Gemini hat gesagt
Das Champions-League-Rückspiel wird als eine der bittersten Nächte in die jüngere Geschichte von Borussia Dortmund eingehen.
Nach einem souveränen 2:0-Sieg im Hinspiel gab der BVB das Ticket für das Achtelfinale in einem dramatischen, von individuellen Fehlern und Disziplinlosigkeiten geprägten 1:4 (0:2) gegen Atalanta Bergamo noch aus der Hand.
Der frühe Schock und die taktische Starre
Trainer Niko Kovac hatte vor der hitzigen Atmosphäre gewarnt, doch seine Mannschaft schien vom Anpfiff weg gelähmt. Bereits in der 5. Minute bestrafte Gianluca Scamacca die schläfrige Dortmunder Hintermannschaft, als er eine Hereingabe von Bernasconi völlig unbedrängt am langen Pfosten verwertete. Anstatt nach dem frühen Gegentreffer Ruhe ins Spiel zu bringen, agierte der BVB „viel zu brav“ (wie es Kapitän Emre Can später formulierte). Das Mittelfeld um den zurückgekehrten Can bot kaum Zugriff auf die aggressiv pressenden Italiener. Kurz vor dem Pausenpfiff (45. Minute) folgte der nächste Nackenschlag: Ein abgefälschter Schuss von Zappacosta schlug zum 2:0 ein – der Hinspielvorsprung war zur Halbzeit komplett verspielt.
Hoffnungsschimmer und kollektiver Blackout
In der zweiten Halbzeit schien sich der BVB kurzzeitig zu fangen. Nachdem Maximilian Beier zunächst nur den Pfosten getroffen hatte, keimte in der 75. Minute echte Hoffnung auf: Der eingewechselte Karim Adeyemi traf sehenswert zum 1:3. Zu diesem Zeitpunkt wäre Dortmund aufgrund der Gesamtrechnung (3:3) in die Verlängerung eingezogen.
Doch was in der Nachspielzeit folgte, war ein Offenbarungseid in Sachen Professionalität:
Der Kobel-Patzer: In der 90.+3 Minute unterlief dem sonst so sicheren Gregor Kobel ein kapitaler Fehlpass im Aufbau.
Das Chaos im Strafraum: In der verzweifelten Rettungsaktion traf Ramy Bensebaini den Bergamo-Stürmer Krstovic im Gesicht.
Karten-Regen: Nach VAR-Check entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter und schickte Bensebaini mit Gelb-Rot vom Platz. Nico Schlotterbeck, der auf der Bank protestierte, sah wegen unsportlichen Verhaltens sogar glatt Rot.
Der K.O.-Schlag: Lazar Samardzic behielt in der 90.+8 Minute die Nerven und verwandelte zum 4:1-Endstand.
Analyse: Ein „verdientes“ Ausscheiden
Die internationale Presse und deutsche Experten sparen nicht mit Kritik. Der Kicker urteilte treffend: „Wegen einer schwachen ersten Halbzeit und diesem kapitalen Fehler am Ende absolut verdient.“
Die Hauptkritikpunkte
Mangelnde Führungsqualität: Trotz der Rückkehr von Emre Can und Nico Schlotterbeck (Kader) fehlte es in kritischen Phasen an Stabilität.
Individuelle Fehler: Bensebainis ungestümes Einsteigen und Kobels Fehlpass kurz vor Schluss sind auf diesem Niveau nicht zu kompensieren.
Disziplinlosigkeit: Drei Rote Karten (inklusive Staff/Bank) in der Schlussphase zeugen von Nervenschwäche statt von der geforderten „Widerstandsfähigkeit“.
„Es tut extrem weh. Aber wenn du so viele individuelle Fehler machst, dann wird es schwer. Wir sind verdient nicht weitergekommen.“
— Emre Can nach dem Spiel
Fazit
Für den BVB ist die europäische Saison vorzeitig beendet. Während der FC Bayern und Bayer Leverkusen die deutsche Fahne im Achtelfinale hochhalten, bleibt Dortmund nur die bittere Erkenntnis, dass ein Zwei-Tore-Polster gegen ein leidenschaftliches Atalanta Bergamo nicht ausreicht, wenn man die Grundtugenden des Fußballs vermissen lässt.
Kommen wir zur Einzelkritik der BVB-Spieler
Torwart & Abwehr
Gregor Kobel: 5 Eigentlich der Rückhalt des Teams, doch diesmal der tragische Held. Hielt den BVB lange im Spiel, doch sein kapitaler Fehlpass in der 93. Minute leitete die Elfmetersituation und damit das Ausscheiden ein. Ein Blackout zum ungünstigsten Zeitpunkt.
Julian Ryerson: 4 Gewohnt kämpferisch, aber spielerisch völlig limitiert gegen das aggressive Pressing der Italiener. Verlor vor dem 0:2 das entscheidende Kopfballduell.
Niklas Süle: 4,5 Wirkte behäbig und hatte enorme Probleme mit dem Tempo von Scamacca. Beim ersten Gegentor stand er zu weit weg vom Mann.
Nico Schlotterbeck: 5 Sportlich solide, aber menschlich ein Totalausfall für das Teamgefüge an diesem Abend. Holte sich auf der Bank wegen Meckerns die Rote Karte ab – ein Bärendienst für die kommenden Aufgaben und ein Zeichen mangelnder Selbstbeherrschung.
Ramy Bensebaini: 5,5 Ein gebrauchter Abend. Defensiv oft überfordert und offensiv wirkungslos. Krönte seine Leistung mit dem Foul zum Elfmeter und der anschließenden Gelb-Roten Karte. Unbeherrscht und taktisch unklug.
Mittelfeld
Emre Can: 5 Der Kapitän sollte Stabilität bringen, wirkte aber wie ein Fremdkörper. Er fand keinen Zugriff im Zentrum und leistete sich zu viele einfache Ballverluste. Als Führungsspieler in der Krisensitzung auf dem Platz nicht präsent genug.
Pascal Groß: 4 Bemühte sich um Struktur, wurde aber physisch von Bergamos Mittelfeld „aufgefressen“. Seine Standards blieben diesmal harmlos.
Julian Brandt: 4,5 Viel Schatten, wenig Licht. Er hatte kaum kreative Momente und tauchte in der hitzigen Atmosphäre des Gewiss Stadiums fast komplett ab.
Angriff
Donyell Malen: 5 Nahezu unsichtbar. Hatte keine einzige nennenswerte Offensivaktion und wurde folgerichtig in der 60. Minute ausgewechselt.
Jamie Gittens: 4 Einige gute Dribblings in der Anfangsphase, die aber im Sande verliefen. Es fehlte die gewohnte Effizienz im Abschluss.
Maximilian Beier: 3,5 Einer der wenigen Lichtblicke. Arbeitete viel und hatte Pech mit einem Pfostenschuss. Er war der einzige, der Torgefahr ausstrahlte, bevor er für Adeyemi Platz machen musste.
Einwechselspieler
Karim Adeyemi (ab 65.): 2 Der einzige Dortmunder mit Normalform. Brachte sofort Tempo und erzielte das zwischenzeitliche 1:3, das Hoffnung keimen ließ. Er war der einzige Grund, warum der BVB überhaupt bis zur 90. Minute noch im Rennen war.
Felix Nmecha (ab 70.): 4 Sollte das Mittelfeld stabilisieren, konnte dem Spiel aber keine neuen Impulse mehr geben.
Trainer
Niko Kovac: 5 Die taktische Ausrichtung war viel zu passiv. Er reagierte zwar mit der Einwechslung von Adeyemi richtig, doch die Mannschaft wirkte mental nicht auf die „Hölle von Bergamo“ vorbereitet. Dass zwei Spieler in der Schlussphase die Nerven verloren, fällt auch in den Verantwortungsbereich der Führung.
Fazit: Ein kollektives Versagen, bei dem vor allem die erfahrenen Kräfte (Kobel, Can, Schlotterbeck) in der entscheidenden Phase versagten. mei
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