Olympische Winterspiele: Ohne den "Eiskanal" wäre das deutsche Team in der Bedeutungslosigkeit verschwunden

Mit der Abschlussfeier in Verona sind die 25. Olympischen Winterspiele in Italien zu Ende gegangen. Während Gastgeber Italien seine erfolgreichsten Spiele feiert, herrscht in Deutschland Katerstimmung.

 

Mit Platz 5 im Medaillenspiegel und insgesamt 26 Medaillen (8 Gold, 10 Silber, 8 Bronze) wurde das offizielle Ziel des DOSB – ein Platz unter den Top 3 – klar verfehlt.

 

Die nackten Zahlen: Ein schleichender Abstieg

 

Vergleicht man das Ergebnis mit den Spielen in Peking 2022 (12-mal Gold, Platz 2), zeigt sich ein deutlicher Abwärtstrend. Es ist das schlechteste Abschneiden einer deutschen Winter-Olympiamannschaft seit Sotschi 2014.

Platz Land Gold Silber Bronze Gesamt

1 Norwegen 18 13 10 41

2 USA 12 11 10 33

3 Niederlande 10 5 5 20

5 Deutschland 8 10 8 26

 

Die „Eiskanal-Abhängigkeit“

 

Ein kritischer Blick auf die Medaillenverteilung offenbart ein strukturelles Problem: Ohne die Erfolge im Eiskanal wäre Deutschland im Medaillenspiegel zur Bedeutungslosigkeit degradiert worden. Dominanz im Schlitten: Fast drei Viertel der deutschen Goldmedaillen (6 von 8) stammen aus den Disziplinen Bob, Rodeln und Skeleton.

 

Ebbe auf Schnee: In den klassischen Schneesportarten (Biathlon, Ski Alpin, Langlauf) herrschte weitgehende Medaillen-Dürre. Besonders im Biathlon – einst die Goldgrube der Nation – blieb die Ausbeute mit nur einer einzigen Bronzemedaille (Mixed-Staffel) „alarmierend“, wie Ex-Profi Felix Neureuther treffend analysierte.

 

Pechvögel oder fehlende Nervenstärke?

 

Ein häufig genanntes Argument zur Verteidigung der Bilanz sind die 14 vierten Plätze – so viele wie bei keiner anderen Nation.

Drama in der Kombination: Vinzenz Geiger stürzte im entscheidenden Moment auf Medaillenkurs gleich zweifach.

Eishockey-Debakel: Trotz NHL-Superstars wie Leon Draisaitl und Tim Stützle schied das DEB-Team bereits im Viertelfinale aus. Die Abwehr erwies sich als nicht olympiawürdig. Biathlon-Schießpannen: Franziska Preuß und andere Leistungsträger patzten wiederholt am Schießstand von Antholz, wenn es um die Medaillen ging.

 

Kritik an Strukturen und Nachwuchs

 

Die Kritik nach den Spielen zielt vor allem auf das deutsche Fördersystem ab. DOSB-Chef Otto Fricke räumte ein, dass Platz fünf „keine Glanzleistung“ sei. Experten identifizieren drei Hauptprobleme:

  • Nachwuchsmangel: Der Übergang von U18 zu U23 ist die „Verlustzone“ des deutschen Sports.
  • Hoher Eigenaufwand: Viele Athleten müssen horrende Summen selbst investieren, während andere Nationen (wie Norwegen oder die Niederlande) ihre Talente zentralisierter und professioneller fördern.
  • Zersplitterung: Zu viele Zuständigkeiten und bürokratische Hürden verhindern einen effizienten Einsatz der Fördermittel.

Fazit: Die Spiele in Italien waren für Deutschland ein Weckruf. Wenn die Bundesrepublik als Wintersportnation nicht den Anschluss an die Weltspitze verlieren will, muss die Fixierung auf den technologisch getriebenen Eiskanal aufgebrochen werden. Es braucht eine Renaissance in den klassischen Schneesportarten und mutige Reformen in der Nachwuchsförderung. mei

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