei Monaten schaffen", danach müsse die schnelle Umsetzung erfolgen, meinte Kujat.

 

Fester Bestand an Berufs- und Zeitsoldaten

 

Kujat sprach sich für eine deutlich größere Armee "mit einem festen Bestand an Berufs- und Zeitsoldaten" aus. Diese sollte mindestens 200.000 Soldaten umfassen, unter den "gegenwärtigen Bedingungen" plädiere er aber für "einen größeren Umfang". Er betonte zugleich, die Struktur der Armee müsse so umgestaltet werden, dass sie "aufnahmefähig für Reservisten" sei, damit der Gesamtumfang der Streitkräfte im Konfliktfall noch über den "Tagesumfang" deutlich vergrößert werden könne. In den Zeiten des Kalten Krieges habe die "Kriegsstärke" der Bundeswehr etwa das Dreifache an Personal betragen als in Friedenszeiten.

 

Die Dinge haben sich anders entwickelt

 

Zu Putins Befehl, die sogenannten Abschreckungsstreitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen, sagte Kujat, das müsse man "wirklich sehr, sehr ernst nehmen, denn die damit verbundenen Risiken sind enorm". Der Befehl Putins sei ein Beleg dafür, "dass sich die Dinge nicht so entwickeln, wie er es geplant und wie er es erwartet hatte".

 

Vorbehalte in Russland gegen den Krieg

 

Der Vormarsch der russischen Armee in der Ukraine habe an Schwung verloren, der Widerstand der Ukrainer sei groß, die Versorgungsprobleme der russischen Armee seien ebenfalls groß. Zudem sei die internationale Unterstützung nicht wie erhofft erfolgt. Es gebe zudem auch innerhalb der russischen Bevölkerung einen "erheblichen Widerstand" gegen den Bruderkrieg mit der Ukraine. "Ich weiß, und ich habe Gründe dafür, dass es auch im Offizierskorps der russischen Streitkräfte erhebliche Vorbehalte gegen diesen Krieg gibt", sagte Kujat. Putin stehe "relativ isoliert" da und das führe dann zu solchen "spontanen Ausbrüchen" wie der Androhung, die Nuklearstreitkräfte in eine Alarmbereitschaft zu versetzen. pm, ots

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