Während die Welt mit Sorge auf die brennenden Raffinerien im Nahen Osten blickt und Pendler an den Zapfsäulen fassungslos auf die Preistafeln starren, herrscht in den Chefetagen der Ölmultis und großen Versorger Goldgräberstimmung.
Der 6. März 2026 markiert einen weiteren Tag, an dem die Diskrepanz zwischen realwirtschaftlichem Schmerz und börsennotierter Gier kaum größer sein könnte.
Die Profiteure der Angst: Ölmultis im Rausch
Die Eskalation im Iran-Konflikt hat den Ölpreis der Sorte Brent innerhalb einer Woche um fast 20 % nach oben getrieben. Heute notiert das Fass bei rund 85,30 USD. Für Konzerne wie Shell, BP und ExxonMobil ist diese Volatilität ein Segen.
- Kursfeuerwerk: Die Shell-Aktie markierte erst vor wenigen Tagen ein Mehrjahreshoch bei über 37 EUR. Trotz leichter Gewinnmitnahmen bleibt das Papier ein „Highflyer“ des Jahres 2026.
- Margen-Expansion: Kritiker werfen den Konzernen vor, die Preiserhöhungen an den Tankstellen (E10 oft über 2,20 €) sofort durchzureichen, während sie Rohöl verarbeiten, das noch zu deutlich günstigeren Vorkriegskonditionen eingekauft wurde. Diese „Windfall Profits“ (Zufallsgewinne) landen direkt in Aktienrückkaufprogrammen und Dividendenerhöhungen.
Versorger: Zwischen Krisenstab und Rekordrendite
In Deutschland zeigt sich ein paradoxes Bild. Während das Bundeswirtschaftsministerium aufgrund der Preissprünge bei Erdgas und Strom hektisch Krisenstäbe einsetzt, feiern die Aktien der großen Versorger.
- RWE & E.ON: Die Papiere der traditionellen Versorger profitieren von der Angst vor Versorgungsengpässen. Da katarisches LNG (Flüssiggas) aufgrund der Blockade der Straße von Hormus ausbleibt, steigen die Großhandelspreise für Strom und Gas sprunghaft an.
- Erneuerbare als Nebengewinner: Auch Unternehmen wie Nordex (+17 % in einer Woche) werden nach oben gespült, da der Markt eine noch radikalere Abkehr von fossilen Brennstoffen einpreist. Doch die Zeche zahlen heute die Haushalte, deren Stromverträge für 2027 bereits jetzt massiv nach oben angepasst werden.
Das politische Versagen: Die „Farce“ der Übergewinnsteuer
In Berlin entbrennt am heutigen 6. März erneut die Debatte um die Übergewinnsteuer. Doch die Fronten innerhalb der Regierung Merz/Scholz (Union/SPD) sind verhärtet:
- SPD & Grüne: Fordern eine Abschöpfung der Kriegsgewinne, um die explodierenden Netzentgelte zu dämpfen.
- Union & FDP: Blockieren mit dem Argument der „Investitionsfeindlichkeit“. Finanzexperten weisen zudem darauf hin, dass bisherige Versuche einer Übergewinnsteuer (wie in Italien 2023) kläglich scheiterten und kaum Einnahmen brachten.
Kursentwicklung
- Shell +5,9 % Verweigerung von Sonderabgaben trotz Rekord-Cashflow.
- OMV +12,8 % Profiteur der Abhängigkeit von osteuropäischen Gasrouten.
- RWE Stabil auf hohem Niveau Steigende Margen durch hohe Börsenstrompreise.
Fazit: Der 6. März 2026 wird als Tag in die Geschichte eingehen, an dem der Kapitalmarkt bewies, dass Blut und Öl dieselbe Währung haben. Während die Bundesregierung Entlastungspakete für 2027 verspricht, fließen die Gewinne aus der aktuellen Notlage in Echtzeit in die Depots der Großaktionäre. Die Börse feiert den Iran-Krieg als „Energiewende-Beschleuniger“, verschweigt dabei aber, dass diese Beschleunigung auf dem Rücken derer finanziert wird, die auf das Auto und die Heizung angewiesen sind. mei
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