Globale Verkaufswelle an den Märkten - Dax fällt unter wichtige Marke - Anleger: Keine hastigen Neukäufe

Der heutige Handelstag an den internationalen Börsen wird als Zäsur in die Finanzgeschichte des Jahrzehnts eingehen. In einer dramatischen Verkaufswelle haben die globalen Märkte auf die jüngsten Eskalationen im Iran-Konflikt und die anhaltende Blockade der Straße von Hormus reagiert.

 

Während der Ölpreis in unkartierte Regionen vorstößt, kämpft der deutsche Leitindex mit einem historischen Kursverfall.

 

Ölmarkt: Die 150-Dollar-Marke im Visier

 

Der Ölpreis bleibt der alles beherrschende Faktor. Am Montagmorgen sprang der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent zeitweise auf 142 US-Dollar, den höchsten Stand seit fast 20 Jahren.

  • Die Ursache: Satellitenaufnahmen bestätigen schwere Schäden an den Verladeterminals auf der Insel Charg. Da zudem Berichte über iranische Seeminen im Golf von Oman zunehmen, haben die großen Reedereien die Durchfahrt für Tanker bis auf Weiteres komplett eingestellt.
  • Die Prognose: Analysten von Goldman Sachs warnen heute Morgen davor, dass bei einer anhaltenden Blockade von mehr als 14 Tagen ein Preissprung auf 170 bis 180 US-Dollar unvermeidlich sei. Dies käme einem wirtschaftlichen Herzstillstand für energieintensive Industrien gleich.

DAX: Absturz unter die psychologische Marke

 

Für den deutschen Aktienmarkt ist dieser 9. März ein Tag der Kapitulation. Der DAX eröffnete mit einem massiven "Gap-Down" (Kurslücke nach unten) und weitete seine Verluste im Tagesverlauf aus.

  • Aktueller Stand: Der Index notiert am Mittag bei 23.150 Punkten, was einem Tagesverlust von rund 3,8 % entspricht. Damit ist der gesamte Gewinn der letzten 15 Monate innerhalb einer Woche ausradiert worden.
  • Branchen im Fokus: Automobil & Chemie: BASF, Bayer und die großen Autobauer (VW, Mercedes, BMW) führen die Verliererliste mit Abschlägen von teils über 7 % an. Die Angst vor explodierenden Produktionskosten und unterbrochenen Lieferketten lähmt die Käufer.
  • Rüstung & Energie: Einzig Werte wie Rheinmetall oder Anbieter von Flüssigerdgas-Infrastruktur verzeichnen Kursgewinne, können den Gesamtmarkt aber nicht stützen.

Wall Street und Asien: Flucht in den "Sicheren Hafen"

 

Die Panik in Europa schwappt auch auf die anderen Weltmärkte über, wenngleich die USA aufgrund ihrer Energieautarkie etwas resilienter wirken.

  • USA: Der S&P 500 wird zur Eröffnung schwächer erwartet, zeigt jedoch im Vergleich zum DAX eine Outperformance. Gefragt sind vor allem US-Schieferölproduzenten.
  • Asien: Der Nikkei (Japan) und der Hang Seng (Hongkong) schlossen tief im Minus. Besonders Japan als reine Importnation für fossile Brennstoffe leidet massiv unter der Teuerung.
  • Safe Havens: Gold kletterte heute Morgen auf ein Allzeithoch von 2.450 US-Dollar pro Unze. Anleger flüchten zudem in kurzfristige US-Staatsanleihen, was die Renditen dort drückt.

Kritische Einordnung: Stagflation als reales Szenario

 

Die Märkte preisen heute ein Szenario ein, das Ökonomen seit Monaten fürchten: Die Stagflation. Sinkendes Wirtschaftswachstum (oder gar Rezession) trifft auf galoppierende Inflation durch Energiekosten.

  • Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Lage fatal. Eine Zinserhöhung zur Inflationsbekämpfung würde die ohnehin schwächelnde Wirtschaft vollends abwürgen, während Zinssenkungen den Euro gegenüber dem Dollar weiter schwächen und Importe (Öl wird in Dollar gehandelt) noch teurer machen würden.

Anleger-Hinweis: In der aktuellen Phase extrem hoher Volatilität raten Experten von hastigen Neukäufen ab. Die Bodenbildung beim DAX ist noch nicht absehbar, solange keine diplomatische Deeskalation am Golf in Sicht ist. mei

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Illustration: Pixabay/Geralt