Eine Woche nach dem Beginn der massiven amerikanisch-israelischen Luftschläge gegen den Iran ("Operation Sentinel") zeigt sich am heutigen 7. März 2026 ein Bild der Zerstörung und der strategischen Ungewissheit.
Während die militärische Führung in Teheran durch die gezielte Tötung von Ajatollah Ali Chamenei und weiterer Kader dezimiert wurde, ist der erhoffte schnelle Zusammenbruch des Regimes ausgeblieben. Stattdessen erlebt die Welt einen Flächenbrand, der den Nahen Osten in den Abgrund zu reißen droht.
Die militärische Lage: Eskalation ohne "Exit"
Nach den anfänglichen Schlägen der USA und Israels hat der Iran mit einer Strategie der "totalen Vergeltung" reagiert.
- Regionale Gegenschläge: Teheran und seine Verbündeten (Hisbollah, Huthi) greifen wahlweise US-Basen, Israel und nun auch die Golfstaaten an. Ein Raketeneinschlag in Tel Aviv am 4. März markierte einen neuen Tiefpunkt.
- Wirtschaftskrieg: Die Sperrung der Straße von Hormus hat die globalen Energiemärkte in Schockstarre versetzt. Experten warnen vor einem Inflationssprung von 2 Prozentpunkten in der EU, sollte der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau verharren.
- Bodenoffensive? Es mehren sich Berichte, wonach die USA kurdische Verbände im Nordirak für eine Bodenoffensive rüsten. Dies birgt die Gefahr, dass die Türkei und Russland (das sich bereits mit Präsident Peseschkian solidarisiert hat) aktiver in den Konflikt eingreifen.
Die Haltung der EU: Zwischen moralischem Zeigefinger und Realpolitik
Die europäische Reaktion ist – wie so oft – von tiefer Uneinigkeit geprägt. Während man sich in der Verurteilung iranischer "wahlloser Angriffe" einig ist, klaffen die Meinungen über das Vorgehen der Trump-Administration weit auseinander.
- Frankreich & Spanien: Präsident Macron kritisierte die Eskalation scharf als "gefährlich für alle" und verweigerte (zusammen mit Madrid) die Nutzung nationaler Stützpunkte für Angriffe auf den Iran.
- Großbritannien: London fährt einen riskanten Zickzackkurs. Man verweigerte zunächst die Basis Diego Garcia, entsandte dann aber Typhon-Jets zur "Defensiv-Abwehr" nach Katar, um regionale Partner zu schützen.
Fokus Deutschland: Der "Merz-Realismus" unter Druck
Unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat Deutschland eine spürbare Kehrtwende vollzogen. Die Zeit der belehrenden Diplomatie scheint vorbei, doch die neue Rolle ist intern hochumstritten.
- Die Position der Regierung: Kanzler Merz betonte in seinem Statement vom 1. März, dass völkerrechtliche Einordnungen allein nichts bewirken, wenn sie folgenlos bleiben. Er verzichtete auf eine explizite Kritik am US-Vorgehen und mahnte stattdessen "Realismus" an. Verteidigungsminister Boris Pistorius stellte jedoch klar: „Deutschland ist nicht Kriegspartei. Die Bundeswehr wird sich nicht beteiligen.“
- Indirekte Unterstützung: Trotz der offiziellen Nicht-Beteiligung ist Deutschland tief verstrickt: Ramstein als Drehscheibe: Nachdem Spanien US-Flugzeugen den Start untersagte, verlegten die USA Kräfte nach Ramstein. Deutschland duldet die Nutzung der Basis für logistische Unterstützung, was die Bundesrepublik in den Augen Teherans zum Ziel machen könnte.
- Marine im Mittelmeer: Die Fregatte Nordrhein-Westfalen operiert im Rahmen der UNIFIL-Mission vor dem Libanon, ist aber militärisch nicht für die großflächige Raketenabwehr ausgestattet.
- Innerdeutscher Streit: Während die CDU/CSU (vertreten durch Roderich Kiesewetter) sogar die Betankung israelischer Jets durch deutsche Tankflugzeuge in Erwägung zieht, kommt scharfer Widerstand von den Grünen. Sara Nanni warnte davor, sich an dem "Mist von Donald Trump" zu beteiligen.
Kritische Einordnung
Die europäische und insbesondere die deutsche Politik stecken in einer strategischen Sackgasse. Man hofft privat auf einen Regimewechsel in Teheran (insbesondere nach den blutigen Protesten im Januar 2026), fürchtet aber die Kosten des Krieges: Flüchtlingsströme, Energiekrise und den Verlust völkerrechtlicher Glaubwürdigkeit. Indem Deutschland die US-Logistik über Ramstein gewährt, aber gleichzeitig eine militärische Beteiligung ablehnt, wählt Berlin den Weg des "maximalen Risikos bei minimalem Einfluss". Man übernimmt die Zielscheibe auf dem Rücken, ohne am Verhandlungstisch der Kriegführenden wirklich Gewicht zu haben. mei
Foto: Pixabay
